• Prozess in Brandenburg/Havel: KZ-Wachmann ab 7. Oktober vor Gericht

Prozess in Brandenburg/Havel : KZ-Wachmann ab 7. Oktober vor Gericht

Er soll für den Tod von tausenden Häftlingen im KZ Sachsenhausen mitverantwortlich sein. Nun muss sich ein 100-Jähriger vor Gericht verantworten.

Die Gedenkstätte Sachsenhausen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. 
Die Gedenkstätte Sachsenhausen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Neuruppin - Ein inzwischen 100 Jahre alter ehemaliger KZ-Wachmann im Konzentrationslager Sachsenhausen muss sich vom 7. Oktober an vor Gericht verantworten. Das Landgericht im brandenburgischen Neuruppin hat für die Hauptverhandlung zudem weitere 21 Termine bis Anfang Januar 2022 angesetzt, wie die Richter am Mittwoch mitteilten. Die Verhandlung findet aus organisatorischen Gründen im Stahlpalast in Brandenburg/Havel statt. 

Der Vorwurf: Beihilfe zum Mord 

Der ehemalige Wachmann soll von Januar 1942 bis Februar 1945 im KZ Sachsenhausen im Einsatz gewesen sein. Ihm wird Beihilfe zum Mord in 3.518 Fällen vorgeworfen. Der Beschuldigte soll laut einem medizinischen Gutachten für zwei bis zweieinhalb Stunden am Tag verhandlungsfähig sein. Er soll durch seine Tätigkeit als Wachmann im Hauptlager des KZ Sachsenhausen unter anderem zur Erschießung von sowjetischen Kriegsgefangenen beigetragen haben. Gegenstand der Anklage ist laut Gericht auch die Beihilfe zur Ermordung von Häftlingen durch den Einsatz des Giftgases Zyklon B sowie zur Tötung der Häftlinge durch die Schaffung und Aufrechterhaltung lebensfeindlicher Bedingungen im KZ Sachsenhausen. 

Mehr als 200.000 Menschen inhaftiert 

Das KZ Sachsenhausen in Oranienburg nördlich von Berlin wurde 1936 als Modell- und Schulungslager der SS in Betrieb genommen und war ab 1938 auch Verwaltungszentrale aller NS-Konzentrationslager. Bis zur Befreiung durch die Rote Armee am 22. April 1945 waren dort mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende starben an den Haftbedingungen, durch medizinische Experimente oder wurden ermordet. Um die Befreiung der Häftlinge zu verhindern, trieb die SS im April 1945 mehr als 30.000 von ihnen auf Todesmärsche. (epd)

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