• Videokonferenz statt Hörsaal: Brandenburgs Hochschulen im „Quarantäne“-Modus

Videokonferenz statt Hörsaal : Brandenburgs Hochschulen im „Quarantäne“-Modus

Brandenburgs Hochschulen lehren bereits im „Quarantäne“-Modus. Die Studierenden bewerten die Situation positiv. Und die GEW will Nothilfen für Studierende.

Christina Spitzmüller
Statt im Hörsaal sitzen die Studierenden zuhause vor dem Bildschirm.
Statt im Hörsaal sitzen die Studierenden zuhause vor dem Bildschirm.Foto: promo

Die Hochschulen in Brandenburg unterrichten schon seit Mitte März in „Quarantäne“ – und bislang läuft der digitale Lehrbetrieb weitgehend normal ab. Seit der zweiten Woche funktioniere alles „wunderbar“, sagt Ulrike Tippe, Präsidentin der Technischen Hochschule Wildau. Auch in Brandenburg an der Havel und Eberswalde begannen die Vorlesungen schon am 16. März. Dass Studierende und Lehrende erstmal aber nicht in die Hochschulen kommen dürfen, war erst drei Tage vorher klar. In der kurzen Zeit musste der komplette Betrieb auf digital umgestellt werden. „Die erste Woche war noch chaotisch“, erinnert sich Julius Lindl, persönlicher Referent des Präsidenten an der Technischen Hochschule Brandenburg. Die Umstellung ging dann aber sehr schnell.

Auch die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde kommt nach Angaben von Sprecherin Johanna Köhle trotz der Herausforderung „sehr gut zurecht“. An allen Hochschulen werden derzeit alle geplanten Seminare und Vorlesungen auch abgehalten. Studiengänge, die auf Interaktion oder praktischen Anteilen in Laboren oder Werkstätten basieren, können aber nicht eins zu eins aus der Ferne unterrichtet werden. Die Hochschulen hoffen deshalb, dass es zumindest gegen Semesterende im Sommer einige Wochen Präsenzzeit geben kann.

Digitalisierung schreitet voran - endlich

Ulrike Tippe will den Online-Betrieb trotzdem das ganze Sommersemester beibehalten – unabhängig davon, ob die Kontaktbeschränkungen gelockert werden. Sie gewinnt der Krise auch etwas Gutes ab: Man sei mit Blick auf die Digitalisierung in wenigen Tagen so weit gekommen, wie sonst vielleicht in drei Jahren. Bei einer Lockerung der Beschränkungen hat die Hochschule den Studierenden aber zugesagt, dass diejenigen, die in den Laboren arbeiten müssen, als erste wieder auf den Campus dürfen.

An allen Hochschulen unterstützen sich Professoren und Lehrende gegenseitig darin, die Lehrangebote digital zu gestalten. Von online gestellten Unterlagen mit Aufgaben zum Bearbeiten über digitale Klassenräume bis hin zu Power-Point-Präsentationen mit Audiokommentar gibt es verschiedene Formen. In Videokonferenzen können auch klassische Studierendenvorträge weiterhin gehalten werden. „Es geht nicht darum, Präsenzlehre zu ersetzen. Es geht darum, im derzeitigen Ausnahmezustand eine möglichst weitgehende Aufrechterhaltung der Lehre und des Lernens zu ermöglichen“, betont Antje Michel, Professorin für Informationsdidaktik und Wissenstransfer an der Fachhochschule Potsdam. 

Lob für Dozenten

Die Lehrenden seien dabei „sehr kreativ und engagiert“. Auch die Studierenden bewerten die digitalen Vorlesungen und Seminare positiv. Dozenten, von denen man das nicht erwartet hätte, „lernen und lehren wirklich fleißig“, sagt Martin Flader, Vorsitzender des Studierendenrats der Technischen Hochschule Wildau. Die Mehrheit des Studienrats sei zufrieden mit der Entscheidung, dass das Sommersemester nicht ausfalle. An den Universitäten in Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) sollen die Vorlesungen am 20. April beginnen. Auch dort soll durchweg auf digitale Lehr- und Prüfungsformate gesetzt werden, wie der Vorsitzende der Rektorenkonferenz, Oliver Günther, erklärt.

Die Studierenden in der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburg appellieren an die Politik, schnelle Abhilfe für Studierende, die akut von der Coronakrise betroffen sind, zu schaffen. Unter anderem geht es ihnen um Nothilfen für Studierende, die aufgrund der Corona-Krise ihre finanzielle Lebensgrundlage verlieren. Auch fordern sie, dass die Hochschulen alle Arbeitsverträge reibungslos und unterbrechungsfrei um mindestens sechs Monate verlängern, um eine Absicherung ihrer Beschäftigten sicherzustellen. (mit dpa)

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