• Bassdröhnen und rieselnde Pianosounds : Ladies’ JazzNight im Nikolaisaal Potsdam

Bassdröhnen und rieselnde Pianosounds : Ladies’ JazzNight im Nikolaisaal Potsdam

Zum zweiten Mal erwies sich die Potsdamer Ladies’ JazzNight als Publikumsmagnet – und als echter Kracher, vor allem im zweiten Teil.

Babette Kaiserkern
Julia Hülsmann, Jazzpianistin und Komponistin aus Berlin
Julia Hülsmann, Jazzpianistin und Komponistin aus BerlinFoto: Volker Beushausen

Potsdam - Im ausverkauften Nikolaisaal in Potsdam begeisterte am Samstag bei der Ladies’ JazzNight zunächst Julia Hülsmann mit einem Oktett das Publikum, in dem das weibliche Element überwog. Ganz klar dominierten die Frauen in der Band von Julia Hülsmann mit fünf Musikerinnen, zwei Sängerinnen und dem Sänger Michael Schiefel. Ihm zur Seite stand Aline Frazão, eine junge Singer-Songwriterin aus Angola. Ihr eigenes Stück „Tanto“ zieht mit einer süffigen Mischung aus Jazz und Bossa Nova in den rhythmischen Bann.

Poetisches Gespür

Als großartige Jazz-Vokalistin erwies sich die Norwegerin Live Maria Roggen bei der Interpretation von „Your Congratulations“ von Alanis Morisette – mit einer klaren Stimme, die an Wasserkaskaden über dem permanenten Rieseln der Klaviertöne erinnerte. Julia Hülsmann am Piano bezeugte poetisches Gespür mit Hang zu minimalistischem Understatement und subtilen Klangspielen.

Das dufte aber gern auch mal makaber und überdreht sein wie in „Hatchet“ von der britischen Band Archive. Große Klasse waren auch die fünf Musikerinnen in der Band, unter denen besonders die pulsierende Kontrabassistin Eva Kruse und die wunderbare Geigerin Héloïse Lefebvre mit ganz eigenem Sound herausragten. Der vielbejubelte Auftritt von Julia Hülsmann und Oktett endete mit der Zugabe von Leslie Feists Song „My Moon, my Man“. Da war er dann da, der Mann als solcher, zumindest in den Worten und Emotionen des Lieds.

Rock mit harschen Rhythmen

Mehr von ihm gab es nach der Pause zu sehen und zu hören. Post-R&B und Jazz-Diva China Moses brachte gleich vier Männer an Klavier, Bass, Schlagzeug und Posaune auf die Bühne. Allesamt versierte Instrumentalisten, die es mit China Moses’ kolossaler Stimme locker aufnehmen können. Die Tochter der Jazz-Sängerin Dee Dee Bridgewater ist inzwischen selbst eine veritable Größe auf den Musikpodien der Welt. Doch während sie bislang meistens Klassiker aus Jazz und R&B sang, wagte sie sich nun mit eigenen Kompositionen hervor. Sie stellte in Potsdam nun einen Querschnitt aus ihrer neuen CD „Nigthingales“ vor. Der Sound marschierte in Richtung Funk und Rock mit harschen Rhythmen, groovenden Klängen. Da durfte auch mal der Bass dröhnen und blubbern, das Klavier klirren und blitzen, die Posaune blöken und röhren. Das war nicht zu dick aufgetragen für die erdbebenstarke Stimme von China Moses.

Als echte Entertainerin amerikanischen Stils erwies sie den „Damen und Herren von Potsdam“ die Ehre. Mit Witz erzählte sie „True Stories“ aus ihrem Leben, die zu Songs wurden. Etwa wie sie nach dem vierten oder fünften Whiskey mit einem Mann in sein Appartement ging und er ihren Körper rockte wie einen Bass. Und obwohl sie am nächsten Morgen seinen Namen vergessen hatte, gab es sechs Monate später eine Hochzeit in Las Vegas. Für ihre temperamentvolle Performance bekommen China Moses und ihr Vibe Tribe, so der Name der Band, viel Applaus. So viel ist sicher: Die nächste Ladies’ JazzNight kommt bestimmt.