Kultur : Blick ins Familienalbum

Bonusmaterial für DEFA-Filme: Filmporträts Nr. 8 im Filmmuseum

Astrid Priebs-Tröger

„Und wie geht’ s dir so gesundheitlich und überhaupt?“ So begannen nicht wenige Gespräche am Montagabend im Filmmuseum. Kurz vor der Premiere von vier Filmen, die angehende Mediengestalter für Bild und Ton als Bonusmaterial für neue DVDs früherer DEFA-Filme gedreht hatten.

Vier von inzwischen einhundert Filmen, wie Produzent Uwe Fleischer nicht ohne Stolz verkündete, mit denen er Azubis erste eigene Schritte in der Praxis ermöglicht hat. Und die auch ein wenig zum Mythos der DEFA-Filmfamilie beitragen, von der einige prominente Mitglieder selbst anwesend waren.

In drei der gezeigten Beiträge, geht es darum, wie es „damals“ war. Im Streifen „Jung gefreit, nie gereut?“ von Frank Rous und Oliver Bredt, treten die Protagonisten aus Hermann Zschoches „Grüne Hochzeit“ von 1988 fast zwanzig Jahre später vor die Kamera. Erfolgsschauspielerin Anja Kling, damals gerade 17-jährig frisch für diesen Film gecastet und Marc Lubosch, ehemaliger gefragter Jungdarsteller und inzwischen Oberbeleuchter. Sie erzählen von den Probeaufnahmen und ihren Lieblingsfilmszenen, die auch kurz eingeblendet werden. Regisseur Zschoche plaudert über die Entdeckung seiner Hauptdarstellerin und dass er einen Polizistenwitz, den vom Schnittlauch nämlich, nachträglich auf Anweisung von oben aus dem Film nehmen musste. Amüsant das Ganze und nett anzuschauen, wie auch der wunderbare Balkon an der ehemals herrlich morbiden Villa in der Potsdamer Mangerstraße, einem Originaldrehort.

Immer noch viel Vergnügen lösten Szenen aus „Der Mann, der nach der Oma kam“ von 1972 im Publikum aus. Die Hauptfigur Graffunda alias Winfried Glatzeder hatten Frank Rous und Sascha Kühn in den Tierpark Friedrichsfelde gebeten und auch ihn nach seinen Erinnerungen an die Arbeit und die mitwirkenden Kollegen gefragt. Sehr „komisch“ gegen Ende der Brief Glatzeders an Regisseur Roland Oehme, in dem er ziemlich verschroben selbstkritische Worte äußert, obwohl der Film ein Riesenpublikum hatte und einer der DDR-Kinoerfolge war. Glatzeder, am Montagabend im Publikum, wollte auch mehr als drei Jahrzehnte später, jetzt im direkten Austausch mit Oehme noch „Änderungsvorschläge“ anbringen.

Der Beitrag „Knut Elstermann trifft Goya“ von Sascha Kühn hatte wesentlich mehr Informations- als Unterhaltungswert und bat einige der wichtigen Macher „hinter den Kulissen“ vor die Kamera. Regieassistentin Iris Gusner erzählte von ihren ersten Begegnungen mit Konrad Wolf, Filmarchitekt Helfried Winzer von den Umbauten des Marktplatzes in Dubrovnik und der Filmkunstmaler Hans Schneider, dass seine täuschend echten Goya-Kopien, unter ihnen die berühmten „Mayas“ und die der „Spanischen Königsfamilie“ seit der Fertigstellung des Films spurlos verschwunden sind.

Sinnlich erlebbar wurde die Arbeit an dem Monumentalfilm noch durch einen Besuch beim Stukkateur Herbert Göbel und dem Maskenbildner Jürgen Holzapfel. Beide inzwischen fast im Pensionsalter und damals gerade am Anfang ihres Berufsweges.

Und so schaute man nicht nur ihnen in die Gesichter, als hätte man ein Fotoalbum aufgeschlagen. In allen gezeigten Beiträgen war es so, als würde man Familienfotos aus mehreren Jahrzehnten betrachten und sich dabei an die „gute alte Zeit“ erinnern. Nicht mehr und nicht weniger.Astrid Priebs-Tröger

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