• Stephan Märki will Rechtspopulismus am Staatstheater Cottbus thematisieren

Staatstheater Cottbus : Stephan Märki will Rechtspopulismus thematisieren

Ein offenes Theater ist Ziel des neuen Intendanten am Staatstheater Cottbus.

Oliver von Riegen
Stephan Märki ist neuer Intendant und Operndirektor am Staatstheater Cottbus.
Stephan Märki ist neuer Intendant und Operndirektor am Staatstheater Cottbus.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Der künftige Intendant des Staatstheaters Cottbus, Stephan Märki, will sich auf der Bühne auch mit dem zunehmenden Rechtspopulismus auseinandersetzen. "Wir müssen versuchen, den Ursachen auf den Grund zu gehen", sagte der ehemalige Hans-Otto-Theater-Intendant am Mittwoch in Potsdam. Mit Blick auf den Erfolg der AfD bei der Kommunalwahl am Sonntag sagte er: Die Frage stelle sich, woher es komme, dass rund 22 Prozent "Ausgrenzung oder Ressentiment wählen oder Schuldige suchen dafür, dass es ihnen nicht so gut geht wie anderen". Die AfD wurde in Cottbus stärkste Kraft im Stadtparlament. Märki will ein offenes Theater für alle: "Ich würde gerne natürlich auch mit AfD-Wählern, auch mit Politikern, in Kontakt kommen und in Diskussionen gehen."

Der Schweizer beginnt in Cottbus offiziell zur Spielzeit 2020/2021, bereitet sie aber schon ab diesem Samstag vor - der Vertrag wurde am Mittwoch unterzeichnet. "Ich freue mich, mich einzusetzen für ein buntes, für ein weltoffenes, für ein wagemutiges und diskursfreudiges Theater, was hoffentlich die Stadt mitnimmt und in die Stadt zurückstrahlt und in die Lausitz und darüber hinaus", sagte Märki. "Ein Theater ist erstmal für alle da, aber auch nicht, um einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben."

Neuer Rahmenvertrag für Theater und Orchester

Märki bezeichnete das Staatstheater als "unterfinanziert". Kulturministerin Martina Münch (SPD) verwies auf den neuen Rahmenvertrag für Theater und Orchester. "Das Staatstheater bekommt mehr, als es jemals bekommen hat und wir steigern es in den nächsten Jahren." Die Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder), unter deren Dach Staatstheater und Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst untergebracht sind, erhält 2019 rund 20 Millionen Euro vom Land und aus Mitteln des Finanzausgleichs.

Das Staatstheater Cottbus ist das einzige staatliche Theater in Brandenburg und das einzige mit vier Sparten - Schauspiel, Musiktheater, Orchester und Ballett. Die zweitgrößte Brandenburger Stadt birgt große Herausforderungen: Sie gilt nach Angaben des Verfassungsschutzes als "Hotspot" des Rechtsextremismus. Außerdem ist sie vom geplanten Ausstieg aus der Braunkohleförderung betroffen.

Hoffnung nach Krise

Bis zum nächsten Jahr ist René Serge Mund dort Intendant. Mund sagte zu Märki: "Ich bin mir dessen sicher, dass Du der richtige Intendant sein wirst für dieses Theater." Das Staatstheater hofft auf ein Ende interner Querelen. Eine Krise hatte sich vor rund einem Jahr daran entzündet, dass aus dem Ensemble Kritik am Führungsstil von Generalmusikdirektor Evan Alexis Christ lauter wurde. Christ musste gehen, auch Intendant Martin Schüler verließ das Haus. Der künftige Intendant will miteinander, aber nicht übereinander reden, wie er sagte.

Märkis Vergangenheit spielte auch in Potsdam

Für Märki ist es eine Art Zurückkommen nach Brandenburg: Er war von 1993 bis 1997 Intendant des Hans Otto Theaters in Potsdam. In Potsdam sei er gegangen, weil das Musiktheater abgewickelt werden sollte, sagte er. Schon vor der Wende sei er in Theater in Ostdeutschland gegangen, "weil ich da eine Relevanz, eine gesellschaftliche Notwendigkeit des Theaters erlebt habe wie sonst nirgends".

Märki wurde 1955 in Bern geboren. Er war von 2000 bis 2012 Generalintendant am Deutschen Nationaltheater in Weimar, das unter seiner Leitung als Drei-Sparten-Haus bewahrt und dann Staatstheater wurde. Danach führte er das Berner Symphonieorchester und das Stadttheater zu einem Vier-Sparten-Haus zusammen, später war er Intendant des Konzert-Theaters Bern. Dort ging er ebenfalls. Märki sagte aber mit Blick auf Weimar: «Ich kann ja auch sehr treu sein." (dpa)