• Die Ausstellung „Ich und Ich“ im Kunst-Kontor: Punk und der reine Klang der Farbe

Die Ausstellung „Ich und Ich“ im Kunst-Kontor : Punk und der reine Klang der Farbe

R. Rabensaat

Der eine ist ein Punk und die andere malt abstrakte Bilder. Seit mehreren Jahrzehnten sind die beiden ein Paar. „Ich und Ich“ ist der Titel der aktuellen Ausstellung im Kunst-Kontor Sehmsdorf, mit dem die Galerie für zeitlose Kunst ihre Ausstellungsreihe fortsetzt, in der sie die Arbeiten von Künstlerpaaren zeigt. Klaus Killisch und Sabine Herrmann stellen aus.

„Gesamplet“ seien die Bilder von Killisch, erläutert Friederike Sehmsdorf, die Galeristin. Plattencover, Vinylplatten, Siebdrucke und allerlei anderes hat der Maler auf seiner Leinwand zusammengefügt. „Sampling“ ist eigentlich eine Technik zum Mischen verschiedener Musiken und Tonaufnahmen, in Diskotheken, in Konzerten. Killisch habe den Ausdruck für seine Kunst übernommen, weil er einfach besser passe als der herkömmliche Begriff der „Assemblage“, so Sehmsdorf. Denn Killischs Bilder kommen aus der Musik. Killisch begeisterte sich für die Punkmusik und wollte vergleichbar Wildes und Unkontrolliertes auf die Leinwand bringen. Das gelingt auch heute noch recht gut. Auf einem großformatigen Bild sind die farbigen Flächen scharf abgegrenzt, die Andeutung einer Figur ist erkennbar, Buchstaben fliegen durch das Bild. Aus dem, was ein buntes Kuddelmuddel sein könnte, hat der Künstler eine formal überzeugende Anordnung geschaffen, die eine unbekümmerte Lebensfreude versprüht. Wiederkehrendes Motiv des Künstlers ist eine Männerfigur, aus deren Mund sich ein weiter Bogen Unbestimmtes in den Raum erbricht. Vielleicht spukt die Figur auch Feuer, Energie.

Killisch jedenfalls war nach dem Fall der Mauer offensichtlich voller Energie. Nachdem der 1959 geborene Künstler sein Studium 1986 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee abgeschlossen hatte, war er schon im Jahre 1990 mit einigen Werken im Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig vertreten. Zahlreiche internationale Ausstellungen und Stipendien folgten. Auch im Museum of Modern Art in New York war Killisch mit einer von ihm mitgegründeten Künstlergruppe vertreten. Der Künstler ist seinem Stil, der heute nicht mehr ganz so revolutionär anmutet wie vielleicht in den 1980er-Jahren in der DDR, treu geblieben und auch gegenwärtig auf zahlreichen internationalen Ausstellungen präsent. Das verbindet Killisch durchaus mit seiner Partnerin Sabine Herrmann.

Die beiden haben gemeinsame Kinder und seien ein glückliches Paar, versichert die Galeristin. Dabei könnten die künstlerischen Arbeiten unterschiedlicher nicht sein. Meist reich pigmentiert, aber in dünnen, lasierenden Schichten aufgetragen, eröffnen die Bilder Herrmanns den Blick in eine Welt, die ausschließlich aus Farben und den Räumen besteht, die sie mit ihren Schlieren und Schichtungen schafft. Die bunte Welt, die sich unversehens und lautstark in Killischs Bildern artikuliert, bleibt völlig außen vor. Nur der reine Klang der Farbe, die von allen Dingen losgelöste Abstraktion, zieht den Betrachter in ihren Bann. Aus der Kombination der beiden völlig gegensätzlichen malerischen Welten ergibt sich ein ausgesprochen lebendiges Spannungsfeld, das vermutlich nicht zuletzt ein Reflex aus dem Leben des Paares ist. R. Rabensaat

Die Ausstellung „Ich und Ich“ ist noch bis zum 17. Dezember in der Galerie Kunst-Kontor zu sehen, Bertiniweg 1a