• Inzidenz im Land sinkt weiter: Brandenburg gibt Astrazeneca frei

Inzidenz im Land sinkt weiter : Brandenburg gibt Astrazeneca frei

Freiwillige Impfung für unter 60-Jährige in Arztpraxen möglich. Kenia-Koalition warnt vor zu hohen Öffnungs-Erwartungen.

Oliver von Riegen Klaus Peters
Eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca. 
Eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca. Foto: dpa

Potsdam - In Brandenburg können sich ab sofort unter 60-Jährige freiwillig in Arztpraxen mit dem Wirkstoff des Herstellers Astrazeneca gegen das Coronavirus impfen lassen. Das Brandenburger Impfkabinett habe dies gebilligt, teilte das Innenministerium am Dienstag mit. Die Arztpraxen erwarteten größere Lieferungen des Impfstoffs. Insgesamt könne der Bestand bis Ende nächster Woche auf mehr als 100 000 Dosen anwachsen, hieß es zur Begründung.

„Jetzt, wo Astrazeneca endlich wieder in größeren Mengen zur Verfügung stehen wird, können wir für unter 60-jährige die Priorisierung komplett aufheben“, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU). In Arztpraxen dürfe ab sofort frei entschieden werden, wer den Impfstoff bekomme. Dies erhöhe die Flexibilität für die impfenden Hausärzte ganz entscheidend. „Wer unter 60 ist, kann sich jetzt freiwillig mit Astrazeneca impfen lassen“, sagte Stübgen. „Natürlich ist das mit einem ausführlichen Aufklärungsgespräch verbunden und die letzte Entscheidung liegt immer beim Arzt.“

Brandenburg soll elektronischen Impfnachweis erproben 

Neben Thüringen soll Brandenburg nach Worten der Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) einen elektronischen Impfnachweis erproben. Man werde das Pilotprojekt bereits kommende Woche starten, sagte Werner am Dienstag nach einer Kabinettssitzung der rot-rot-grünen Landesregierung in Erfurt. „Wir hoffen, dass wir dann auch gut Vorarbeiten leisten können, damit auf Bundesebene schnellstmöglich so ein elektronischer Impfnachweis für alle da sein kann“, sagte Werner.

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Die Infektionslage in Brandenburg entspannt sich weiter. So sank die Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstag auf 104,5 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, am Mittwoch auf 101,5. Vor einer Woche lag der Wert noch bei 117,9. Trotz der sinkenden Zahlen warnte Brandenburgs Kenia-Koalition angesichts der geplanten Öffnung von Gaststätten ab Pfingsten im Freien vor zu hohen Erwartungen. „Ich plädiere dafür, dass wir das maßvoll tun, um nicht sofort wieder in höhere Zahlen hineinzukommen“, sagte SPD-Fraktionschef Erik Stohn am Dienstag in Potsdam.

Er nannte neben der Außengastronomie auch Sport und Kultur, betonte aber: „Zu große Erwartungen will ich jetzt an der Stelle auch nicht erwecken.“ Planbar sei etwas im Außenbereich. Grünen-Fraktionschefin Petra Budke riet Kulturveranstaltern abzuwarten: „Ich glaube, jetzt anzufangen zu planen für Pfingsten ist zu früh.“ Der Chef der oppositionellen Linksfraktion, Sebastian Walter, forderte das Land auf, für Theater- und Musikfestivals die Planungskosten zu tragen, wenn es doch zur Schließung kommt.

Schüle: Kultureinrichtungen rasch öffnen

Die rot-schwarz-grüne Koalition hatte sich darauf verständigt, dass Gaststätten im Freien zu Pfingsten öffnen können, wenn sich die Stabilisierung der Infektionslage in den nächsten zwei Wochen fortsetzt. Außerdem könne über weitere Öffnungen in Sport, Kultur und Tourismus nachgedacht werden – mit dem Prinzip außen vor innen und bei Einbeziehung negativer Tests. Auch viele andere Bundesländer schüren die Hoffnung auf baldige größere Öffnungsschritte bei Tourismus, Kultur und Gastronomie, darunter Berlin und Bayern.

Unterdessen plädierte Kulturministerin Manja Schüle (SPD) erneut dafür, auch die Kultureinrichtungen rasch wieder zu öffnen. „Mein Vorschlag: Sobald die Inzidenzen es zulassen, könnten relativ schnell Open-Air-Veranstaltungen starten“, sagte die Politikerin den PNN. Parallel könnten in Theater-, Konzert- und Kinosälen Modellprojekte beginnen. „Kultur braucht Perspektive und Zukunft. Und wir brauchen Kultur“, so Schüle. 

Inzidenz in Mittelmark sinkt weiter

Die Corona-Infektionslage im Landkreis Potsdam-Mittelmark entspannt sich weiter. So meldete der Kreis am Dienstag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 79,4 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Das war die niedrigste Inzidenz seit dem 12. April. Am Vortag hatte der Wert bei 91,0 gelegen. Seit mittlerweile neun Tagen liegt die Inzidenz unter der Marke von 100.

Es wurden neun neue Fälle registriert, davon je drei in Kleinmachnow und Stahnsdorf. Neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus wurden nicht gemeldet. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas oder Schulen wurden keine Neuinfektionen registriert. Die Zahl der als akut erkrankt geltenden Mittelmärker sank im Vergleich zum Vortag um 16 und liegt nun bei 408. Seit Beginn der Pandemie haben sich damit 7515 Personen im Landkreis Potsdam-Mittelmark nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt, 192 infizierte Personen sind gestorben.

Bestätigt hat sich unterdessen die Beschränkung der drei Impfstellen im Landkreis auf Zweitimpfungen. Aufgrund der Knappheit an Impfstoff stünden derzeit keine Termine für Erstimpfungen in den Zentren in Bad Belzig, Treuenbrietzen und Kloster Lehnin zur Verfügung, heißt es vom Kreis. (dpa, mit sca)

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