Kultur : Ein weites Feld

Sommerausstellung mit elf Künstlern im Kunsthaus Potsdam

Götz J. Pfeiffer

Sommerausstellung mit elf Künstlern im Kunsthaus Potsdam An Feld und Wiesen wachsen Blumen. Am Kunstfeld, so lässt die Ausstellunggleichen Namens im Kunsthaus Potsdam vermuten, blühen die Werke bildender Kunst. Hatte man im letzten Jahr Maler und Bildhauer aus Berlin und Potsdam für die Sommerausstellung geladen, zeigen diesmal elf Mitglieder des Kunsthaus-Vereins ihre Werke. Weniger Ausstellungskonzept war nie. Oder besser keines als ein schlechtes? Man kann sich aber auch denken: Wie es auf Feldern eben so ist - es wächst dies und das. Katharina Schnitzler steuerte Zeichnungen mit Kohle- und bunten Stiften bei. „am Rand und mittendrin“ heißen ihre auf beiden Seiten bearbeitetenWachspapiere und bieten Umrisse nicht gleich erkennbarer Gegenstände. Dazusind erklärende Beischriften zu lesen, wie die über die Braut, die beim Verlassen des Elternhauses einen Fächer aus dem Autofenster zu werfen hat,um symbolisch ihre schlechten Angewohnheiten zurückzulassen. Katharina Schnitzler wurde in Düsseldorf geboren und lebt seit ihrem Studium ebenso wie Ursula Pischel in Berlin. Diese zeigt die jüngst entstandene, abstrakteBildfolge „von oben“. Aber was hat sie nur gesehen? Auf den Bildern Marianne Gielens sind urtümliche Farborgien mit scheinbar lesbaren Schriften vereint. Die Sinne und das Sinnen sind vor ihren vier Arbeiten auf sich allein angewiesen, um so mehr, weil die Potsdamer Malerin keine Titel beigegeben hat. Und einigermaßen ratlos steht der Betrachterauch vor den Paaren „incorp 02“ und „Flesh-Factor I“ von Toni Wirthmüller,der ebenfalls in Berlin lebt und arbeitet. Vielleicht soll man seine Acrylbilder in gleicher Weise als „Feld-Forschung“ verstehen wie die so benannten Arbeiten mit Bienenwachs auf Acrylglas von Michaela Habelitz, diebereits seit 1990 mit dem gut formbaren Material in der Bundeshauptstadt arbeitet. Wenig zugänglich, aber anziehend wirken die titellosen Mischtechnik-Arbeiten auf Papier, die Helmut Metzner aus Berlin beisteuerte. Auf der einen schlingen und knoten sich weiße Linien gleich dem weit gespannten Netz einer Eisenbahn über dunklem Grund. Hiermit kontrastieren die leuchtend-gelben bis blendend-weißen Punkte und Striche, die auf seiner anderen Arbeiten übereinander liegen. In Farbe und künstlerischem Gestus passt dazu „leichtes Gelb“ von Frank Michael Zeidler, einem der Gründer des Kunsthauses mit Atelier am gleichen Ort. Über einem großen Bogen besonderen Papiers lässt er in Öl- und Buntstift aufgebrachte Farbwirbel schweben. Eine der interessantesten Arbeiten stammt von Silvia Breitwieser, die ein Atelier in den Großglienicker Panzerhallen betreibt. Ihre 1990-91entstandene Folge „Die Türen von Sans Souci“ zeigt mit Text bedruckte Folienüber gegenständlichen Fotos. Seit ihrem Studien an der Kasseler Kunsthochschule in den 70er Jahren arbeitet Breitwieser konzeptionell. Wie in anderen Arbeiten hinterfragt sie auch mit den ausgestellten Fotos von Türen der Weinbergterrassen und den aufgedruckten Texten den klassischen Bildbegriff. Das rätselhafte Motto des Schlosses über dem Weinberg interpretiert sie: „Sans, Souci“ sei die „geöffnete Tür in ein anderesLand“. Und ein Stück weit kann man ihr folgen, dass die Türen „Einsicht undAussicht, Einblick und Ausblick, fast keinen Raum, aber Blick“ geben. Zwei gleichfalls nicht Unbekannte sind Katrin Bongard und Uwe Carow, die seit September letzten Jahres die stattliche Zahl von drei Gemeinschaftsausstellungen in Potsdam zeigen konnten. Wie stets sind ihre Arbeiten aufeinander abgestimmt. Bongards mit Wachs bezogene und dann überzeichnete Fotos von Fußballspielern heißen genau so „am Feld“ wie Carows kleine Figuren aus bräunlichem Wachs, die auf Ziegelsteinen sitzen und stehen. Auch in den verglasten, großen Kästen von Oliver Zabel aus Worpswede scheinen sich Fundstücke zu befinden. „Luna“ hat er seine regelmäßig gereihten Mausefallen betitelt. Eine hat Beute gemacht: ein Kruzifix. Und mit Gertrud Steins „a rose is a rose“ ist die Phalanx von weißen Rosen auf weißem Grund betitelt. Was hätte wohl Fontane oder sein alter Briest nach dem optischen Durchackern dieser Ausstellung gesagt? Vielleicht sein bekanntes „Ach, Luise, lass ... das ist ein zu weites Feld“?Götz J. Pfeiffer Bis 25. Juli im Kunsthaus Potsdam, Ulanenweg 9. Do-So 15-19 Uhr.

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