• Zu Gast bei Freunden? Die Paarener wollen das geplante Camp zur Fußball-WM aus Angst vor Hooligans verhindern

Brandenburg : Zu Gast bei Freunden? Die Paarener wollen das geplante Camp zur Fußball-WM aus Angst vor Hooligans verhindern

Paaren - „Zu Gast bei Freunden“ lautet das Motto der Fifa WM 2006 in Deutschland. Aber ob sich die Gäste aus dem Ausland auch so verhalten werden, wie es sich gehört, wenn man zu Besuch bei guten Freunden ist, bezweifelt nicht nur Burkhard Mertke. Rund 4000 Fußballbegeisterte aus aller Welt soll das kleine Örtchen Paaren (Havelland) als neue Nachbarn für die Zeit des großen Sportspektakels begrüßen. Auf dem Gelände des Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrums (MAFZ) will Ulrich Krämer, Geschäftsführer der Fanprojekt 2006 GmbH, eine Zeltstadt für WM-Pilger errichten.

Doch Burkhard Mertke und andere Paarener sind alles andere als erfreut. Aus Angst vor Hooligans wollen sie nun das Fan-Camp verhindern.

„Würde es sich um eine Weltmeisterschaft im Fechten handeln, hätten wir gar keine Bedenken“, versichert Mertke. Doch da sich nun einmal alles um Fußball dreht, stehe zu befürchten, dass unter den vielen Besuchern auch potenzielle Randalierer seien. „Bei nur zehn Prozent sind das alleine schon 400 Hooligans“, rechnet der Havelländer aus dem 600-Seelen-Dorf vor. „Was ist, wenn die betrunken durch den Ort ziehen und alles kaputt schlagen?“, fragt er sich. „Wer kommt für den Schaden auf?“

Mit seinen Bedenken ist Mertke nicht alleine. Die Gegner der geplanten Zeltstadt haben sich indes zu einer Bürgerinitiative formiert. 30 Mitglieder hat Sprecher Mertke bisher mobilisiert, eine Unterschriftenaktion ist im Gange. Grund zur Sorge haben die Paarener vor allem, da sie das Sicherheitskonzept des Veranstalters für unzureichend halten. Mit einer 60 Mann starken eigenen Security-Truppe will Fanprojekt-Chef Ulrich Krämer zumindest auf dem MAFZ-Gelände für Ordnung sorgen lassen. Die Polizei soll im Ernstfall außerhalb der Zeltstadt eingreifen. Für Mertke der springende Punkt dabei: Im Streifendienst, oder mit stationärer Wache?

Neben mangelnder Sicherheit befürchten Mitglieder der Bürgerinitiative erhebliche Lärmbelästigung. Denn nicht nur schlafen für maximal 18 Euro die Nacht sollen die Fans in Paaren, sondern auch feiern.

Auf riesigen Leinwänden will Krämer die Spiele übertragen lassen, am Wochenende soll das Rahmenprogramm durch Live-Konzerte ergänzt werden. Die Zeltstadt in der Mark ist nur eins von insgesamt drei Camps, die Ulrich Krämer bundesweit plant.

Neben Paaren sollen auch in Ilshofen (Baden-Württemberg) und an einem noch nicht festgelegten Ort im Ruhrgebiet Fußball-Fans zu Gast sein. Von den Standorten aus könnten dann die jeweiligen WM-Stadien der Regionen leicht erreicht werden.

Rund 20 000 Buchungen lägen bereits vor, sagt Ulrich Krämer. Die Befürchtungen vieler Paarener hält er für „nachvollziehbar“. Aber nur, weil ein Teil der Bürger bewusst oder unbewusst falsch informiert worden sei, meint Krämer. „Seitens der Polizei gibt es uns gegenüber eine klare Ansage, ständig vor Ort zu sein.“

Bodo Oehme (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Schönwalde-Glien, zu der Paaren gehört, sieht zum Thema Sicherheit ebenfalls noch viele offene Fragen im Konzept des Veranstalters. Noch habe es keine Antworten gegeben, so Oehme. Prinzipiell sei der Gedanke natürlich gut. „Wir sind ja keine Verhinderer!“ Und entschieden sei auch noch nichts. Bisher habe Krämer beim Kreis den notwendigen Bauantrag nicht gestellt. „Sobald das geschehen ist, wird eine Bürgerversammlung einberufen“, sagt der Bürgermeister.

Oehmes Parteifreundin und Brandenburger Landtagsabgeordnete, Carola Hartfelder, aber hat indes bereits den Ball angenommen und stürmt für Veranstalter Krämer auf das Paarener Tor zu. Sie halte die Initiative für überzogen. „Es ist ärgerlich, dass ausgerechnet aus einer Brandenburger Gemeinde kritische Stimmen in die Welt getragen werden, die so gar nicht das Motto ,Zu Gast bei Freunden'' widerspiegeln.“

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