• Buch über Fontanes Kirchenbesuche: Brandenburger Wanderungen weiter erzählt

Buch über Fontanes Kirchenbesuche : Brandenburger Wanderungen weiter erzählt

Johann Hinrich Claussen und Klaus-Martin Bresgott haben den Band „Das Land Fontanes“ mit Streifzügen durch Kirchen in der Mark Brandenburg herausgebracht.

Auch die Sacrower Heilandskirche hat Fontane besucht. 
Auch die Sacrower Heilandskirche hat Fontane besucht. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - „Wie häufig ich das Ränzel abtun und den Wanderstab aus der Hand legen mag, um die Geschichte von Ort und Person erst zu hören und dann weiter zu erzählen, immer bin ich unterwegs, immer in Bewegung und am liebsten ohne vorgeschriebene Marschroute, ganz nach Lust und Laune.“ Diese Methode Theodor Fontanes haben sich Johann Hinrich Claussen und Klaus-Martin Bresgott wohl kaum zu Eigen gemacht. Nicht der Nase nach gingen und fuhren sie, sondern immer einen bestimmten Kirchturm vor Augen habend. Sie machten Streifzüge durch „Das Land Fontanes“, zu Kirchen in der Mark Brandenburg. Aus dem Gesehenen, Erlebten und Gehörten entstand ein bilderreiches Buch, das in den Monumente Publikationen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erschienen ist.

Der Blickwinkel, den die Autoren bei ihren Beschreibungen eingenommen haben, unterscheidet sich von dem Fontanes in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Während dieser die erwanderte Landschaft, die Schlösser und Kirchen beschrieb, sie gewissermaßen historisierte, ging es bei Claussen und Bresgott auch darum, den aktuellen Zustand der Gotteshäuser in den kleinen Städten und in den Dörfern im Land Brandenburg zu bedenken, den Wandlungen, die die Gemeinden in den vergangenen Jahrzehnten, besonders nach dem Zusammenbruch der DDR, erfahren haben, nachzuspüren. Es ging den Autoren auch um die brandenburgischen Menschen von heute. Notwendige Informationen vor allem zur Baugeschichte der Kirchen werden dem Leser in dem Buch mitgeteilt, kleine Ungenauigkeiten so zur Orgel der Caputher Kirche haben sich zwar eingeschlichen, eine Art Wikipedia-Literatur findet man aber nicht.

Mit Ironie und Theologie

Lebendig, aufschlussreich nachdenklich und manchmal mit einer feinen Portion Ironie erzählen die Autoren Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, und dessen Mitarbeiter Klaus-Martin Bresgott von ihren Streifzügen. Auch theologische Aspekte finden Raum, ohne dabei mit dem Holzhammer zu kommen, immer mit feinsinnigem Gespür für das Heute.

Die Kirchengemeinden, die Claussen und Bresgott im Ruppiner Land, im Havelland und im Oderbruch besuchten, konnten sich der Aufmerksamkeit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz versichern. Die zum Teil altehrwürdigen Gotteshäuser wurden mit Hilfe der Stiftung und anderer Förderer vor dem Verfall bewahrt. Man sanierte und restaurierte sie aufwändig. Heute sind sie Glanzstücke einer Stadt, eines Dorfes, der Landschaft. Sie tragen zur Identität der Einwohner bei und sind unübersehbare Hinweise jahrhundertealter Zeugnisse christlicher Verkündigung, die bis ins Heute ihre Wirkung haben. Beispielsweise wird in die kleine Stadt Lindow ins Ruppiner Land eingeladen. Dort protestierten junge Menschen im Oktober 1989 gegen die DDR-Diktatur. Sie wurden daraufhin von der Obrigkeit verhaftet. Das Pfarrerehepaar Schubach bot den Bedrängten in ihrem Haus Schutz. Auch das Engagement der Kirchengemeinde für den Erhalt des jüdischen Friedhofs, der zu DDR-Zeiten verwahrloste, ist Thema.

Weitererzählte Wanderungen

Die neugotische Kirche von Werder an der Havel, die Fontane als Landschaftsdekoration bezeichnete, und vor allem das Gemälde von Jesus als Apotheker gehörten zu den Zielen der Autoren. Auch auf dem Kirchhof verweilten sie. Ein Denkmal für jugendliche Opfer stalinistischer Verfolgung und Gewalt ist nicht zu übersehen. Claussen und Bresgott verneigen sich mit großem Respekt vor den 30 Opfern, die 1952 nach Moskau verschleppt und dort hingerichtet wurden. Doch stellen sie angesichts des kirchlichen Friedhofs die Frage: „Wäre es nicht auch die Aufgabe eines christlichen Gedenkbildes, zumindest eine Ahnung von Frieden und Versöhnung, einen Sinn für Trost und Hoffnung zu eröffnen?“

„Das Land Fontanes“ gibt lohnende Einblicke von Kirchen, Pastoren, Gutsherren in Paretz, Bad Freienwalde oder Neuhardenberg von einst. Das Schöne ist, dass das Buch Fontanes Wanderungen weitererzählt – bis in die Gegenwart. 

— Klaus-Martin Bresgott, Johann Hinrich Claussen: Das Land Fontanes. Monumente-Publikationen, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, 2019. 128 Seiten mit 120 Bildern, 19, 80 Euro