Hauptstadtflughafen BER : BER bekommt neuen Bauchef

Der Münchner Carsten Wilmsen soll vierter Geschäftsführer der Flughafengesellschaft werden. Darüber soll der Aufsichtsrat Ende August entscheiden. Der Vorschlag der Gesellschafter findet jedoch nicht nur Unterstützung.

Blick aus einem Kleinflugzeug auf den Flughafen Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt in Schönefeld. 
Blick aus einem Kleinflugzeug auf den Flughafen Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt in Schönefeld. Patrick Pleul/dpa

Am unvollendeten Hauptstadt-Airport wird jetzt das Management verstärkt, mitten im Ringen um die BER-Eröffnung im Oktober 2020: Nach PNN-Informationen soll Carsten Wilmsen neuer Geschäftsführer Bau und Technik der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) werden.

Der 50-Jährige ist bislang Immobilien- und Bauchef am Flughafen München. Für die Spitzenpersonalie, die auf der Tagesordnung der Sitzung des Aufsichtsrates am 31. August steht, wird extra die Geschäftsführung erweitert: Aus dem bisherigen Trio, angeführt von Engelbert Lütke Daldrup, würde dann ein Quartett. Und zwar vorübergehend für drei Jahre, so der Plan, bis der BER eröffnet ist. Mit dem Ausscheiden von Jörg Marks, der allerdings nicht Geschäftsführer war – aber wie einer bezahlt wurde – ist der Posten des Technikchefs vakant. Wilmsen soll vor allem für die Erweiterungsbauten am BER verantwortlich sein, aber auch für IT-Technik und Facility-Management.

Es ist schon der zweite Anlauf für diese Personalie: Im November 2017 hatten Lütke Daldrup und Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider schon einmal versucht, Wilmsen als vierten Geschäftsführer zu holen. Er war über einen Headhunter gefunden und getestet worden, die Mehrheit im Aufsichtsrat stand. Damals scheiterte es, weil Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) sein Veto einlegte. Doch inzwischen sind sich die drei BER-Eigner einig, dass eine befristete Erweiterung der FBB-Führung sinnvoll ist. Und zwar auch, um Lütke Daldrup zu entlasten, damit er sich in der kritischen Phase auf den Start des BER konzentrieren kann. Ein förmlicher Gesellschafterbeschluss, dass die FBB-Geschäftsführung erweitert wird, wurde nach PNN-Informationen bereits am 8. Juli gefasst. „Der Bund – wie auch die Mitgesellschafter – befürworten die Bestellung eines vierten Baugeschäftsführers“, bestätigt das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage.

Laut Bundesverkehrsministerium soll der Baugeschäftsführer „insbesondere für die Umsetzung der umfangreichen Masterplanung BER in einer zu gründenden Projektgesellschaft zuständig sein“. Die neue FBB-Tochter soll unter Wilmsen die schnell benötigten Erweiterungsterminals am zu kleinen BER bauen, und zwar „zeitgerecht, finanziell solide und technisch einwandfrei“, wie es in der Vorlage von 2017 hieß. Es geht um Investitionen von jährlich rund 180 Millionen Euro. Und die Zeitpläne sind knapp. So muss das neue Terminal (T2) für Billigflieger im Oktober 2020 fertig sein, da sonst Tegel nicht geschlossen werden könnte.

Allerdings gibt es im Aufsichtsrat dem Vernehmen nach auch Widerstände gegen die Personalie. Und zwar von der Arbeitnehmerseite, die die Hälfte der Mandate hat, das Verfahren kritisiert und einen vierten Geschäftsführer nicht für nötig hält. Es werde spannend, heißt es. Auch bei Finanz-Geschäftsführerin Heike Fölster und dem Personal-Geschäftsführer Manfred Bobke-von-Carmen soll sich die Begeisterung über die Neubesetzung in Grenzen halten, heißt es. Wilmsen wiederum wäre, wenn er sich bewährt, ein potenzieller Nachfolger für Lütke Daldrup.