• 20 Jahre Kammerakademie Potsdam: Die richtigen Töne

20 Jahre Kammerakademie Potsdam : Die richtigen Töne

Die Feierlichkeiten zum 20. Geburtstag der Kammerakademie Potsdam gingen am Wochenende glanzvoll zu Ende: Als Gala-Abend im Nikolaisaal. Auch der Kanzler kam vorbei.

Die Festwoche zum 20. Jubiläum der KAP im Nikolaisaal fand mit mehreren Uraufführungen ihren Höhepunkt.
Die Festwoche zum 20. Jubiläum der KAP im Nikolaisaal fand mit mehreren Uraufführungen ihren Höhepunkt.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Endlich konnte es begangen werden, das 20-jährige Jubiläum der Kammerakademie Potsdam. Wegen Corona mussten die Feierlichkeiten 2021 entfallen. Doch jetzt wurden sie nachgeholt. Eine Woche lang präsentierte das Potsdamer Orchester sein breites Repertoire und die hohe Qualität der Interpretationen, zum Finale fand am Samstagabend ein dreieinhalbstündiges Galakonzert im allerdings nicht ganz ausverkauften Nikolaisaal statt.

Aus brandenburgischen, nationalen und internationalen Konzerten nicht wegzudenken

Dort wurden die Musikerinnen und Musiker der Kammerakademie auch von Politikern gewürdigt. Bundeskanzler Olaf Scholz, der nur wenige hundert Meter vom Nikolaisaal entfernt wohnt, kam als Begleitung seiner Ehefrau, der brandenburgischen Bildungsministerin Britta Ernst. Kulturministerin Manja Schüle und Oberbürgermeister Mike Schubert (alle SPD) gehörten ebenfalls zu den Gästen. Schüle und Schubert betonten in ihren Reden, dass die Kammerakademie als Leuchtturm aus dem Potsdamer, brandenburgischen, nationalen und internationalen Konzertleben nicht wegzudenken sei.

Der Galaabend war ein Konzert musikalischer Vielfalt sowie der fabelhaften Solisten, die sich zur Gratulation einfanden: Ramón Ortega Queros, Oboe, Antje Weithaas, Violine, Maximilian Hornung, Violoncello, und Schlagzeuger Simone Rubino. Regelmäßig sind sie Partner der Kammerakademie. Das Schöne war, dass sie weitgehend selten anzutreffende Werke für diesen Abend auswählten. Wann hört man schon den melodienreichen Wohlklang von Vincenzo Bellinis Oboenkonzert in Es-Dur? Ramón Ortega Queros weiß mit dem exzellenten Klang seines Instruments diese italienische Belcanto-Musik traumhaft zu beseelen.

Zarte Dialoge zwischen Violine und Holzbläsern

Mit kammermusikalischer Konzentration, gewohnt souveränem Spiel und feinen Differenzierungen musizierte die in Potsdam lebende Antje Weithaas die Fantasie für Violine und Orchester in C-Dur von Robert Schumann. Die zarten Dialoge zwischen Solistin und einzelnen Holzbläsern waren Augenblicke, die besonders berührten. Mit elastischem Bogenstrich und bewegendem Ausdrucksspektrum wusste Maximilian Hornung das kontrastreiche Cellokonzert in C-Dur des französischen Komponisten Arthur Honegger zu musizieren. 

Auch hierbei waren Chefdirigent Antonello Manacorda und die Kammerakademie adäquate Partner, ebenfalls für Schlagzeuger Simone Rubino bei dessen Wiedergabe von Ausschnitten der Kammeroper „Il Ritmo della Terra“ (Der Rhythmus der Erde) des Italieners Lamberto Curtoni. 

Wut, Melancholie, Trauer und Optimismus

In dem 2020 komponierten Werk, in dem das Schlagzeug das Sagen hat, geht es um den Corona-Lockdown und seine Folgen für Menschen und Kunst. Wut, Melancholie, Trauer und Optimismus vereinen sich in feuriger und einfühlsamer Manier. Rubino ergreift mit ausgelassener Körperlichkeit von der Musik Besitz und macht sie zu einem Klangerlebnis. Und nicht nur auf dem Vibraphon singt er, sondern auch mit seinem Countertenor.

Vor 20 Jahren haben die Verantwortlichen der Kammerakademie den Landeshauptstädtern versprochen, dass Werke Potsdamer Komponisten verstärkt aufgeführt werden sollen. Mögen sie in den Kammerkonzerten hin und wieder einen Platz gefunden haben, so waren sie in den sinfonischen Konzerten eher rar. Im Galakonzert wurden nun drei Kompositionen von Potsdamern uraufgeführt. 

Uraufführungen made in Potsdam

Die Kammerakademie hatte Alex Nowitz, Volker Freidel sowie Gisbert Näther gebeten, Werke für das Jubiläum zu schreiben. Von Näther, der im Herbst 2021 überraschend starb, konnte sein Intermezzo nur als Fragment erklingen. Nowitz nutzte in seiner Nachtszene „Vom Glühen der Glut“ überzeugend das klangliche Spektrum eines modernen Kammerorchesters vom geformten Ton bis zum ständig reinredenden Klicken eines fiktiven Smartphones. 

Volker Freidels Orchesterstück „Rubycon crossings“ begeisterte durch seine rhythmische Kraft und die stets vorwärts drängende und mitreißende Ekstatik. Manacorda und die Kammerakademie nahmen sich den Werken mit großer Intensität an. Reprisen sind erwünscht.

Stürmisches Fest für die junge Jubilarin

Zum Finale gab es Beethovens Siebente. Das Publikum ist regelrecht Fan dieser Sinfonie in A-Dur. Auch Dirigenten bevorzugen in Konzerten die tänzerisch aufgepulverte, festlich-optimistische Musik der Sinfonie. Antonello Manacorda und die Kammerakademie haben mit Vitalität und Temperament, ja mit musikalischem Überschwang und, wie zu erwarten, mit hitziger und erregter Tempowahl das Rhythmische betont. Das Publikum feierte stürmisch die junge Jubilarin und freut sich auf die nächsten 20 Jahre mit Potsdams Leuchtturm.


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