• Frankfurt (Oder) bewirbt sich: Einheitszentrum soll nach Brandenburg kommen

Frankfurt (Oder) bewirbt sich : Einheitszentrum soll nach Brandenburg kommen

Mit Unterstützung der Landesregierung bewirbt sich die Stadt Frankfurt (Oder) als Standort für das „Zukunftszentrum für europäische Transformation und Deutsche Einheit“ - ein 200-Millionen-Euro-Projekt.

Die Stadtbrücke zwischen Frankfurt (Oder) und dem polnischen Slubice.
Die Stadtbrücke zwischen Frankfurt (Oder) und dem polnischen Slubice.Foto: Patrick Pleul/dpa

Potsdam - Für Brandenburg wäre es eine Ansiedlung mit europaweiter Strahlkraft: Die Stadt Frankfurt (Oder) bewirbt sich mit Unterstützung der Landesregierung, der Europa-Universität Viadrina und der polnischen Nachbarkommune Slubice als Standort für das vom Bund geplante „Zukunftszentrum für europäische Transformation und Deutsche Einheit“. 
Frankfurt (Oder) mit seiner reichen, aber auch schmerzhaften Erfahrung und Geschichte was Umbrüche angehe, sei der ideale Ort für das Zentrum, sagte Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke (Linke) am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Akteure. Als er die Ausschreibungskriterien gelesen habe, sei sein erster Gedanke gewesen: „Die meinen uns.“

Erfahrungen aus Ostdeutschland sollen genutzt werden  

Ziel des Zentrums, das bis 2027 fertig sein soll, sei es, „die Lebensleistungen der Menschen im Osten nutzbar zu machen“, so Wilke. Aus den Erfahrungen der friedlichen Revolution 1989 und den Umwälzungen in Ostdeutschland nach der Wende sollen Schlüsse gezogen werden. Sie sollen helfen, um Transformationsprozessen wie etwa dem Klimawandel und dem damit einhergehenden Strukturwandel in der Energiegewinnung, aber auch der Digitalisierung und der fortschreitenden Globalisierung zu begegnen. Die einst wichtige Hansestadt habe viele Umbrüche erlebt und bewältigt. Etwa die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1945, den Wegzug von etwa 30 000 Einwohnern nach der Wende und Rückschläge wie die gescheiterte Ansiedlung der Chipfabrik 2003, so Oberbürgermeister Wilke. 

180 Arbeitsplätze sollen entstehen 

Das Zentrum solle dabei nicht nur der Forschung dienen, sondern auch ein Begegnungszentrum für internationale Gäste sein. 200 Millionen Euro will der Bund in das Projekt investieren, eine Kofinanzierung durch die Bundesländer oder die Bewerberstädte ist nicht vorgesehen. 180 Arbeitsplätze sollen entstehen. 
Am Mittwoch hatten Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Marco Wanderwitz (CDU) als Vorsitzende einer zum 30. Jahrestag des Mauerfalls eingesetzten Expertenkommission die Pläne in Berlin vorgestellt – und deutlich gemacht, dass das Zentrum in jedem Fall in Ostdeutschland gebaut werden soll. 

Slubice unterstützt die Bewerbung 

In Frankfurt stünden dafür drei Flächen in der Innenstadt zur Verfügung, um den Bau, der von der Größendimension mit dem Landtagsgebäude in Potsdam vergleichbar wäre, zu realisieren, so Wilke. Am symbolträchtigsten wäre ein Neubau auf einer Brache direkt an der Stadtbrücke zwischen Frankfurt (Oder) und Slubice, dem deutsch-polnischen Grenzübergang. 
„Frankfurt (Oder) war vor gar nicht langer Zeit eine Stadt am Rand, heute liegt sie in der Mitte des geeinten Europa“, sagte Slubices Bürgermeister Mariusz Olejniczak am Freitag in Potsdam. Seine Stadt werde die Bewerbung unterstützen, „wo immer uns das möglich ist“.

Schüle: Das Zentrum passt hervorragend an die Oder 

Auch die Landesregierung werde sich für Frankfurt (Oder) als Standort des Zentrums einsetzen, sagte Kultur- und Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD), die selbst in der Oderstadt aufgewachsen ist. Besonders beim Thema Deutsche Einheit und Europa brauche es einen Ort, der qua Definition für grenzüberschreitende Kommunikation stehe. „Ich bin mir sicher: Das geplante Einheits- und Europazentrum passt hervorragend in die Stadt an der Oder“, so Schüle.
Auch die 1991 gegründete Europa-Universität Viadrina, „selbst Kind des innerdeutschen Einigungs- und des europäischen Transformationsprozesses“ wolle ihre Expertise einbringen, um der Bewerbung der Stadt zum Erfolg zu verhelfen, so Uni-Präsidentin Julia von Blumenthal. 

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Mehrere ostdeutsche Städte im Rennen 

Am 7. Juli soll sich die Bundesregierung mit dem Projekt befassen und dann den Ausschreibungsprozess in Gang setzen. Auch eine Reihe anderer ostdeutscher Städte haben Interesse an einer Bewerbung signalisiert. So etwa das sächsische Plauen, Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg und die thüringischen Städte Eisenach und Ettersburg sowie Mühlhausen, das von seiner hessischen Partnerstadt Eschwege unterstützt werden soll. 

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