Hochwasser : In Mühlberg drohen die Deiche zu brechen

Hochwasser in Deutschland: Die Lage spitzt sich weiterhin zu, besonders ernst wird es jetzt in Teilen von Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. In unserem Blog informieren wir Sie fortlaufend über die aktuellen Ereignisse.

Sandra Dassler Claus-Dieter Steyer Sara Schurmann Anna Grieben

12.40 Uhr: In Magdeburg steigt das Hochwasser der Elbe deutlich schneller und vermutlich höher als erwartet. Aktuelle Prognosen gingen davon aus, dass ein Höchststand von 7,30 Metern erreicht werden könnte, berichtete Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Bislang waren für Sonntag 7,20 Meter erwartet worden. Am Freitagvormittag zeigte laut Trümper in Magdeburg ein Pegel 7,11 Meter, 6,90 Meter waren vorhergesagt. Normal sind für die Elbe in Magdeburg knapp 2 Meter. Der Hochwasserscheitel werde voraussichtlich fünf Tage anhalten.
Diese Zeit durchzuhalten, sei die Herausforderung, sagte der Oberbürgermeister.

Um ein Überlaufen eines Deiches am Umflutkanal in Höhe des Ortsteils Pechau zu verhindern, werde er derzeit erhöht und verstärkt. Trümper sagte, es seien für Magdeburg 2000 zusätzliche Bundeswehrsoldaten angefordert worden.

12.30 Uhr: Die vom Hochwasser betroffenen Länder fordern mehr Geld vom Bund und der EU für die Zeit nach der Flut. „Wir werden für die Beseitigung der Schäden und den Wiederaufbau erhebliche Summen benötigen“, sagte Thüringens Regierungschefin, Christine Lieberknecht (CDU), am Freitag im Bundesrat. Die bislang zur Verfügung stehenden Mittel reichten dafür nicht aus. Nötig sei deshalb auch Hilfe von der Europäischen Union. Der Bund und die übrigen Länder seien ebenso gefordert.

12.20 Uhr: Aus Sicht Österreichs hat deutsches Missmanagement beim Hochwasserschutz die Katastrophe verstärkt. Er wolle nicht direkt von Fehlern sprechen, aber: „Ich glaube, es waren langfristige Fehlentwicklungen, die auch teilweise vorher Experten mitgetragen haben“, sagte der österreichische Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) vor dem Treffen der EU-Energieminister am Freitag in Luxemburg. Das Donau-Hochwasser hatte in den vergangenen Tagen eine Schneise der Verwüstung durch Österreich geschlagen. Zahlreiche Orte standen unter Wasser, tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Am Freitag entspannte sich die Lage weiter, in immer mehr Orten begannen die Aufräumarbeiten.

12.05 Uhr: Nachdem in Sachsen-Anhalt viele Menschen wegen des Hochwassers ihre Wohnungen verlassen mussten, hält die Polizei dort verstärkt Ausschau nach Plünderern. Noch sei in keine Wohnung eingebrochen worden, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums in Magdeburg und bestätigte damit einen Bericht der „Magdeburger Volksstimme“ am Freitag. In den besonders stark von den Fluten betroffenen Gebieten an der Saale patrouillierten seit Tagen Polizeikräfte.

11.50 Uhr: Der Schaden durch die Flut für die deutsche Wirtschaft wird nach Befürchtungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK mehr als elf Milliarden Euro betragen.

„2002 betrug der durch das Hochwasser hervorgerufene volkswirtschaftliche Schaden rund 11 Milliarden Euro. In einigen Regionen dürfte das Ausmaß der Schäden eher größer sein als 2002“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der „Rheinischen Post“ (Freitag). Die Lage sei aber noch zu unübersichtlich, um das Ausmaß der Schäden abschließend beziffern zu können. Wichtig sei jetzt, den Betrieben schnell und unbürokratisch zu helfen.

11.40 Uhr: Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat an die Versicherungswirtschaft appelliert, den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Menschen den Versicherungsschutz nicht zu verwehren. „Sprechen sie keine Schadensfallkündigung aus“, appellierte Tillich am Freitag im Bundesrat an die Versicherungswirtschaft. „Wir wollen weiter pulsierende Innenstädte“, sagte Tillich mit Blick auf die in Flussnähe liegenden, hochwasserbedrohten Orte. Die DDR habe die Innenstädte verfallen lassen. Es könne nicht sein, dass sich die dortigen Häuser jetzt nicht versichern ließen.

11.30 Uhr: In Tschechien hat sich die Hochwasserlage deutlich entspannt. Die Pegelstände gingen am Freitag kontinuierlich an allen Flüssen im Einzugsgebiet von Elbe und Moldau zurück, wie der Wetterdienst in Prag mitteilte. Der Wasserstand in der hart getroffenen Industriestadt Usti (Aussig) schwankte am Morgen knapp über der Zehn-Meter-Marke. Mit den Aufräumarbeiten kann dort nach Angaben der Behörden frühestens am Sonntag begonnen werden.
Bis im Land alle Schäden beseitigt sind, könnten nach Einschätzung von Präsident Milos Zeman zwei Jahre vergehen. In Prag waren alle U-Bahn-Linien wieder in Betrieb. Stationen am Ufer wurden von den Zügen jedoch ohne Halt durchfahren. Angekündigte Niederschläge bereiteten Sorge. „Die Rückhaltefähigkeit der Landschaft ist praktisch gleich null“, teilte Ministerpräsident Petr Necas mit.
Vielerorts waren Straßen und Zufahrtswege überschwemmt. „Wir sind eine trockene Insel in einem Meer“, sagte die Bürgermeisterin von Theresienstadt (Terezin), Ruzena Cechova, der Agentur CTK. Doch in einem Vorort der früheren Festung standen 50 Häuser rund einen Meter tief unter Wasser.

11.12 Uhr: Der Bundesrat hat seine Solidarität mit den Opfern der Hochwasserkatastrophe bekundet. Die betroffenen Menschen müsstsen schnell und unbürokratisch Hilfe bekommen, sagte der Präsident der Länderkammer, Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne), am Freitag in Berlin. Er dankte den Einsatzkräften und freiwilligen Helfern, die seit Tagen gegen die Wassermassen ankämpfen. „Ihr Einsatz ist Ausdruck gelebter Solidarität“, betonte Kretschmann.

11.00 Uhr: Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund will für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Ost- und Süddeutschland mindestens 100 000 Euro spenden.

Laut Vereinsangaben von Freitag werden der BVB und seine Stiftung „leuchte auf“ einen Teil der Eintrittsgelder vom Saison-Eröffnungsspiel am 6. Juli der Kinderhilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ überreichen.

10.48 Uhr: Die Hochwasserlage in der Stadt Bitterfeld in Sachsen-Anhalt hat sich am Freitagvormittag zugespitzt. In Lautsprecherdurchsagen wurden die Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Der Katastrophenstab warnte davor, dass große Wassermassen aus einer Bruchstelle an einem Damm am Seelhausener See zuerst in den Goitzschesee und dann in die Stadt strömen könnten. Bundeswehrhubschrauber werfen aus der Luft Sandsäcke auf den gebrochenen Damm, um die Lücke wieder zu schließen.

10.45 Uhr: An der bayerischen Donau bleibt die Hochwasserlage kritisch. Im Raum Deggendorfstand das Wasser am Freitagmorgen bei 7,60 Meter, durchweichte Dämme drohten zu brechen. In Passau meldete die Stadt hingegen weiter leicht zurückgehendes Wasser. Wie der bayerische Hochwassernachrichtendienst berichtete, registrierten noch 41 von 239 bayerischen Pegeln Hochwasser. Vor allem an der Donau in Niederbayern blieb es bei der höchsten Meldestufe 4.

10.35 Uhr: Das Hochwasser der Elbe ist in den ersten sächsischen Städten auf dem Rückzug. In Dresden wurden niedrigere Wasserstände gemessen, gleichzeitig bedrohte die Flut weiterhin Häuser und Deiche. In der Landeshauptstadt musste am frühen Freitag ein Teil der Leipziger Straße gesperrt werden, da ein Haus einzustürzen drohte. „An dem Mehrfamilienhaus wurden Risse festgestellt, Statiker sollen es heute untersuchen“, sagte ein Stadtsprecher. Die niedrigeren Pegelstände stimmten zwar optimistisch, die Situation an den zum Teil durchweichten Deichen sei aber weiterhin problematisch. Am Donnerstag hatte die Elbe in Dresden bis zu 8,76 Metern erreicht, am Freitagmorgen stand sie bei 8,60 Metern. Normal sind knapp zwei Meter. Nach Angaben des Innenministeriums wurden in Sachsen bisher rund 16 000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der hohe Wasserstand könne noch vier bis fünf Tage anhalten, hieß es.

10:25 Uhr: In Mühlberg (Elbe-Elster) hofft man weiter, dass der Scheitel heute Mittag erreicht wird und dass der Fluss nicht, wie befürchtet, die 10-Meter-Marke ansteigt, sondern sich unterhalb der Deichunterkante stabilisiert. Allerdings wird auch dieser hohe Wasserstand einige Stunden, wenn nicht einige Tage anhalten. Es wird gehofft, dass die Deiche nicht weichen. Eine Entwarnung gibt es daher für Mühlberg noch nicht.

10.10 Uhr: An der Schwarzen Elster bei Herzberg wurden bereits zwei defekte Deichabschnitte notdürftig repariert. Trotzdem droht immer noch ein Wohngebiet zu überfluten. Auch in Bad Liebenwerda ist die Gefahr der Überschwemmung noch nicht vorüber.

09.50 Uhr:  In Ungarn steigt der Wasserstand der Donau weiter an. Bei Nagybajcs unweit der Grenze zu Österreich wurde in der Nacht zum Freitag ein Pegelstand von 8,79 Metern gemessen. Damit lag dieser um vier Zentimeter über dem bisherigen, im Jahr 2002 gemessenen Höchststand, berichtete die Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die Landeswasserbaudirektion OVF. Die Scheitelwelle des Donau-Hochwassers soll den Berechnungen zufolge am Freitag in Ungarn eintreffen und am Wochenende die Hauptstadt Budapest erreichen.

Bereits seit Tagen sind tausende Soldaten und freiwillige Helfer im Einsatz, um Dämme und Uferanlagen mit Sandsäcken zu verstärken und mobile Schutzdämme zu errichten.

09.40 Uhr: Die Situation in Cottbuss (Spree) ist weiterhin kritisch. Derzeit gibt es an den Deichen der Spree 27 gefährdete Stellen. Die Stadtverwaltung hat alle Bürger dazu aufgerufen die Uferbereiche zu meiden. Dort bestehe Lebensgefahr. Viele Brücken in der Stadt sind gesperrt. Eine zusätzliche Gefahr geht von dem Treibgut in der reißenden Spree aus.

09.20 Uhr: Das Elbehochwasser ist in Magdeburg auf einen Rekordstand geklettert. Am Freitagmorgen wurde an der Strombrücke erstmals die Marke von 7,00 Meter überschritten, wie die Stadt mitteilte. Der Hochwasserscheitel wird weiterhin für Sonntag erwartet und soll 7,20 Meter betragen. Am Freitag zeigte der Pegel allerdings schon 10 Zentimeter mehr an als prognostiziert. Tausende Helfer versuchten in und um Magdeburg, Deiche gegen die Wasserflut zu verstärken. Normal sind für die Elbe in Magdeburg knapp 2 Meter.

09.05 Uhr: In Mühlberg (Elbe-Elster) wird im Laufe des Tages die Scheitelwelle der Elbeflut erwartet. Am frühen Morgen lag der Pegelstand des Flusses bei 9,86 Meter. Bei der Jahrhundertflut 2002 war der Fluss auf 9,98 Meter gestiegen. Die Stadt ist inzwischen weitestgehend evakuiert. In der Nacht wurden schadhafte Stellen im Deich abgedichtet - ob sie halten, wird sich in den nächsten 24 Stunden zeigen, hieß es.

09.00 Uhr: An der Neiße hat sich die Lage inzwischen entspannt. Die Hochwasserstufe 3 wurde wieder zurückgenommen. In den Grenzstädten Forst und Gruben ist die Lage stabil. Der Krisenstab des Landkreises Spree-Neiße hat am Donnerstagabend die Arbeit eingestellt.
Auch in der Stadt Spremberg an der Spree hat sich die Lage wieder entschärft. Seit Donnerstagmittag sinkt der Pegelstand. Das Bürgertelefon wurde inzwischen wieder eingestellt. "Zwar ist die Spree in Spremberg immer noch sehr hoch, aber man geht derzeit davon aus, dass die Deiche halten", sagte eine Sprecherin des Landkreises Spree-Neiße.

08.45 Uhr: Das Hochwasser der Spree führt zu einer teilweisen Sperrung der Fließe für Kanus und Touristen-Kähne. So will der Landkreis Dahme-Spreewald auf dem Abschnitt zwischen der Ragower Kahnfahrt und Leibsch im Unterspreewald ab Sonnabend ein Fahrverbot durchsetzen. Die hohe Wasserführung an Wehranlagen und anderen engen Stellen führe zu erheblichen  Strömungsgeschwindigkeiten, so dass hier akute Lebensgefahr besteht. Auch einige Radwege, die auf den Deichen verlaufen, wurden gesperrt. In Lübbenau war am Freitagvormittag noch nichts von Sperrungen bekannt.

08.30 Uhr: Der Pegelstand der Elbe hat in Magdeburg die Marke des Hochwassers von 2002 überstiegen. Nach Angaben des Innenministeriums wurde der Höchststand von 6,72 Metern beim damaligen Jahrhunderthochwasser am Donnerstagabend überschritten. Inzwischen liegt er bei 6,97 Metern. Er soll weiter steigen.

08.10 Uhr: Die Hochwasser-Katastrophe in Deutschland führt auch zu Behinderungen im Fernbahnverkehr. Wegen Gleissperrungen im Bereich Wittenberg werden die Züge zwischen Berlin und Leipzig über Dessau umgeleitet und sind eine Stunde länger unterwegs, wie die Deutsche Bahn in der Nacht zum Freitag mitteilte. Auch die Fahrzeiten auf der Strecke Magdeburg-Leipzig und in der Gegenrichtung verlängern sich. Die Bahn hat eine kostenlose Hotline zu den Auswirkungen des Hochwassers auf den Bahnverkehr eingerichtet.

07.52 Uhr: In Sachsen hat das Elbe-Hochwasser seinen Höhepunkt erreicht. In Dresden verharrte der Fluss am Donnerstag stundenlang bei 8,76 Metern. Die Behörden hatten einen Höchststand um die neun Meter geschätzt. Am frühen Freitagmorgen war die Situation in der Stadt nach Angaben eines Sprechers stabil. Laut Tagesschau sinke der Pegel in der Stadt erstmals wieder.

07.35 Uhr: In Niedersachsen hoffen die Menschen wieder: Nachdem die Prognosen für die höchsten Pegelstände zwei Tage in Folge nach unten korrigiert wurden, setzen jetzt viele Anwohner darauf, dass es für sie diesmal doch nicht so schlimm kommt wie bisher befürchtet. In der besonders bedrohten Kleinstadt Hitzacker werden nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern erwartet - 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen.

07.20 Uhr: Der Druck auf die Dämme in Halle sinkt, bleibt aber nach Angaben des Krisenstabs der Stadt enorm hoch. Am Morgen ging der Pegelstand in Halle-Trotha auf 7,45 Meter zurück. Das waren fast zehn Zentimeter weniger als in der Nacht. Die Entwicklung sei insgesamt positiv, die Lage stabil aber weiter sehr ernst. Nach wie vor müssten der Passendorfer und der Gimritzer Damm starkem Druck standhalten. Bisher halten die Deiche jedoch.

07.00 Uhr: Mit zerstörerischer Kraft bedroht das Hochwasser jetzt den Norden Deutschlands. Bundesländer wie Niedersachsen und Brandenburg rüsteten sich für die anrollenden Wassermassen, die im Süden und Osten bereits große Verwüstungen angerichtet haben. In Sachsen-Anhalt starb ein Mann nach einem Zusammenstoß mit einem Sandsacktransporter.

20.31 Uhr: Die Lage in Brandenburgs Hochwassergebieten bleibt angespannt kritisch. Außer Mühlberg wurden keine weiteren Ortschaften evakuiert. In Bad Liebenwerda verhinderten Einsatzkräfte einen drohenden Deichbruch.

20.09 Uhr: Auf Twitter heißt es von Josefine Rosenkranz: "Großaufgebot der Feuerwehr auf dem Weg nach #Mühlberg".

19.34 Uhr: Das Hochwasser bedroht nun mit zerstörerischer Kraft den Norden Deutschlands. Bundesländer wie Niedersachsen und Brandenburg rüsteten sich für die anrollenden Wassermassen, die bereits im Süden und Osten große Verwüstungen angerichtet haben. Mehrere Deiche drohten unter dem Druck des Wassers zu brechen. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) schätzte allein die Schadensbilanz in Landwirtschaft und Fischerei am Donnerstag vorläufig auf 173 Millionen Euro. Die Summe werde noch weiter steigen, Schäden an Häusern und Infrastruktur ließen sich noch gar nicht beziffern. Insgesamt seien zwei Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Mitleidenschaft gezogen worden.

 

18.55 Uhr: Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke, der sich zur Zeit in Mühlberg befindet, informiert Matthias Platzeck über die sich vor Ort zuspitzende Lage: Es treten Probleme bei der Deichverteidigung auf - die Deiche beginnen zu durchweichen. In der Prignitz, wo Platzeck ist, ist die Lage hingegen stabil. Die Bundeswehr hat hier einige Kilometer Sandsäcke gestapelt.

18.25 Uhr: Vor dem Hintergrund der aktuellen Hochwasser-Katastrophe hat Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) gefordert, den Flüssen wieder mehr Platz zu geben. „Wir müssen dafür sorgen, dass das Wasser seinen Raum hat, damit andere Gegenden wie Städte nicht so stark bedroht werden“, sagte Altmaier dem „Straubinger Tagblatt“ (Freitagsausgabe). Für den Hochwasserschutz sei es wichtig, „dass ausreichend Flussauen, Überflutungsgebiete und Polder vorhanden sind“. Auch einige Deiche sollten zurückverlegt werden.
Altmaier sieht in dem Hochwasser auch einen zusätzlichen Grund, die Anstrengungen für mehr Klimaschutz zu verstärken.

„Hochwasser hat es schon immer gegeben, aber es fällt auf, dass sich die Jahrhundertfluten häufen“, sagte der Minister. „Deshalb ist es richtig, dass wir unsere Anstrengungen zur Bekämpfung des Klimawandels fortsetzen und erhöhen.“ Die Grünen wollen deswegen ein Klimaschutzgesetz im Bundestag einbringen, das striktere Vorgaben und höhere Abgaben für den CO2-Ausstoß vorsieht. Beides lehnt die Koalition allerdings bislang ab. Mit der Forderung nach mehr Überflutungsflächen für Flüsse stellte sich Altmaier hinter entsprechende Forderungen auch der Umweltverbände.

17.26 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Menschen in den Hochwassergebieten erneut Unterstützung zugesagt. „Ich glaube, dass man sich darauf verlassen kann, dass das Menschenmögliche getan wird“, sagte sie am Donnerstag bei einem Besuch in der Chemiestadt Bitterfeld. Dort drohte das Wasser eines Sees, in die Innenstadt zu laufen. Merkel zeigte Verständnis für die Ängste der Menschen.

Zugleich lobte sie, dass Hand in Hand gearbeitet werde und es eine große Solidarität gebe. „Das ist wunderbar.“ Für viele Menschen in den neuen Ländern sei das Hochwasser die dritte große Veränderung seit der Wende 1989. Schon 2002 habe man von einer Jahrhundertflut gesprochen. Jetzt sei das Land deutlich besser vorbereitet gewesen als 2002.

16.50 Uhr: Während in Cottbus und an Elbe und Elster die Pegel weiter steigen und die Menschen weiter bangen, gibt es flussaufwärts an der Spree leichte Entspannung. Die Hoffnung macht sich ausgerechnet an den Sandsäcken in der teilweise überfluteten und deshalb für Autos gesperrten Johannesgasse in Spremberg fest: Die unteren Säcke sind noch nass, hier stand das Wasser. „Aber die Betonung liegt auf stand“, sagt Lars Springer von der Stadtverwaltung: „Zwölf Zentimeter ist das Wasser in den letzten vier Stunden zurückgegangen.“ Springer ist sonst für Tief- und Straßenbau verantwortlich, in diesen Tagen aber für die Sicherung der Deiche.

Als die Spree in Spremberg das letzte Mal so hoch stand, schrieb man das Jahr 1981 und Springer ging noch zur Schule. „Wenn uns nicht neuer Regen dazwischenkommt, haben wir es vielleicht geschafft“, sagt er.
Am anderen Ende der Johannesgasse versucht der Hausmeister des Hotels „Zur Post“ gerade den höchsten Teil des völlig überfluteten Biergartens mit einem Besen zu säubern. Noch ist es aussichtslos. „Ich fürchte, es wird noch einige Tage dauern, bis wir hier wieder Kaffee trinken können“, sagt Kerstin Freißler. „Aber das ist alles kein Vergleich zu den Zuständen in Meißen, Grimma und Mühlberg.“ Der Gartenzwerg auf der Terrasse „Zur Post“ lächelt, während in der Spree neben ihm zehn Mal so viel Wasser wie sonst flussabwärts fließt - zur Talsperre Spremberg, nach Cottbus und dann in den Spreewald.

 

16.26 Uhr: Wegen drohender Überflutung der Gleise ist die Eisenbahnbrücke über die Elbe in Wittenberg am Nachmittag vorsorglich gesperrt worden. Der Fernverkehr zwischen Berlin und Leipzig wird über Stendal umgeleitet. Die Züge brauchen dafür rund eine Stunde länger. Die Regionalbahnlinien Halle - Lutherstadt Wittenberg und Leipzig - Lutherstadt Wittenberg fahren nur ab und bis Pratau.

16.00 Uhr: In Barby in Sachsen-Anhalt ist ein 63-jährige Mann beim Befüllen der Sandsäcke zusammengebrochen. Wie die Behörden bestätigten, konnte der  herbeigerufene Notarzt nicht mehr helfen. Der Katastrophenschutzstab appellierte an alle Helfer, trotz der angespannten Lage in den Hochwassergebieten auch an die notwendigen Pausen zu denken. Bereits am Mittwoch war eine Frau bei der Evakuierung in Sachsen-Anhalt verstorben.

15.31 Uhr: Zusammen mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat Bundeskanzlerin Merkel die Stadt Bitterfeld besucht, um sich einen Eindruck von der Hochwassersituation zu verschaffen.

15.11 Uhr: Im brandenburgischen Mühlberg sind Feuerwehrleute aus Hessen im Einsatz. Im rbb-Inforadio äußerte sich einer von ihnen unzufrieden über die Bedingungen vor Ort. Der Einsatz verlaufe sehr unkoordiniert, niemand sage ihnen, was zu tun sei. Landrat Christian Jaschinsky (CDU) versprach, er werde sich umgehend darum kümmern.

15.07 Uhr: Die Wirtschaftsminister der Länder haben sich für schnelle, unbürokratische Hilfen für vom Hochwasser betroffene Betriebe ausgesprochen. Die Unternehmen sollten einen Zuschuss von 50 Prozent ihrer Schäden erhalten. Der Zuschuss soll bei 15 000 Euro gedeckelt sein, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Donnerstag.

Diese Gelder könnten aus dem 100-Millionen-Euro-Fonds fließen, den die Bundesregierung zur Verfügung stellen will, sagte er zum Abschluss der Konferenz der Wirtschaftsminister von Bund und Ländern in Rostock. Nach den Worten Glawes werde die staatliche Förderbank KfW deutlich niedrigere Kreditzinsen von Betroffenen verlangen. Es wäre wünschenswert, wenn die gesamte Kreditwirtschaft sich diesem Vorgehen anschließe.

 

14.53: Eindrücke aus Cottbus: Auf der Terrasse der historischen Spreewehrmühle lassen es sich zahlreiche Besucher bei Kaffee und Kuchen gutgehen. Wenige Meter von ihnen entfernt schwillt das Rauschen der Spree von Minute zu Minute an. Längst ist die Brücke über das Große Spreewehr gesperrt. Sandsäcke sichern die Gebäude und Deiche entlang des Flusses. „78.000 Säcke haben wir mit Sand gefüllt“, sagt der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD). Er schaut besorgt in die Fluten. Normalerweise fließen hier 18 Kubikmeter pro Sekunde durch das Wehr, letzte Woche waren es bereits 36. Jetzt sind es etwa 80, 110 Kubikmeter pro Sekunde können es in den nächsten Tagen noch werden. „Das Problem ist, dass die Talsperre im sächsischen Bautzen auch weiterhin sehr viel Wasser abgeben muss“, sagt Szymanski. Schon am Sonntag soll es wieder heftige Regenfälle geben. Das gleiche gilt für die Talsperre Spremberg. „Ob die uralten Spreedeiche solchen Wassermassen mehrere Tage lang standhalten können, ist ungewiss, denn so etwas hat es in Cottbus noch nicht gegeben“, sagt der ehemalige Verkehrsminister des Landes Brandenburg. Momentan sind in Cottbus mehrere Kleingartensiedlungen und eine Fernwärmetrasse gefährdet. 10.000 Cottbusser werden am Freitag kein warmes Wasser mehr haben. Ein Problem sind auch die vielen großen Bäume, die in die Spree gestürzt sind. Sie müssen von der Feuerwehr wieder herausgezogen werden, weil sie Brücken, Dämme und andere Bauwerke gefährden. An dem 25 Kilometer langen Abschnitt, in dem die Spree durch Cottbus fließt, sind insgesamt neun Brücken gesperrt. Bedroht sind unter anderem auch das Stadion der Freundschaft und das neue moderne Kunstmuseum „Dieselkraftwerk“. Auch die Spreewehrmühle könnte überflutet werden, die Besitzerin hat die Möbel bereits ins Obergeschoss geschafft. „Wir bleiben aber weiter geöffnet“, versichert sie.

 

14.44 Uhr: Zwischen Samstag und Dienstag rechnen Meteorologen mit neuen Niederschlägen durch Gewitter an den östlichen Mittelgebirgen, den Alpen, Polen und Tschechien. Das Modell des US-Wetterdienstes (GFS) rechnet beispielsweise im Einzugsgebiet der Elbquelle mit 80-120 Litern/qm. Vor allem Bäche und kleinere Flüsse können  vorübergehend wieder ansteigen, was möglicherweise den Rückgang des Hochwassers in den großen Flüssen verzögern könnte.

14.20 Uhr: Nach der Kanzler will am Sonntag auch Bundespräsident Joachim Gauck die vom Hochwasser betroffenen Gebiete besuchen. Wie das Bundespräsidialamt mitteilte, will Gauck zunächst in Halle an der Saale an einem Gottesdienst teilnehmen. Anschließend sind Gespräche mit Helfern sowie weiteren betroffenen Bürgern vorgesehen. Auch an der Elbe will Gauck mit Betroffenen sprechen.

14.05 Uhr: Aktuelle Lageberichte zu den einzelnen Flussgebieten finden Sie auf dieser Seite der Hochwasserzentralen.

13.50 Uhr: Das Hochwasser in Brandenburg wird die Deiche noch tagelang gefährden. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) schätzte die Situation schwieriger ein als 2002 beim letzten katastrophalen Hochwasser. Die Behörden gingen davon aus, dass die Flut noch bis zu eineinhalb Wochen gefährlich sein könne. „Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu“, sagte Woidke im rbb-Inforadio.

13.44 Uhr: Die Handwerkskammer Cottbus bietet individuelle Hilfe für Handwerker an, die vom Hochwasser betroffen sind. Außerdem startet die HWK einen Spendenaufruf. Hier die Infos.

13.20 Uhr: Wer profitiert von der Hochwasserkatastrophe? Lesenswerter Beitrag bei unseren Kollegen von Cicero Online.

13.08 Uhr: Und nochmal die Kanzlerin: Angela Merkel will am Nachmittag erneut in die Hochwassergebiete fahren, nun geht es in die Region um Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt. Bereits am Dienstag hatte Merkel drei vom Hochwasser betroffene Orte in Bayern, Sachsen und Thüringen besucht - und Soforthilfen in Millionenhöhe versprochen.

12.44: Die Grünen drängen angesichts der aktuellen Flutkatastrophe auf striktere Klimaziele und wieder höhere Abgaben auf den CO2-Ausstoß. Fraktionschef Jürgen Trittin warf der schwarz-gelben Bundesregierung vor, Deutschland beim Klimaschutz „vom Vorreiter zum Bremser“ gemacht zu haben.

12.28: Das Hochwasser in Süd- und Ostdeutschland ist nach Meinung von KfW-Chefökonom Jörg Zeuner derzeit kein Konjunkturrisiko. “Schlüsselstellen sowohl in der Infrastruktur - etwa wirtschaftlich relevante Häfen - als auch in den Produktionsketten - etwa die Chemie - scheinen bisher intakt.“ Für konkrete Zahlen sei es aber noch zu früh. Die Aufräumarbeiten nach der Flut dürften in den betroffenen Regionen für positive Konjunkturimpulse sorgen.

12.22 Uhr: Welche Rechte und Ansprüche haben Hartz-IV-Empfänger, die vom Hochwasser betroffen sind? Hier Infos von der Bundesagentur für Arbeit.

12.19 Uhr: Brandenburgs Kabinett, zumindest die für Hochwasser zuständigen Mitglieder, schwärmen aus an die Deiche im Lande: Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wird sich am frühen Abend ein Bild in der Prignitz machen, wo die Höchstpegel ab Wochenende erwartet werden. Umweltministerin Anita Tack (Linke) fährt am Nachmittag in die Stadt Spremberg, zur Talsperre, zum Wehr Neuhausen und nach Cottbus. Und Innenminister Dietmar Woidke (SPD) ist in Elbe-Elster unterwegs, dort liegt etwa Mühlberg, wo das Wasser nur noch 48 Zentimeter unter der Deichkante fließt.

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