• Naturschutz in Brandenburg: Überquerung für Elch und Wolf

Naturschutz in Brandenburg : Überquerung für Elch und Wolf

Wildtiere und Autoverkehr passen nicht zusammen. Deshalb gibt es Grünbrücken - und die nehmen die Tiere gern an. Wildunfälle werden deshalb allerdings nicht weniger. 

Benjamin Lassiwe
Eine Grünbrücke schützt Wildtiere und Autofahrer gleichermaßen.
Eine Grünbrücke schützt Wildtiere und Autofahrer gleichermaßen.Foto: Thomas Frey/dpa

Potsdam - Sogar ein Elch war schon dabei. Mehr als 100.000 Tiere haben in den letzten 15 Jahren auf einer der zehn Brandenburger „Grünbrücken“ eine Autobahn in Brandenburg überquert. Das geht aus dem jüngst in Potsdam vorgestellten Grünbrückenbericht des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (Barnim) hervor. Die Einrichtung überwacht seit dem Jahr 2005 einige der Brandenburger Grünbrücken mit Kameras, um eine Erfolgskontrolle zu haben.

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Und besonders beim Damwild scheint sich der Erfolg eingestellt zu haben. Die Bilder der Wildkameras zeigen etwa auf der Grünbrücke an der A 9 bei Niemegk sogar äsendes Wild, die Tiere haben sich auf der Autobahnüberquerung also nahezu häuslich eingerichtet. Was auch dem größten Raubtier im Land Brandenburg, dem Wolf, gefällt: Wölfe wurden auf der Grünbrücke bei Niemegk seit 2012 mehr als 113 Mal fotografiert, überwiegend waren sie nachts unterwegs. Und an der A13 bei Teupitz gab es 2019 keinen einzigen Monat, in dem kein Wolf in eine Fotofalle getappt ist. Nicht verringert hat sich in der Gegend der Grünbrücken allerdings die Zahl der Wildunfälle. Obwohl die Autobahnen in der Nähe der Wildtierüberquerungen durchgehend eingezäunt sind, bleibt die Zahl der Kollisionen zwischen Kraftfahrzeugen, Rehen und Wildschweinen nahezu konstant.

Auch in Brandenburg wie hier an der A 12 bei Jacobsdorf stehen Grünbrücken für das Wild.
Auch in Brandenburg wie hier an der A 12 bei Jacobsdorf stehen Grünbrücken für das Wild.Foto: Patrick Pleul/dpa

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Ärgerlich ist aus Sicht des Landeskompetenzzentrums Forst dagegen die Mitnutzung der Grünbrücken durch den Menschen. Ganze Wandergruppen wurden schon von den Fotofallen dokumentiert. Doch auch Motorradfahrer, Pilzsammler und Mountainbiker hinterließen ihre Spuren beim Überqueren der Autobahnen an einer Stelle, die eigentlich ausschließlich für Wildtiere gedacht war. An der BAB 13 bei Teupitz (Dahme-Spreewald) waren fast 20 Prozent der Nutzer der Grünbrücke Menschen. „Mit einiger Wahrscheinlichkeit sind es immer wieder dieselben Menschen, die ihre Freizeitaktivitäten auf der Grünbrücke ausüben oder sie als Abkürzung auf die andere Seite der Autobahn nutzen“, heißt es in dem Bericht. So sind auf den Bildern auch Quadfahrer, Reiter und moderne Schatzsucher, die mit Metalldetektoren in der Hand die Brücke passieren, dokumentiert. Gleichzeitig verhindern sie jedoch die Querung der Autobahn durch Tiere. Um zumindest die Befahrbarkeit der Grünbrücken einzuschränken, sollen nun auf beiden Seiten etwa der Grünbrücke bei Teupitz weitere Baumstämme ausgelegt werden.

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