• Ausstellung in der Galerie Blumberg: Die Stadt der Ufo-Bäume

Ausstellung in der Galerie Blumberg : Die Stadt der Ufo-Bäume

Wohlfühlen und Hektik liegen in der Stadt Singapur eng nebeneinander. Das zeigen K. T. Blumbergs Fotos, die sie in ihrer Potsdamer Galerie ausstellt.

Die sogenannten „Supertrees“ sind in Singapur eine Touristenattraktion und außerdem Wassersammler sowie Stromerzeuger.
Die sogenannten „Supertrees“ sind in Singapur eine Touristenattraktion und außerdem Wassersammler sowie Stromerzeuger.Foto: K.T. Blumberg

Potsdam - Wie riesige Bäume muten sie an. Diese großen Stahlkonstellationen, die ihre Rohrarme wie Äste in die Höhe strecken. Und sie heißen auch so: „Supertrees“ nämlich, also „Superbäume“. In Singapur stehen sie, dort hat sie auch K. T. Blumberg gesehen und fotografisch festgehalten. Insgesamt vier Wochen war sie im vergangenen Jahr in der Stadt, 1000 Fotos hat sie geschossen, wie sie erzählt. 22 Fotos sind nun unter dem Titel „Singapore – Smart Green City“ in ihrer Galerie Blumberg zu sehen.

Die „Supertrees“ fallen gleich auf zwei großformatigen Bildern mit unterschiedlichen Schwerpunkten ins Auge . Die Aufnahme, die direkt im Galerieschaufenster steht, mutet futuristisch an. Wie eine Art Ufo ragt in der Mitte ein einzelner „Supertree“ empor, dominiert das Bild. Links laufen lila-pinke Rohre als Adern durch einen anderen begrünten „Supertree“-Stamm. Science-Fiction-Lebendigkeit wie aus einem Film. „Es ist tatsächlich ein bisschen wie in einer anderen Welt“, sagt Blumberg, die ihre Galerie in der Jägerstraße in Potsdams Innenstadt seit Mai 2019 betreibt. Durch das Thema Nachhaltigkeit ist sie auf Singapur aufmerksam geworden. Eine Stadt, die hochmoderne Architektur und Umweltbewusstsein vereint – indem sie die Natur zurück ins urbane Umfeld holt.

Blumbergs Bilder zeigen auch, wie wenig sich die Natur vom Menschen zähmen lässt – so sehr er es auch versucht.
Blumbergs Bilder zeigen auch, wie wenig sich die Natur vom Menschen zähmen lässt – so sehr er es auch versucht.Foto: K.T. Blumberg

Pflanzen kühlen die Luft

„Sämtliche Häuser sind dort begrünt, von außen, aber auch teilweise von innen“, erzählt Blumberg. Die Pflanzen sorgen nicht nur für eine angenehmere Atmosphäre, sondern kühlen auch die Luft. Die „Supertrees“ sind ebenfalls begrünt, Pflanzen ranken sich an ihnen empor. Die künstlichen Rohräste sammeln außerdem Regenwasser, installierte Solarzellen erzeugen Strom. Eine Touristenattraktion sind sie zusätzlich: Durch einen Brückenpfad, der sich durch die Wipfel schlängelt, und durch bunte Lichtinstallationen am Abend.

Letztere sind auf Blumbergs Fotos nicht zu sehen, wohl aber die Brückenwege. Ein zweites großes Bild legt den Fokus darauf, zeigt die „Supertrees“ in einem romantischen Licht. Von der pulsierenden Großstadt ist hier nichts zu spüren. Vielmehr wähnt sich der Betrachter mitten im Dschungel, die Rohräste erinnern an gemütliche Bambusrohre.

Dieser Kontrast, das Ran- und Rauszoomen der Großstadt findet sich in Blumbergs Fotos immer wieder. Die Aufnahme eines Riesenrads im grünen Park vermittelt Wohlfühlidylle, eine laufende Menschenmenge auf der Straße ruft wiederum den hektischen Alltag ins Gedächtnis. Besonders schön: Hängende Äste hinter denen eine übergroße Statue nur knapp hervorlugt. Die ursprüngliche Kraft der Natur, die den etwas verloren hinter der Pflanze hervorguckenden Skulpturarm verdrängt. Allein die Farbkomposition aus dem dunklen, satten Grün der Blätter, dem fast flauschigen Braun des dicken Baumstamms und der weiß-flirrenden Figur ist ein Hingucker.

Vier Wochen war K. T. Blumberg im vergangenen Jahr in der Großstadt – und hat sie zu Fuß erkundet.
Vier Wochen war K. T. Blumberg im vergangenen Jahr in der Großstadt – und hat sie zu Fuß erkundet.Foto: Andreas Klaer

Kameras überall

Ähnlich verhält es sich in einem anderen Bild, das einen noch ganz jungen Baum in einem Rahmen zeigt, davor eine installierte Überwachungskamera. Versuchte Kontrolle über Natur – doch das Bäumchen kümmert sich nicht darum und wächst einfach aus dem Rahmen heraus. Die Kameras finden sich auch auf anderen Bildern von Blumberg. Ungefähr fünf Millionen Menschen leben in Singapur, alles sei streng kontrolliert, auch die Grünanlagen. „Es ist alles sehr sauber, nirgendwo Müll“, sagt die Fotografin, die in der Gemeinde Seddiner See zu Hause ist. „Man darf auch nicht vergessen: Es handelt sich hier um eine Einparteienregierung, da wird vieles einfach schneller durchgesetzt.“ Das Gefühl, ständig überwacht zu werden, hatte sie vor Ort nicht. Sicher habe sie sich gefühlt, auch wenn sie fast immer allein unterwegs gewesen ist und ständig zu Fuß. „So sieht man einfach am meisten und Fotografieren heißt ja oft auch einfach Sehen.“

Zum Beispiel eine junge Frau, die mit einer Duttfrisur vor einer bunt gestalteten Häuserwand sitzt. Darauf zu sehen: eine gemalte Frau mit der gleichen Frisur in der gleichen Sitzposition. Ein Glücksfall für die Fotografin – und den Betrachter. Festgucken kann man sich da, immer wieder kleine Details entdecken, wie überhaupt in vielen von Blumbergs Bildern. Seien es sich spiegelnde Kois, eine Bootsfahrt in einer Shoppingmall oder orangefarbene Kopftücher vor grauer Stadtkulisse.

>>„Singapore – Smart Green City“, noch bis zum 29. Februar in der Galerie Blumberg, Jägerstraße 20, geöffnet Mittwoch bis Samstag, von 14 bis 18 Uhr