• Posthume Ehrung für Ehepaar aus Brandenburg: Sieben jüdische Kinder vor Nazis gerettet

Posthume Ehrung für Ehepaar aus Brandenburg : Sieben jüdische Kinder vor Nazis gerettet

Brandenburg, 1943: Auf einem abgelegenen Hof in Worin (Märkisch-Oderland) verstecken die Bauern Paula und Arthur Schmidt sieben jüdische Kinder vor den Nazis. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrt das Ehepaar aus Brandenburg posthum.

Worin - Sie haben ihr Leben riskiert, um das Leben anderer zu retten. Paula und Arthur Schmidt, Bauern aus Worin (Märkisch-Oderland), haben von 1943 bis 1945 sieben jüdische Geschwister auf ihrem abgelegenen Hof versteckt. Heute ehrt die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem das Brandenburger Ehepaar posthum als „Gerechte unter den Nationen“. Enkel Arthur Schmidt, der nach seinem Großvater benannt ist und in Hamburg lebt, wird bei der Zeremonie ebenso dabei sein wie Ginger Lane, eines der Kinder, das damals von den Schmidts gerettet wurde, wie die Gedenkstätte mitteilt.

Als sie in Worin versteckt wurde, hieß Ginger Lane noch Bela Weber. Erst nach ihrer Adoption in den USA 1946 nahm sie den neuen Namen an, wie die Märkische Oderzeitung im Juli 2017 schrieb. Damals besuchte Ginger Lane nach mehreren Jahrzehnten erstmals den Ort in Brandenburg wieder, wo sie als Vierjährige versteckt wurde. Sie erinnere sich daran, wie sie Kartoffeln geerntet haben und vor allem daran, „dass wir so einsam waren und immer Angst hatten“, schilderte sie bei ihrem Besuch in Worin.

Belas Vater Alexander Weber konvertierte 1925 zum Judentum. Ein Jahr später heiratete er Lina Banda, eine Jüdin aus Ungarn. Das Paar zog nach Berlin, bekam sieben Kinder. Im Wohnhaus der Webers hatte Landwirt Arthur Schmidt einen Laden, in dem er Obst und Gemüse aus Worin verkaufte. Im März 1943 wurde die jüdische Familie inhaftiert. Anfang des Sommers kamen Alexander Weber und die Kinder wieder frei. Der Vater suchte daraufhin nach einem sicheren Ort für seine sieben Kinder. Paula und Arthur Schmidt boten an, die Geschwister in Worin zu verstecken. Fast zwei Jahre lebten die Kinder bei der Familie, wurden von ihnen versorgt. In Worin kannte nur der Bürgermeister die wahre Identität der jüdischen Kinder. Mutter Lina wurde im Dezember 1943 ins KZ Auschwitz deportiert, wo sie umgebracht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg immigrierten die Weber-Kinder in die USA, ihr Vater kam später nach.

Im Mai 2015 beschloss die Gedenkstätte Yad Vashem, das Ehepaar Schmidt in die Reihe der „Gerechten unter den Nationen“ aufzunehmen. Mit dem feierlichen Akt heute ist die Familie die 601. aus Deutschland, die auf diese Weise gewürdigt wird.