• Neue Corona-Verordnung in Brandenburg: Keine Impfnachweise bei Inzidenz unter 35 - Opposition nennt Lockerungen „gefährlich“

Neue Corona-Verordnung in Brandenburg : Keine Impfnachweise bei Inzidenz unter 35 - Opposition nennt Lockerungen „gefährlich“

Auch die Obergrenze von Großveranstaltungen wird erhöht. Doch die Lage bleibt weiterhin unvorhersehbar.

Klaus Peters
Die neue Coronaverordnung rüttelt nicht an der Maskenpflicht.
Die neue Coronaverordnung rüttelt nicht an der Maskenpflicht.Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Potsdam - Angesichts einer vergleichsweise geringen Zahl an Neuinfektionen hat Brandenburgs Landesregierung Erleichterungen bei den Corona-Regeln beschlossen. Vom 13. Oktober an entfalle die Testpflicht beziehungsweise der Impf- oder Genesenen-Nachweis in den Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die 7-Tage-Inzidenz dauerhaft 35 neue Ansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche unterschreitet, teilte die Staatskanzlei am Dienstag nach der Kabinettssitzung mit. Bislang lag dieser Schwellenwert bei 20. Aktuell haben nur sieben Landkreise einen Wert unter 35, Potsdam zählt mit 67 nicht dazu.

Modellprojekt mit Lolli-PCR-Tests an Schulen geplant

Gleichzeitig wird die Obergrenze bei der Zahl der Menschen für eine Testpflicht oder entsprechende Nachweise bei Open-Air-Veranstaltungen von bisher 500 auf 1000 angehoben. In den Hochschulen müssen bei Zusammenkünften aber die Personendaten aller Beteiligten zum Zweck der Kontaktnachverfolgung erfasst werden. Zudem sollen in einem Modellprojekt an einzelnen Schulen auf freiwilliger Basis sogenannte Lolli-PCR-Tests erprobt werden. In den Schulen gilt ansonsten die Pflicht von zwei Tests pro Woche.

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Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte die Bürger erneut eindringlich auf, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Denn nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind erst 58,7 Prozent der Brandenburger vollständig geimpft.

„Wer noch nicht geimpft ist, sollte das jetzt dringend nachholen, denn im Herbst steigt die Gefahr einer Infektion erheblich“, mahnte der Regierungschef. In den Kliniken müssten fast nur Ungeimpfte stationär aufgenommen werden. „Hier kämpfen Ärzte und Pfleger um Gesundheit und Leben jener, die bisher nicht bereit waren, sich impfen zu lassen“, sagte Woidke.

Nonnemacher befürchtet Anstieg der Infektionen im Herbst

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) ergänzte, im Herbst und Winter sei mit einem Anstieg der Infektionszahlen zu rechnen. „Ein Grund dafür ist die immer noch große Zahl ungeimpfter Personen.“ Zudem beginne mit den Herbstferien wieder die Reisezeit, und die Menschen hielten sich in der kalten Jahreszeit häufiger in geschlossenen Räumen auf, wo die Ansteckungsgefahr größer sei. Es stehe genügend Impfstoff bereit, so dass sich alle Bürger im Alter über zwölf Jahren impfen lassen könnten, teilte die Staatskanzlei mit.

Die oppositionelle Linksfraktion im Landtag nannte die Lockerungen „gefährlich“. „Aktuell erlebt Brandenburg wieder einen Anstieg der Fallzahlen und der Krankenhausbelegung“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Ronny Kretschmer. „Seit heute werden brandenburgweit 67 Corona-Patienten stationär versorgt - vor einer Woche waren es noch 57.“ Auch die Zahl der intensivmedizinisch versorgten Patienten steige wieder.
Dagegen sprach der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion von einem richtigen Weg. Damit könne in Kneipen, Restaurants und Indoor-Sportanlagen „ein Stück Normalität“ zurückgewonnen werden. „Aktuell sehen wir auch keinen drohenden Anstieg der Krankenhausbelegung“, meinte er. dpa
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