• Plenarsaal statt Gerichtssaal: Diese Berufe haben Brandenburgs Politiker gelernt

Plenarsaal statt Gerichtssaal : Diese Berufe haben Brandenburgs Politiker gelernt

Juristen, Polizisten, Lehrer: Brandenburgs Volksvertreter sind vor allem Vertreter von Sicherheit und Ordnung. Es gibt aber auch einen Ingenieur für Fleischwirtschaft oder eine Wasserbauingenieurin. 

Blick in den Plenarsaal des Potsdamer Landtags. 
Blick in den Plenarsaal des Potsdamer Landtags. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Potsdam - Manchmal wird so eine Plenardebatte auch zur Fachsimpelei – oder Frotzelei – unter Berufskollegen. So neulich bei der Diskussion um die umstrittene Kennzeichenspeicherung auf Autobahnen. Da ließ der Linke-Abgeordnete Andreas Büttner in Richtung des CDU-Politikers Björn Lakenmacher sinngemäß die Spitze fallen, dass die Landespolizei eben manchmal mehr auf Zack sei als die Bundespolizei. Büttner war früher im Dienste der Landespolizei Berlin, Lakenmacher arbeitete bis zu seinem Einzug in den Landtag 2010 als Kriminalbeamter beim Bundeskriminalamt. 

Andreas Büttner (Die Linke).
Andreas Büttner (Die Linke).Foto: Soeren Stache/dpa

Und noch mehr ehemalige Ordnungshüter sitzen auf der Potsdamer Plenarbank. Der Potsdamer SPD-Abgeordnete Uwe Adler ist von Hause aus Kriminalbeamter, Wilko Möller von der AfD ist Polizeivollzugsbeamter bei der Bundespolizei. 

Parlamentariercheck: Vertreter von Sicherheit und Ordnung zieht es in die Politik

Welchen Berufen gingen sie eigentlich früher nach, die 88 Brandenburger Landtagsabgeordneten? Welche Branchen sind besonders häufig vertreten? Die PNN haben den Parlamentariercheck gemacht und dabei festgestellt: Gerade die Vertreter von Sicherheit und Ordnung scheint es in die Politik zu ziehen. Denn nicht nur Polizisten, vor allem Juristen sind reichlich vertreten im Landtag. Rechnet man sowohl den CDU-Abgeordneten Julian Brüning mit, der vor seiner Wahl zum Landtagsabgeordneten Jura studierte, als auch Benjamin Raschke (Grüne), der neben anderen Fächern auch Jura an der Uni belegte, finden sich zwölf Mitglieder mit juristischer Vorbildung in den sechs Fraktionen. Besonders bei der CDU haben viele Abgeordnete den Gerichts- gegen den Plenarsaal getauscht: Bei der Union finden sich drei Anwälte, ein Volljurist und ein Jura-Student.

Julian Brüning, CDU Brandenburg. 
Julian Brüning, CDU Brandenburg. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Nicht nur vom Recht, sondern auch vom Rechnen dürften einige Parlamentarier eigentlich etwas verstehen. Zumindest haben zwölf von ihnen eine wirtschaftliche oder kaufmännische Ausbildung. So machen in Brandenburg nicht wenige Diplom-Betriebs- und Volkswirte oder Kaufleute Politik. 

Höchste Pädagogendichte bei SPD und Linksfraktion

Ebenfalls stark vertreten: Pädagogen. Insgesamt elf Abgeordnete haben in ihrem früheren Beruf Kinder oder Jugendliche als Lehrer, Erzieher oder Trainer angeleitet oder waren wie Linksfraktionschef Sebastian Walter als Lehramtsstudent auf dem Weg dahin. Die höchste Pädagogendichte gibt es bei SPD- und Linksfraktion, einzig bei BVB/Freie Wähler gibt es keinen Abgeordneten mit einem entsprechenden Hintergrund. 

Sebastian Walter, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke.
Sebastian Walter, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke.Foto: Monika Skolimowska/dpa

Im Bildungsausschuss kann es dann schon einmal zugehen wie im Lehrerzimmer, wenn sich die Ex-Lehrkräfte Kathrin Dannenberg (Linke), Petra Budke (Grüne) und Dennis Hohloch (AfD) Wortgefechte über das Für und Wider von Gemeinschaftsschulen liefern – und CDU-Mann Gordon Hoffmann als staatlich anerkannter Erzieher seine bildungspolitischen Ausführungen mit Erfahrungen aus der Praxis würzt.

Petra Budke (r.) mit der Grünen-Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock. 
Petra Budke (r.) mit der Grünen-Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock. Foto: Patrick Pleul/dpa

Auch einen Ingenieur für Fleischwirtschaft gibt es

Weniger stark vertreten sind die Gesundheitsberufe. Insgesamt acht Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger haben die Politik gegen die Medizin getauscht. Zudem gibt es sieben Ingenieure unterschiedlichster Fachrichtungen. Das reicht von der Diplom-Ingenieurin für Landschaftspflege Isabell Hiekel (Grüne) über Wasserbauingenieurin Britta Kornmesser (SPD) bis zum Ingenieur für Fleischwirtschaft Peter Drenske. 

Die Spezies des studierten Berufspolitikers – der der Märker gerne unterstellt, vom echten Arbeitsleben nüscht gesehen zu haben – ist hingegen gar nicht so verbreitet, wie man meinen könnte. Nur vier Politikwissenschaftler – Björn Lüttmann und Sebastian Rüter von der SPD, Grünen-Fraktionschef Benjamin Raschke und die Potsdamer Linke-Abgeordnete Isabelle Vandre – sind in den Abgeordnetenreihen vertreten.

Nur ein knappes Drittel mit Hochschulabschluss

Dennoch: Repräsentieren die 88 Brandenburger Abgeordneten mit ihrem Berufs- und Bildungsstatus den Durchschnitt der Bevölkerung? Nein. Es sitzen zu viele Studierte im Landtag, wie der rbb in einer Datenerhebung nach der Landtagswahl vergangenen September ausgewertet hat: Fast zwei Drittel der Abgeordneten haben studiert, unter den Brandenburger hat aber nur ein knappes Drittel einen Hochschulabschluss. Die AfD, zweitstärkste Fraktion im Landtag, repräsentiert die Brandenburger Bevölkerung hinsichtlich der Bildungsabschlüsse noch am ehesten. 13 der 23 Abgeordneten haben eine Ausbildung absolviert. Sie finden sich in den Reihen der Rechtspopulisten etwa ein Fliesenleger, ein Maurer und ein Elektrotechniker.

Ein ganz anderes Bild bei den Grünen: Alle zehn Abgeordneten, die ursprünglich gewählt wurden, haben ein Studium abgeschlossen. Ricarda Budke, die für den neuen Agrarminister Axel Vogel in den Landtag nachgerückt ist, kann mit ihren 20 Jahren noch nicht so weit sein. Ihr Studium der Stadt- und Regionalplanung will sie aber in reduziertem Maß fortsetzen, parallel zur Arbeit als Abgeordnete. 

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