Kultur : Ein Stoff zum Träumen

Die Potsdamer Hofkonzerte mit „Seidenrausch“ im Schlosstheater im Neuen Palais

Astrid Priebs-Tröger

Sie ist kühl, edel und kostbar. Vor 5000 Jahren wurde sie erstmals in China produziert. Und es war unter Todesstrafe verboten, das Geheimnis und die Ingredienzien ihrer Herstellung außer Landes zu verraten. Die Rede ist von Seide. Dieser unvergleichlichen Naturfaser, die in ihrer langen Geschichte bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Am Sonntagnachmittag fand in der Reihe der Potsdamer Hofkonzerte im Schlosstheater am Neuen Palais eine opulente Schau historischer Seidengewänder statt.

Aus der umfangreichen Sammlung von Josefine Edle von Krepl wurden an die hundert originale Kleidungsstücke – Kimonos, Kleider, Ballroben und Mäntel – aus den ersten siebzig Jahren des vergangenen Jahrhunderts gezeigt. Aus echter Naturseide, bestickt und bemalt bis hin zu den künstlich erzeugten und fast perfekten Nachahmungen, die seit den 1940er Jahren verstärkt auf den Markt kamen und es dennoch nicht geschafft haben, die Begeisterung für das tierische Naturprodukt zu verringern. Denn echte Seide, seit jeher eine Bekleidung der Reichen und Schönen und einstmals mit Gold aufgewogen, betört nicht nur die Sinne mit ihrem Fall, ihrer Farbbrillanz und ihrem Glanz, sondern sie verhüllt und entblößt zugleich. Und genau das führten die zehn bildschönen Models durch sieben Jahrzehnte Mode- und Kulturgeschichte zu den Klängen des Klaus Gutjahr Tango-Ensembles vor.

Begonnen wurde mit kunstvoll bemalten und in ihrer schlichten Verarbeitung an Kimonos erinnernde Gewändern, wenig später gefolgt von großen Ballroben aus den 30er Jahren bis hin zu Cocktailkleidern aus der Wirtschaftswunderzeit. Natürlich durften auch vollsynthetische Perlonkleider aus den 60ern, silbern-golddurchwirkt mit Spaghettiträgern, oder auch solche von intensiver Farbigkeit nicht fehlen. Selbst zu „Flower Power“-Zeiten wurden Frauenträume wahr: Enganliegende schwarze Samtkleider mit asymmetrischen großblumigen Stoffsäumen und ebensolchen Schleppen und Schleifen. Oder ein transparenter Traum in Rosa, der jeder Märchenprinzessin zur Ehre gereicht hätte. Apropos Königliche Hoheiten. Die kamen leider nur am Rande vor. Madame Pompadour, als Ikone exquisiter Seidenkultur, so Barbara V. Heidenreich, die durch das anregende und unterhaltsame Programm führte, war nur auf einem Bild der im Hintergrund laufenden Computerprojektion zu sehen, wie auch Seidentextilien aus dem Neuen Palais. Frau Heidenreich gab zwischen den extravaganten Vorführungen viel Wissenswertes über 4000 Jahre Seidengeschichte und den die Sinne betörenden Stoff zum Besten, allerdings hätte ihre Moderation manchmal ein wenig entspannter sein können. Und auch der Bezug zu Potsdam hätte durchaus umfangreicher ausfallen können, erinnern hier bis heute selbst Straßennamen und Maulbeerbepflanzungen an den Seidenrausch unter dem Alten Fritz. Die exquisite Tangomusik von Julian Plaza und Anibal Troilo bis hin zu Astor Piazzolla setzte schöne Akzente während der anderthalbstündigen Vorführung und ließ vor allem die Goldenen Zwanziger in dem ihnen gemäßen Licht erstrahlen und die Kleider aus Seidensatin, -brokat und -samt beinahe als neue Begehrlichkeiten erscheinen. Wer sich danach an Seidigem noch nicht sattgesehen hatte, konnte wenig später an einer Sonderführung durch die Rote Damastkammer und weitere Räume mit textilen Kostbarkeiten im Neuen Palais teilnehmen. Astrid Priebs-Tröger

Bei den nächsten Potsdamer Hofkonzerten am 17. Septmeber um 15 Uhr im Schlosstheater ist Michala Petri aus Dänemark mit ihren Blockflöten zu Gast.

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