Kultur : Bloß kein elitärer Jazzclub

Erfolg von Anbeginn: Die monatliche Konzertreihe „JazzTime in Babelsberg“ im Kulturhaus feiert am Donnerstag ihr zweijähriges Bestehen

Oliver Dietrich
oto: Promotion Max Punstein
oto: Promotion Max Punstein

Zum zweijährigen Jubiläum will sich der Organisator der Reihe „JazzTime in Babelsberg“ ein wenig zurücklehnen. „Wir wollen ja auch mal feiern“, sagt Max Punstein. Das bedeutet aber nicht, dass er kein großes Spektakel abhalten will, an diesem Donnerstag im Kulturhaus Babelsberg: „Es wird eine riesige Session“, sagt er zuversichtlich. Aber sie wird anders: Denn das traditionelle Konzert mit der Max Punstein Group wird diesmal ausfallen: „An diesem Abend werde ich komplett Zuhörer sein und mich einfach mal überraschen lassen“, kündigt der Schlagzeuger an.

Am 20. März 2014 fand das Auftaktkonzert der Veranstaltungsreihe statt. Die Idee dazu hatte Punstein gemeinsam mit der Jazzinitiative Babelsberg entwickelt. Zunächst war „JazzTime in Babelsberg“ als Experiment gedacht – doch gleich das erste Konzert war ausverkauft. Neuen Schwung wollte der Musiker in die recht verstaubte Jazzszene Potsdams bringen, regionale Künstler fördern und ahnte wohl kaum, was er damit lostreten würde. Die meisten, die an jedem dritten Donnerstagabend nach Babelsberg pilgern, gehören inzwischen zum Stammpublikum. Ein Special Guest ist jeweils geladen, danach gibt es eine Jamsession, eine offene Bühne für jeden, der ein Instrument dabei hat. Das Niveau dabei ist in den vergangenen zwei Jahren hörbar gestiegen.

Das bedeutet allerdings einen Spagat für Punstein und sein Team: Zum einen kommen viele Musikstudenten von der Potsdamer Uni zu den Abenden, um Jazz hautnah zu erleben und zu spielen, deren Geldbeutel jedoch nicht mehr als die fünf Euro Eintritt zulässt. „Wir wollten auch nie ein elitärer Jazzclub mit astronomischen Preisen werden“, sagt Punstein. Andererseits treten renommierte Musiker auf. „Die Musiker sollen faire Gagen bekommen“ – ein wichtiges Thema für den Berufsmusiker Punstein, der nebenbei als Schlagzeuglehrer und Studiomusiker arbeitet. Er sei immer wieder in Kontakt mit Sponsoren, damit weiterhin ein hohes Niveau geboten werden kann, sagt er. Und das klappt: Das dritte Jahr sei schon so gut wie durchfinanziert, es gebe genug Ressourcen, um musikalischen Anspruch zu günstigen Preisen zu bieten.

Das Konzept mit Stargast und Jamsession hat sich bewährt, immer mehr Leute reisen aus Berlin extra nach Babelsberg – und das trotz des großen Angebots in der Hauptstadt. Aber die Qualität spricht sich schnell herum, hochkarätige Gäste wie Olivia Trummer oder Geoffroy De Masure ziehen eben Publikum an. Die Gastmusiker bleiben oft hinterher zur Jamsession, sodass der Nachwuchsjazzer mit seinem Vorbild auf der Bühne stehen kann, wenn er will. „Das war ja auch die Idee dahinter: Die Barriere so klein wie möglich zu halten“, sagt Punstein. Das Kulturhaus Babelsberg sei dabei ein idealer Partner.

Für das Jubiläumskonzert am Donnerstag hat sich die JazzTime-Allstar-Band formiert, eine Gruppe Musiker, die ansonsten bei den Jazzsessions improvisieren: Der Saxofonist Harry Petersen wird dabei sein, Pianist Richard Oekel, sowie die Potsdamer Nachwuchshoffnung Matti Thölert am Schlagzeug – „mit fetten Bläsersätzen und orchestralem Klang“, wie Punstein schwärmt. Ob es denn auch im dritten Jahr von „JazzTime in Babelsberg“ überraschend wird? „Musikalisch schon“, sagt Punstein. Das Konzept aber bleibt, denn was gut läuft, sollte schließlich nicht verändert werden. Oliver Dietrich

Jubiläumskonzert von „JazzTime in Babelsberg“ am Donnerstag, 17. März, ab 21 Uhr im Kulturhaus Babelsberg, Karl-Liebknecht-Str. 135. Der Eintritt kostet 7, ermäßigt 5 Euro.