• Ensemble Les Surprises spielt Opéra ballet: Les Elements: Im Namen der Liebe ein großes Fest der Musik

Ensemble Les Surprises spielt Opéra ballet : Les Elements: Im Namen der Liebe ein großes Fest der Musik

Es mag ein Wunschtraum sein und eine Utopie, dass die Welt in Frieden leben könnte, wenn sie allein den Liebesgott regieren lässt. Doch das Konzert des jungen Ensembles Les Surprises brachte diese uralte abendländische Idee so eindringlich hervor, dass man nur zu gerne folgen mochte.

Babette Kaiserkern

Potsdam - Es mag ein Wunschtraum sein und eine Utopie, dass die Welt in Frieden leben könnte, wenn sie allein den Liebesgott regieren lässt. Doch das Konzert des jungen Ensembles Les Surprises brachte diese uralte abendländische Idee so eindringlich hervor, dass man nur zu gerne folgen mochte. In der konzertanten Fassung des Opéra-ballet „Les Éléments“ von André Cardinal Destouches und Michel-Richard de Lalande vereinten sich Wort, Musik und Interpretation auf überaus glückliche Weise. Ja, es schien so, als ob Gott Amor persönlich das Konzert unter der Leitung von Louis-Noël Bestion de Camboulas in der Orangerie von Sanssouci inspirierte.

Wie in jedem guten Schöpfungsmythos steht zu Beginn das Chaos, aus dem die Elemente hervorgehen. Als das Schicksal den Beginn der Zeit verkündet, tritt Göttin Venus auf und fordert empört einen Anteil für ihren Sohn. Mit spitzfindiger Rhetorik wird argumentiert, dass es nicht nötig wäre, ihm ein eigenes Reich zuzuweisen, denn schließlich gehört ihm sowieso die ganze Welt. Begleitet von Oboe und Kastagnetten fordert Venus die Menschen auf, Amor als einzigen Herrn anzuerkennen und ihm zu dienen.

Die vier Elemente bilden den bewegten Hintergrund für Liebesgeschichten aller Art, Happy End inklusive. Für jedes der Minidramen findet die Musik je eigene Klangfarben, getragen vom Continuo mit Cembalo, Gambe, Theorbe und Kontrabass. Fließende Traversflöten, pulsierende Arpeggien, aber auch Pauke und Piccolo-Flöte herrschen im Wasserreich. In Neptuns Palast klagt die Sirene Leukosia über einen unbekannten Fremden, in dessen Gesang sie sich verliebt hatte. Es ist Arion, ein Sohn des Meeresgotts, der nach allerlei klimatischen Störungen in seinem Vaterhaus zum Klang eines fröhlichen Passepied-Tanzes mit Leukosias Hochzeit feiert. Zwei Blockflöten vereinen sich mit der Traversflöte, um die sanfte Musik für die Stunden beim Hauch von milden Zephirwinden anzustimmen. Leidenschaftlich und hochdramatisch geht es bei der Feuerszene zu.

Der geradezu umstürzlerische Text kündet – ganz zu Beginn des Jahrhunderts der Aufklärung – von der Verabschiedung der Götter und dem Sieg der Lichts über die Dunkelheit. Anstelle des Heiligen Feuers brennt nun im Tempel der Vesta das Feuer der Liebe. Mit leuchtend flackernden Koloraturen (Sopran: Maïlys de Villetreys) und kernigem Schmelz (Bariton: Etienne Bazola) tragen Emilia und Valerius ihren Konflikt zwischen Liebe und Tod aus. Als rettender Lichtbringer schwebt Amor umrankt von Flötengirlanden herbei und fleht die Zuhörer an, sie mögen doch ihre Herzen der Liebe öffnen. Schließlich feiern alle im üppigen Garten der Göttin Pomona – mit weichem, goldenem Schimmer: Eugénie Lefebvre, Sopran – ein fröhliches Schäferfest. Zur Huldigung des Liebesgottes ertönen ausgelassene Musette-Tänze mit kreiselnden Bordunbässen und Oboenklang. Eine festlich-prächtige Chaconne setzt allerletzte majestätische Akzente.

Mit ihrer ebenso intelligenten wie anmutigen Aufführung der konzertanten Fassung der Opéra-ballet gelang den grandiosen Solisten und Musikern ein wunderbares Fest der Musik im Namen der Liebe. Bei der Premiere 1721 in Paris tanzte der elfjährige Ludwig XV. als lichtbringender Amor mit. Es scheint so, als hätte der kindliche König die Botschaft wörtlich genommen. Nicht durch Kriege ging „le Bien-Aimé“, wie der Vielgeliebte genannt wurde, in die Geschichte ein, sondern als offenherziger Liebhaber.

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