• Zu wenig Personal, zu wenig Plätze: Brandenburger Kitaerzieher sind unzufrieden

Zu wenig Personal, zu wenig Plätze : Brandenburger Kitaerzieher sind unzufrieden

Eine aktuelle Umfrage des Paritätischen Verbands unter Fachkräften zeigt Defizite in Brandenburger Kindertagesstätten auf.

Im Mai demonstrierten Brandenburger Eltern und Erzieher für bessere Kitas.
Im Mai demonstrierten Brandenburger Eltern und Erzieher für bessere Kitas.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Erzieherinnen und Erzieher in Brandenburg sind besonders unzufrieden mit der personellen Ausstattung der Kindertagesstätten. 89 Prozent der märkischen Fachkräfte sind der Meinung, dass den Bedürfnissen der Kinder mit dem Personalschlüssel nicht entsprochen werden kann – so viele wie in keinem anderen Bundesland. Das geht aus einer aktuellen Kitastudie des Päritätischen Gesamtverbands hervor. 

An der Umfrage zur Qualität der Kinderbetreuung nahmen 1171 Fach- und Leitungskräfte aus Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet teil. Ausgewertet wurden die Antworten in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Osnabrück. 
Die Unzufriedenheit mit der Personalausstattung ist insgesamt in Ostdeutschland besonders hoch. 

In Sachsen gaben 88, in Mecklenburg-Vorpommern 83 Prozent der Befragten an, in ihrer täglichen Arbeit den Kindern nicht gerecht werden zu können. In Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen dagegen sind drei Viertel der Fachkräfte weitgehend zufrieden mit der pädagogischen Arbeit. Verwaltungsaufgaben sind nach Ansicht von bundesweit 57 Prozent der Teilnehmenden zu wenig im Personalschlüssel berücksichtigt, in Brandenburg sind es sogar rund 77 Prozent. Knapp 63 Prozent der befragten märkischen Erzieher:innen sind zudem der Meinung, dass die Zusammenarbeit mit den Familien im Personalschlüssel nicht ausreichend berücksichtigt wird. 

Elternbeirat kritisiert Nichteinhaltung des Personalschlüssels 

Seit August 2020 gilt für Brandenburger Kinder im Alter ab drei Jahren rechnerisch ein Betreuungsschlüssel von 1 zu 10, vorher lag er bei 1 zu 11. Trotz des umstrittenen Stopps der Kitarechtsreform hatte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zudem zugesagt, dass die    Verbesserung der Personalbemessung in der Krippe fortgesetzt werde. Laut rot-schwarz-grünem Koalitionsvertrag soll der Personalschlüssel für die Jüngsten in drei Schritten auf 1 zu 4 abgesenkt werden. 

Allerdings beklagen die Kitaträger, was sich nun auch in der aktuellen Studie widerspiegelt: Leitungsaufgaben oder Elternarbeit werde ebenso wie Krankheit oder Fortbildung bei der Personalbemessung nicht ausreichend berücksichtigt. So stimmen gut 94 Prozent der Brandenburger Pädagogen der Aussage „Die landesrechtlichen Vorgaben für die Zeitkontingente von Leitungskräften sind ausreichend“ überhaupt nicht oder eher nicht zu. Die Landesregierung plant derzeit aber keine Veränderungen bei der sogenannten „Leitungsfreistellung“ für Chefs von Kindertagesstätten, wie im April aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion hervorging. 

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„Es braucht endlich eine echte Fachkraft-Kind-Relation, einen Personalüberhang, mit dem Urlaub, Krankheit und Fortbildung des Personals gesichert werden kann und endlich eine zukunftsorientierte Fachkräfteoffensive anstelle der Schönrechnerei auf dem Papier“, schreibt der Landeskitaelternbeirat zur jüngst beschlossenen neuen Kitapersonalverordnung. Diese erlaube es, aufgrund von Personalmangel die Personalbemessung um bis zu zehn statt bisher fünf Prozent zu unterwandern. 

„Wie absurd wirkt da die jüngst beschlossene Krippenschlüsselverbesserung?“, fragen die Elternvertreter in ihrer Mitteilung. In der Praxis bedeute die Verbesserung, dass das vorhandene Personal die Stunden aufstocke, denn eine Kita müsse schon eine gewisse Größe haben, damit dort am Ende auch nur eine Fachkraft mehr ankomme. „Hinzu kommt, dass das Personal auf dem Markt gar nicht vorhanden ist. Und so wird dann einfach mithilfe der Ausnahmeregelung hintenrum ausgeglichen, was vorn herum nicht passt“, teilen die Landeskitaelternsprecher Catharina Kahl und Danilo Fischbach mit. 

Überstunden sind an der Tagesordnung 

In der Studie des Päritätischen Wohlfahrtsverbands gaben rund 41 Prozent der befragten Brandenburger an, dass pädagogische Fachkräfte regelmäßig Überstunden leisten, um eine angemessene Betreuung der Kinder sicherzustellen. Der Fachkräftemangel ist bundesweit so stark ausgeprägt, dass bei der Hälfte der Teilnehmenden die eigentlich vorhandenen Kitaplätze nicht komplett vergeben werden können, weil Personal fehlt. 

Knapp zwölf Prozent der Befragten in Brandenburg stimmen der Aussage völlig zu, dass die Kapazität in der Einrichtung aufgrund des Fachkräftemangels nicht vollständig genutzt werden kann, 32 Prozent stimmen eher zu. 

Platzmängel vor allem ein Problem in Ballungsräumen 

Ein Mangel an Betreuungsplätzen herrscht insbesondere in westlichen Bundesländern. Das zeigt sich vor allem in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Als Stadtstaat ist Berlin besonders betroffen. Aber auch in Brandenburg fehlt es der Umfrage zufolge an Betreuungsmöglichkeiten. Das Angebot von Plätzen für Kinder in den Kindertageseinrichtungen auf kommunaler Ebene halten nur 6,7 Prozent für völlig und 26,7 Prozent für eher ausreichend.
„Insbesondere in Ballungsräumen ist der Platzmangel für unsere Kitaleitungen noch allgegenwärtig“, sagt Stefan Spieker, Geschäftsführer der Fröbel-Gruppe, die in Brandenburg rund 45 Kitas betreibt. 

„Damit die Wartelisten hier endlich kürzer werden, braucht es weiterhin viel Engagement für den Kitaausbau. Und zwar von Bund, Ländern und Kommunen“, so Spieker. Der Fachkräftemangel verschärfe, wie die Studie zeige, die Platzknappheit zusätzlich. Oftmals seien Neueinstellungen für die regionale Kitalandschaft auch ein Nullsummenspiel, weil neue Beschäftigte Einrichtungen anderer Träger verlassen, so Spieker. „Keine Kitafachkräfte bedeutet deshalb auch keine neuen Kitaplätze“, sagt der Fröbel-Chef. Die Zahl der angebotenen Fachschulplätze für Erzieher:innen müsse deshalb deutlich vergrößert werden. Zudem müssten landes- und bundesweite Fachkräfteinitiativen für den Kitabereich ausgeweitet werden, fordert er. 

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