• Märkische CDU und ihr Ex-Spitzenkandidat: Was nach Ingo kam

Märkische CDU und ihr Ex-Spitzenkandidat : Was nach Ingo kam

Vor einem Jahr versagte die märkische CDU bei der Wahl der Landesliste ihrem Spitzenkandidaten Ingo Senftleben die Gefolgschaft. Was wurde aus den Protagonisten?

Benjamin Lassiwe
Ingo Senftleben, damaliger CDU-Spitzenkandidat zur brandenburgischen  Landtagswahl 2019.
Ingo Senftleben, damaliger CDU-Spitzenkandidat zur brandenburgischen  Landtagswahl 2019.Foto: Christoph Soeder/dpa

Potsdam - Etwas mehr als ein Jahr ist es her, da zerbrachen die Träume für Ingo Senftleben. In der Potsdamer Metropolis-Halle hatte sich seine CDU zum Aufstellungsparteitag getroffen: Senftleben sollte Spitzenkandidat der Brandenburger CDU werden. Das wurde er auch – aber zuvor hatte der konservative Teil der Partei Senftlebens Landesliste gründlich durcheinander gebracht. Ab dem 15. Juni 2019 war klar: Die Brandenburger CDU steht nicht geschlossen hinter ihrem Spitzenkandidaten. Heute ist die CDU an der Regierung beteiligt. Aber was wurde eigentlich aus den Protagonisten von vor einem Jahr?

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Ingo Senftleben hat keine höheren Ämter mehr in Partei oder Fraktion inne – Schicksal eines früheren Spitzenkandidaten. In der dritten Reihe der CDU-Bänke im Landtag sitzt er neben Michael Schierack und Saskia Ludwig, die ebenfalls einst Landesvorsitzende der Brandenburger CDU waren. Im Landtag konzentriert sich der frühere Spitzenkandidat auf zwei Dinge: Seinen Wahlkreis Ortrand und die Landwirtschafts- und Umweltpolitik, in die er sich bemerkenswert schnell und gründlich eingearbeitet hat. Von einem Wechsel in die Bundes- oder Europapolitik, den andere in seiner Situation vielleicht erwogen hätten, ist derzeit bei Senftleben jedenfalls nicht die Rede.

Ludwig profitierte nicht von der Volte gegen Senftleben

Saskia Ludwig galt im vergangenen Jahr vielen als Strippenzieherin hinter der Volte gegen Senftleben. Profitiert hat die Potsdamer Abgeordnete von der Affäre freilich nicht. Heute sitzt sie für die CDU zwar als wirtschaftspolitische Sprecherin im Wirtschaftsausschuss, aber in der Koalition wie in der Fraktion ist sie politisch isoliert. Wozu auch beiträgt, dass die Abgeordnete aus Golm ein Doppelmandat ausübt: Immer wieder muss sie sich entscheiden, ob sie nun an einer Veranstaltung im Bundestag oder im Brandenburger Landtag teilnimmt. Und wenn in den nächsten Wochen der CDU-Kreisverband Potsdam seine Kandidaten für den Wahlkreis 61 aufstellt, wird es für die Abgeordnete zum Schwur kommen: Wie sehr steht der heimische Kreisverband noch hinter Ludwig – wird sie noch einmal aufgestellt?

CDU-Landtagsabgeordneter Frank Bommert im brandenburgischen Landtag.
CDU-Landtagsabgeordneter Frank Bommert im brandenburgischen Landtag.Foto: Paul Zinken/dpa

Frank Bommert ist der große Gewinner des vergangenen Jahres. Wäre es nach Ingo Senftleben gegangen, wäre der Abgeordnete aus Oberhavel auf Listenplatz 25 angetreten: Einer aussichtslosen Position. In der Metropolis-Halle kämpfte er sich auf Position vier der CDU-Landesliste vor. Heute ist er mittelstandspolitischer Sprecher und Vorsitzender des wichtigen Wirtschaftsausschusses im Brandenburger Landtag. Bommert leitet die dank mancher Abgeordneten, wie etwa Philipp Zeschmann (BVB/Freie Wähler), nicht unbedingt einfachen Sitzungen so souverän, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Und mit der Initiative zur Öffnung der Gastronomie in der Corona-Krise setzte er das richtige Thema zur rechten Zeit. Würde heute eine Landesliste aufgestellt, wäre ihm ein vorderer Platz wohl ziemlich sicher.

CDU-Fraktionsmitglied und künftiger Vorsitzender des Kulturlandschaftsbeirats: Dieter Dombrowski.
CDU-Fraktionsmitglied und künftiger Vorsitzender des Kulturlandschaftsbeirats: Dieter Dombrowski.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Für Dieter Dombrowski schließlich endete in Potsdam die Karriere im Parlament. Dass der Landtagsvizepräsident seinen Listenplatz an den Junge-Union-Kandidaten Julian Brüning verlor, war eine Sünde, für die das Brandenburger Parlament bis heute teuer bezahlt. Denn gerade angesichts der starken AfD-Fraktion fehlt dem Parlament die souveräne Sitzungsleitung, für die Dombrowski stand. Ansonsten aber ist der CDU-Mann aus dem Havelland im Hintergrund irgendwie immer noch da: Sein Lebensthema, die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, verfolgt der Havelländer weiter – in der Debatte um den Brandenburger Standort der Stasi-Unterlagen war er ein wichtiger Protagonist. Und in der kommenden Woche wird er von Axel Vogel zum Vorsitzenden des Kulturlandschaftsbeirats berufen – dass man in diesem Amt noch von ihm hören wird, dürfte wohl ebenfalls sicher sein.

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