• Die English Drama Group spielt „The Craving“: Der Traum von Hollywood – zerschmettert

Die English Drama Group spielt „The Craving“ : Der Traum von Hollywood – zerschmettert

Die English Drama Group der Uni Potsdam inszeniert Don Zolidis' "The Craving" - eine zynische Karriere über Träume und den Preis des Ruhms. 

Die Verführung von Hollywood.
Die Verführung von Hollywood.Foto: EDG/promo

Der große Traum von Hollywood. Nicht nur viele Schauspieler hechten ihm hinterher, sondern auch Regisseure, Tonmeister oder Drehbuchautoren. So auch der Held der aktuellen Produktion der English Drama Group (EDG) der Universität Potsdam. „The Craving“ heißt das ironische Stück vom amerikanischen Gegenwartsautor Don Zolidis, das die Studierenden mit sehr viel Witz auf die Bühne der oberen Mensa auf dem Campus am Neuen Palais bringen.

Darin geht es um Terry (Florian Seidler), einen jungen Drehbuchautoren, der versucht, sein erstes Script an Filmproduzenten zu verkaufen. Als das klappt, kann er sein Glück zunächst kaum fassen. Doch Regisseurin Jamie (Stefanie Bredien) verhexelt seine rührende Geschichte über Familie und Liebe zu einer Splatter-Horrorstory mit Zombies. Terry kann nur noch zusehen, wie sein Herzensprojekt blutig zerschmettert wird.

Das Regieteam der EDG mit Benjamin Langner als Chef inszeniert die Parodie auf die Filmbranche mit schnellem Tempo und ohne unnötige Schnörkel. Das Bühnenbild ist eher zurückhaltend, was den Schauspielern die Möglichkeit gibt, ganz mit ihrem Spiel zu überzeugen. Und spielen tun sie mit Leidenschaft. Da jeder Charakter in „The Craving“ ein Klischee ist, dürfen sich die Studierenden in Extremen austoben.

Besonders hervorzuheben ist dabei Kristin Hinz als resignierende Regie-Assistentin Janine, die immer wieder als Zombie oder irgendeine andere Kreatur herhalten muss und mit ihrer trockenen Art einfach unglaublich witzig ist. Auch Stefanie Bredien als abgebrühte Regisseurin Jamie ist mit ihrer kaltschnäuzig-theatralischen Art ein echtes Erlebnis. Genauso Elisabeth Waldow als Möchtegern-Star Tasha. Mit naivem Wimpernaufschlag und völlig überdrehter Attitüde steht sie für all das, was Drehbuchautor Terry für sein Script ganz und gar nicht vorgesehen hatte: Oberflächlichkeit, Selbstverliebtheit und Schnelllebigkeit. Einen witzigen Gegensatz zu ihr bilden die anderen Schauspieler-Figuren: Stephanie Hauschulz als abgeklärte Kat, die in schon fast 100 Horrorfilmen mitgewirkt hat und trotzdem ein unbekanntes Gesicht bleibt. Carolyn Rückert als genervter ukrainischer Superstar, der in Hollywood Fuß fassen möchte sowie Lena Fox als naives Mauerblümchen Ally.

Irgendwo dazwischen taumelt Florian Seidler als Drehbuchautor Terry, der Einzige, der keine überzogene Klischee-Figur sein soll – und es natürlich doch irgendwie ist. Mit seinen zu großen hängenden Hosen, der stets unordentlichen Frisur und seiner dick gerahmten Brille, entspricht er absolut der gängigen Vorstellung eines Autoren. Seidler schafft es allerdings durch seine natürliche Art, aus diesem Klischee herauszusteigen und einfach einen jungen Menschen zu zeichnen, der sich von Aussicht auf Ruhm berauschen lässt und schließlich daran zerbricht. Das ist, bei aller Komik des Stückes, geradezu herzzerreißend und stimmt nachdenklich. Sarah Kugler

„The Craving“ wieder am morgigen Samstag um 19.30 Uhr. Weitere Termine unter www.edgpotsdam.de