Kultur : Das Ende der Odyssee

Die Galerie Sperl hat endlich einen neuen Ort

Potsdams älteste Galerie hat wieder eine Bleibe. Am 10. Dezember eröffnen Ursula und Rainer Sperl in der Schopenhauerstraße 27 ihre neuen Räume. Damit schließt sich für Rainer Sperl ein Kreis: Die Adresse liegt direkt neben der ehemaligen Spielstätte des Kabaretts am Obelisk, das Rainer Sperl 1978 mitgegründet hatte. Bis 1986 war er dort „Mädchen für alles“, verantwortlich für alles von der Ausstattung bis zum Kartenabreißen. 1991 orientierte Rainer Sperl sich um, er gründete die Galerie, die bis heute besteht – und schon an verschiedensten Orten in Potsdam zu Hause war. Zunächst in der Mittelstraße im Holländischen Viertel, dann in der ehemaligen Bibliothek, dann im Nikolaisaal. Und seit 2012 in der Fachhochschule. „Wir waren immer Galerienomaden“, sagt Rainer Sperl.

Die Bleibe in der Schopenhauerstraße ist der Schlusspunkt einer langen Suche, die im Sommer dieses Jahres begann. Damals musste das Galeristenpaar wie berichtet infolge der Besetzung der Fachhochschule am Alten Markt ihre dortigen Räume schneller als gedacht verlassen. „Eigentlich waren wir im Sommer dabei, eine neue Ausstellung aufzubauen“, sagt Rainer Sperl. „Die bestellten Handwerker mussten dann nicht beim Aufbauen helfen, sondern beim Einräumen.“ Die Sammlung musste zwischengelagert werden, in der eigenen Wohnung und bei Freunden.

In der Fachhochschule konnten die Sperls 500 Quadratmeter im Erdgeschoss bespielen. Die neue Bleibe in der Schopenhauerstraße ist wesentlich kleiner: Hier stehen ihnen nur 80 Quadratmeter zur Verfügung. „Aber wir können auch klein und gut“, sagt Rainer Sperl. Zwar habe es auch Angebote für größere Räume gegeben, aber die waren für das Galeristenpaar nicht leistbar. Auch Angebote für Räume am Stadtrand gab es, aber die Sperls wollten in der Innenstadt bleiben. Auch deswegen zögerten sie nicht lange, als eine Bekannte sie auf die freien Räume in der Schopenhauerstraße aufmerksam machte.

Hat die Odyssee der Sperls jetzt ein Ende? „Ich bin jetzt 68“, sagt Rainer Sperl. „Da wäre es ganz schön, wenn wir am neuen Ort auch bis zum bitteren Ende bleiben können.“ Und diesen neuen Ort feiern sie, natürlich, mit einer Ausstellung. 20 Künstler, darunter Mickey Focke, H. H. Grimmling und Stephan Velten, zeigen ab dem 10. Dezember neue Werke – „keine Ladenhüter“, wie Rainer Sperl betont. Sondern größtenteils extra für diesen Anlass geschaffen. „Vorspiel“ wird die Ausstellung heißen. Definitiv kein Schlusspunkt also. Ein Neuanfang. les

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