• „Werden Sie laut, zeigen Sie Gesicht“: Woidke fordert gemeinsamen Kampf gegen Rassismus

„Werden Sie laut, zeigen Sie Gesicht“ : Woidke fordert gemeinsamen Kampf gegen Rassismus

130 rechte und rassistische Angriffe erfasste der Verein Opferperspektive 2020 für Brandenburg. Ministerpräsident Woidke zeigt sich alarmiert. 

Oliver von Riegen
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) während Landtags-Sondersitzung Anfang März.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) während Landtags-Sondersitzung Anfang März.Foto: ZB

Potsdam - Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat zum gemeinsamen Engagement gegen Rassismus und Hass aufgerufen. „Rassismus geht jeden von uns an“, erklärte Woidke am Sonntag nach Angaben der Staatskanzlei anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 15. bis 28. März. „Wir alle müssen uns für unsere Mitmenschen einsetzen, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Religion.“ Wenn eine Brandenburgerin oder ein Brandenburger Zeuge von Übergriffen werde, gehe es darum, sich für die Schwächeren stark zu machen. „Werden Sie laut, zeigen Sie Gesicht, rufen Sie Hilfe!“

Der Regierungschef zeigte sich alarmiert. Der Verein Opferperspektive sieht für 2020 in Brandenburg verstärkt Frauen als Opfer rechter Angriffe und der Anteil rechter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bleibe hoch. „Diese Ergebnisse haben mich sehr beunruhigt“, sagte Woidke. „Es schafft ein Klima der Angst und vermittelt schon den Jüngsten, dass sie hier nicht willkommenen sind. Diese Strukturen müssen wir durchbrechen.“ 

253 Menschen von Angriffen betroffen

Der Verein Opferperspektive hatte in Brandenburg im vergangenen Jahr erneut eine Vielzahl von Fällen rechter und rassistischer Gewalt erfasst. Insgesamt sei 2020 im Vergleich zu 2019 ein leichter Rückgang um zwölf auf 130 bekanntgewordene Fälle verzeichnet worden, sagte Geschäftsführerin Judith Porath am Donnerstag in Potsdam bei der Vorstellung des Jahresberichts 2020.

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Von diesen Angriffen seien insgesamt 253 Menschen betroffen gewesen, sagte Porath. 2019 seien 283 Opfer rechter und rassistischer Gewalt erfasst worden. Schwerpunkte seien im vergangenen Jahr die Uckermark mit 18 Angriffen, darunter zwölf Fälle allein in Prenzlau, die Landeshauptstadt Potsdam mit 15 Fällen und Cottbus mit zwölf Fällen gewesen. In Südbrandenburg sei die Zahl rechter und rassistischer Gewalttaten entgegen dem Trend zum leichten Rückgang insgesamt gestiegen.

Unter den Angriffen waren laut Opferperspektive 52 einfache und 48 gefährliche Körperverletzungen, zwei versuchte Tötungsdelikte, 21 Fälle von Nötigung und Bedrohung und eine Vorbereitung einer rechtsterroristischen Straftat. Ziel des geplanten Anschlags, der rechtzeitig aufgedeckt wurde, seien die muslimische Gemeinde und Gewerbetreibende in Wittenberge gewesen.

Die meisten Gewalttaten, 101 Fälle, seien rassistisch motiviert gewesen, hieß es. Zehn Angriffe hätten sich gegen politische Gegner, sechs gegen Nicht-Rechte oder alternativ Orientierte gerichtet. In vier Fällen sei Antisemitismus das Motiv gewesen, drei dieser Fälle seien in Potsdam erfasst worden. (dpa/epd)

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