• Extreme Trockenheit: Warnung vor Dürrewelle in Brandenburg

Extreme Trockenheit : Warnung vor Dürrewelle in Brandenburg

Das heiße und trockene Frühjahr bereitet den Bauern in Brandenburg zunehmend Sorgen. Der Deutsche Wetterdienst warnt offiziell vor Dürre, die Feuerwehr fordert Hubschrauber-Einsätze gegen Waldbrände.

Richard Friebe Silke Nauschütz
Ein Feld im Liebenwalder Ortsteil Hammer.
Ein Feld im Liebenwalder Ortsteil Hammer.Foto: Monika Skolimowska/dpa

Cottbus - Die Landwirte in Brandenburg machen sich angesichts der anhaltenden Trockenheit Sorgen um die diesjährige Ernte. „Wir haben seit vier Wochen keinen Regen, bei uns sieht es wie in einer Wüste aus“, sagte ein Sprecher der Agrarfarm GmbH in Hammer-Liebenthal am Mittwoch. Unterdessen fordert der Landesfeuerwehrverband angesichts drohender Waldbrände, dass es einfacher werden sollte, Löschhubschrauber einzusetzen. Bei den Bränden im vergangenen Jahr habe man Hilfe von der Bundeswehr und dem Bundesgrenzschutz bekommen, sagte der Verbandspräsident Werner-Siegwart Schippel. „Es gibt aber noch zu viele Verwaltungswege, wir wollen einfachere Verfahren für schnelle Hilfe mit Löschhubschraubern.“

Die Brandenburger Feuerwehren haben keine eigenen Hubschrauber. In der Lausitz gibt es laut Schippel Bemühungen, Löschflugzeuge zu bekommen. Die Wasserflächen dafür seien durch die Bergbauseen vorhanden. Für diese Überlegungen gebe es aber noch keine abschließende Meinung des Deutschen Feuerwehrverbandes.

Das Getreide ist in Gefahr

„Wir hoffen sehnlichst auf Regen, der entscheidende Monat ist für uns der Mai“, meinte der Sprecher des Landesbauernverbandes, Tino Erstling. Wenn es weiter so trocken bleibe, werde das Getreide kaum Ähren ausbilden. Zudem sei der Boden noch vom vergangenen Jahr ausgetrocknet. Durch einen Winter mit mangelndem Schnee habe der Boden kaum Feuchtigkeit speichern können.

Ein Landwirt fährt mit einem Traktor über ein trockenes Feld in Zerpenschleuse, Wandlitz. 
Ein Landwirt fährt mit einem Traktor über ein trockenes Feld in Zerpenschleuse, Wandlitz. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Das vergangene Erntejahr sei für viele Landwirte existenzbedrohend gewesen, sagte Erstling. Nicht wenige hätten Dürrehilfe beantragen müssen und sie auch erhalten. Allerdings hätten viele Bauern das schlechte Jahr 2018 noch nicht verdaut. Nach Angaben des Landesbauernverbandes betrugen die Ernteverluste im vergangenen Jahr zwischen 30 und 80 Prozent, je nach Kultur und Standort.

Rund 780 Landwirtschaftsbetriebe in Brandenburg hatten bis Ende Dezember einen Antrag auf Dürrehilfe gestellt und Schäden in Höhe von rund 93 Millionen Euro gemeldet. 72 Millionen Euro stellten Bund und Land insgesamt bereit.

Die Kosten für die Bewässerung steigen

Auch den Obstbauern fehlt der Regen. Etwa 90 Prozent der Obstanlagen in Brandenburg seien zwar zu bewässern, die Kosten dafür kletterten aber in die Höhe, sagte der Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg, Andreas Jende, am Mittwoch (PNN berichteten).

Vor allem die etwa 50 Brandenburger Apfelbetriebe mit insgesamt 900 Hektar Anbaufläche brauchen Regen. Hohe Sonneneinstrahlung und Trockenheit könnten zu Brandschäden an den Äpfeln führen, erklärte Jende. Geschmacklich gebe es zwar keine Abstriche, die Früchte würden aber so nicht vom Einzelhandel abgenommen. „Das Schönste wäre, wenn wir ein normales Erntejahr haben, ohne Ausschläge nach oben oder unten.“

Offizielle Dürrewarnung

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat jetzt allerdings eine Dürrewarnung herausgegeben, aufgeschlüsselt nach Bundesländern. Zugrunde liegt eine Studie der Abteilung für Agrarmeteorologie bei der Wetterbehörde in Offenbach. Und sie fußt nicht auf kurzfristigen Wettervorhersagen. Auch seriös gar nicht mögliche langfristige Prognosen jenseits einer solchen Schwelle von zehn bis 14 Tagen sind nicht die Grundlage, sondern die derzeit gemessenen Bodenfeuchten, sagt Uwe Kirsche vom DWD.

Denn anders als etwa ein Feuerwehrteich im Dorf, der schon nach einem ordentlichen Unwetter schnell wieder voll ist, ist der Boden ein vergleichsweise „träges System“. Die Bodenfeuchte erholt sich eher langsam und auch nur dann, wenn es über längere Zeit regnet und nicht wie bei jenem Unwetter fast alles oberflächlich abläuft.

Als Erbschaft des vergangenen Jahres sind die Böden derzeit noch immer vergleichsweise trocken, vor allem unterhalb von 60 Zentimetern. Das macht vor allem Bäumen, die jetzt ihren „Saft ziehen“ müssen, bereits zu schaffen. Oberhalb davon ist es aufgrund der Winterniederschläge feuchter, ganz oben aufgrund von Trockenheit, Wind und Sonne aus den letzten Wochen aber auch schon wieder eher staubig. Auch Waldböden seien noch voller hinsichtlich der Waldbrandgefahr problematischem trockenem Laub und Zweigen. „In normalen Jahren wäre das meiste davon längst vermodert“, sagt Kirsche.

Brandenburg ist mit am stärksten betroffen

Der Studie nach sind vor allem „Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg besonders betroffen, in dieser Reihenfolge“, so Kirsche. Selbst bei einem Jahr mit durchschnittlichem Niederschlag ist demnach vor allem in den ersten beiden mit Dürre zu rechnen. Sollte es trockener als im langjährigen Mittel bleiben oder sollten Niederschläge eher kurz und heftig ausfallen, umso mehr.

In Brandenburg dagegen würde die Bodenfeuchte bei durchschnittlichen Niederschlägen nur knapp unter dem langjährigen Mittel liegen. Hier ist sie allerdings einerseits an der Oberfläche ohnehin immer niedriger. Das liegt etwa daran, dass der märkische Sand kein guter Feuchtigkeitsspeicher ist. Er ist aber auch durchlässiger, lässt Wasser von oben also zumindest teilweise auch besser in tiefere Schichten vordringen, so Frank Glante vom Umweltbundesamt. Auch die eiszeitbedingte Geologie mit ihren wasserundurchlässigen Schichten spielt hier eine Rolle.

Doch selbst beim Deutschen Wetterdienst gehen die Meinungen auseinander. Der Klimatologe Bodo Wischura, der in der Niederlassung Potsdam arbeitet, sieht vor allem in der Unmöglichkeit, mittelfristig das Wetter vorherzusagen, das Grundproblem. „Was wir haben ist unser Jahreszeitentrend“, sagt Wischura. Beruhend auf Modellrechnungen geht dieser für die nächsten drei Monate tatsächlich von einer Niederschlagsmenge aus, wie sie in den letzten 30 Jahren im Mittel auch gefallen ist. Ob es wirklich so kommt, ist aber keinesfalls sicher.

Das einzige, was man einigermaßen konkret vorhersagen kann, sind die nächsten zehn Tage. Die werden feucht und kühl werden und die Lage zumindest nicht verschärfen.(mit dpa)