• Studieren in der Pandemie: Viele Brandenburger Studenten brauchen psychologische Beratung

Studieren in der Pandemie : Viele Brandenburger Studenten brauchen psychologische Beratung

Im Wintersemester sollen an Brandenburgs Hochschulen wieder mehr Präsenzveranstaltungen stattfinden. Das ist auch aus sozialen Gründen wichtig, wie eine Antwort der Landesregierung auf eine Linken-Anfrage zeigt.

Präsenzveranstaltungen waren während des Lockdowns kaum möglich.
Präsenzveranstaltungen waren während des Lockdowns kaum möglich.Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Potsdam - Nicht nur für Schüler und Lehrer war das Lernen zu Hause eine große Herausforderung, auch Studenten und Dozenten litten unter dem Lockdown. „Die Hochschulen berichten, dass sowohl Studierende als auch Lehrende eine allgemeine Erschöpfung zeigen“, heißt es in einer umfangreichen Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Abgeordneten Isabelle Vandre, für die märkischen Universitäten und Fachhochschulen um ihre Einschätzung gebeten wurden.  

Wie hoch die Belastung durch die Coronakrise ist, zeigt sich unter anderem an einer verstärkten Inanspruchnahme der psychologischen und sozialen Beratungsangebote an Brandenburgs Hochschulen. Wurden etwa 2019 beim Studentenwerk Potsdam 850 Sozialberatungen durchgeführt, waren es im ersten Pandemiejahr 2020 mit 1109 deutlich mehr. Im ersten Quartal 2021 zeige sich zudem eine Zunahme der Nutzung des psychosozialen Beratungsangebots. 

Viele berichten von finanziellen Nöten 

Gerade Studierende mit Kind gerieten unter Druck. So heißt es in der Regierungsantwort etwa über die – pandemiebedingt digitalen – Beratungen durch die Familienbeauftragten der Fachhochschule Potsdam: „Die Beratungen zeichnen ein Bild der Be- und zum Teil auch Überlastung vor allem durch den nicht mehr zur Verfügung stehenden, üblichen Zeitrahmen zur Auseinandersetzung mit Studieninhalten.“ Aber auch finanzielle Nöte aufgrund von Unvereinbarkeit von Studium und Kinderbetreuung zuhause mit der bisherigen Nebentätigkeit oder deren Wegfall spielten eine große Rolle.  

Der Familienservice der Technischen Hochschule Wildau (THWi) berichtet Folgendes: „Viele Studierende haben Zukunftsängste und fühlen sich nicht mehr in der Lage, ihr Studium erfolgreich zu beenden.“ Die Beratungsanfragen seien enorm hoch und die Beratungen würden schwieriger, meldet das Familienbüro der THWi. Verstärkte zusätzliche Anfrage gebe es etwa zu den Bereichen Erschöpfung, aber auch häusliche Gewalt. 

Sie habe zudem die Sorge, dass „Studieren zum Luxus zu werden droht“, schreibt die hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Isabelle Vandre, in ihrer Anfrage. Insbesondere Studierende, die auf einen Nebenjob angewiesen sind, hätten die Auswirkungen der Krise hart getroffen. „Verschuldung, Existenzängste und steigende Studienabbruchgefahr verschärfen die soziale Lage der Studierenden bundesweit.“ 

In Cottbus wurden Spenden für ausländische Studierende gesammelt 

In Cottbus etwa war die Lage insbesondere für einige ausländische Studierende der Brandenburgisch Technischen Universität (BTU) prekär. Es komme zu „massiven Notlagen“ hatte die Stadt Cottbus im Februar mitgeteilt. „Um während der Pandemielage dauerhaft für die Grundversorgung dieser Menschen sorgen zu können, ist die Einwerbung von Spenden notwendig“, hieß es in der Mitteilung der Stadt weiter. Mit den Spendengeldern sollten insbesondere Lebensmittel- und Drogeriegutscheine erworben und kurzfristige, sehr akute finanzielle Notlagen gelindert werden. 

Der Härtefallfonds der Studentenwerke wurde aufgestockt 

Das von Manja Schüle (SPD) geführte Wissenschaftsministerium stellt die schwierige Situation für viele Studierende nicht in Abrede. „Die Pandemie ist für die Studierenden der brandenburgischen Hochschulen weiter eine große Herausforderung“, heißt es in der Antwort auf die Linken-Anfrage. „Die finanziellen Notlagen durch den Verlust von Nebenjobs bestehen fort.“ 

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Die Überbrückungshilfen des Bundes hätten aus Sicht der Landesregierung „leider nicht so umfassend, schnell und unbürokratisch helfen können, wie das wünschenswert gewesen wäre“. Um subsidiär zum Bund noch weiteren Studierenden in Notlagen zu helfen, habe das Land die Härtefallfonds der Brandenburger Studentenwerke im Sommer 2020 um 500 000 Euro aufgestockt. 

Flexibler Stundenplan für Erstsemester 

Zum kommenden Wintersemester sollen die Hochschulen in Brandenburg wie berichtet nun wieder zu mehr Normalität zurückkehren. Mehr als die Hälfte der Lehrveranstaltungen soll in Präsenz stattfinden, wie das Wissenschaftsministerium vergangene Woche mitteilte. Auch Mensen sollen wieder öffnen. Da der psychosoziale Beratungsbedarf gestiegen sei, wollen die Studentenwerke ihr Angebot weiter ausbauen. In einem flexiblen Stufenplan sollen vor allem internationale und beeinträchtigte Studierende sowie Erstsemester berücksichtigt werden. Die Hochschulen wollen zudem prüfen, wie sie Impfungen für Studierende unterstützen können.  

„So gut wie die digitalen Möglichkeiten waren, Studium weiter zu ermöglichen: Lernen, Erkenntnis und Erinnerung entstehen immer erst aus der direkten Kommunikation, dem Spaß am gemeinsamen Tun“, sagte die Präsidentin der Fachhochschule Potsdam und Vorsitzende der Brandenburgischen Landesrektorenkonferenz, Eva Schmitt-Rodermund. 

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