• EU-Projekte in Brandenburg: Was der Brandenblogger in der Mark entdeckte

EU-Projekte in Brandenburg : Was der Brandenblogger in der Mark entdeckte

Der 29-jährige Steven Hille ist mit einem Elektrofahrrad durch Brandenburg gereist. Er hat sich auf die Suche nach Projekten begeben, die von der EU gefördert werden.

Der Berliner Steven Hille bloggt über Brandenburg.
Der Berliner Steven Hille bloggt über Brandenburg.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Brandenburg ist gar nicht so klein. Das merkte Steven Hille, als er im Sommer 2017 vier Wochen lang mit einem Elektrofahrrad quer durch das Land fuhr. 1300 Kilometer legte er dabei allein mit dem Fahrrad zurück. Dazu kamen ein paar Strecken mit dem Zug, wenn die Entfernungen sehr groß waren. Jeden Tag ein neuer Ort, dann ging es weiter. Seine Mission: „Die Vielfalt zu zeigen, wofür EU-Fördermittel eingesetzt werden“, fasst es der 29-Jährige zusammen.

16 Projekte hat er ausfindig gemacht

Von der Lausitz führte seine Tour in die Prignitz, von Frankfurt (Oder) bis Brandenburg/Havel. 16 kleinere und größere Projekte in ganz unterschiedlichen Bereichen tat er auf, die von EU-Fördermitteln profitiert haben. Seine Besuche dokumentierte er im Internet mit Texten, Fotos und jeweils einem kurzen Video.

Die Idee zum Projekt stammt vom Brandenburger Ministerium der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz (MdJEV), das die Agentur HeymannBrandt GmbH damit beauftragte. Diese wurde auf Hille aufmerksam, der seit 2012 seinen Blog „Funkloch“ betreibt. Hille liebt es zu reisen, gleichzeitig sind ihm Nachhaltigkeit sowie Tier- und Naturschutz wichtig. Über all diese Themen schreibt er in seinem Blog wie zum Beispiel über das südamerikanische Land Suriname, wo er eine Tierschutzorganisation besuchte, oder über ein Brunnenbauprojekt in Uganda. Fast jedes Jahr ist der Blogger und Journalist mittlerweile auf anderen Kontinenten unterwegs, verfasst Artikel für diverse Zeitungen und macht Video-Produktionen für Tourismus-Unternehmen. Auch das Thema nachhaltiges Reisen beschäftigt ihn, die Frage, „wie man den CO2-Fußabdruck von so einer Reise verringern kann“, erklärt er im Studio Alpenglühen in Wedding, wo der Freiberufliche seit November vergangenen Jahres einen Arbeitsplatz gemietet hat.

Einmal musste er im Wald schlafen

Als Brandenblogger sollte den Berliner die Reise mal nicht in ferne Länder führen, sondern ins Nachbarland Brandenburg. Weniger abenteuerlich war das deswegen nicht. Bei einer 150 Kilometer langen Strecke zum Beispiel sei er nicht mehr rechtzeitig bei der Unterkunft angekommen und übernachtete in einem Wald in der Nähe von Lindow (Ostprignitz-Ruppin), erzählt Hille.

Auf seiner Reise durch das Bundesland entdeckte der Brandenblogger aber vor allem eindrucksvolle Projekte. Als ein Beispiel nennt er Feldheim, einen Ortsteil von Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark). Seit 2010 ist Feldheim vollständig energieautark und versorgt sich ausschließlich mit erneuerbaren Energien. Die Einwohner des Dorfes hätten sich zusammengetan, um gemeinsam zu investieren, erzählt Hille. Inzwischen befinden sich 55 Windkraftanlagen etwa eineinhalb Kilometer vor dem Dorf. Dazu kamen eine Photovoltaikanlage sowie eine Biogasanlage. Die Bewohner gründeten 2008 die Feldheim Energie GmbH & Co. KG. Jeder Feldheimer zahlte 3000 Euro ein, der Rest kam vom Land Brandenburg sowie aus dem Europäischen Fonds für die Entwicklung des Ländlichen Raumes (ELER).

Ein Projekt: ein smartes Fahrradschloss

Auch an das intelligente Fahrradschloss aus Brandenburg/ Havel, das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und dem Exist-Gründerstipendium gefördert wurde, kann sich Hille noch gut erinnern. Drei Jungunternehmer haben ein Fahrradschloss mit dem Namen „I lock it“ erfunden, das über eine Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone automatisch öffnet und schließt.

Mit seinen Geschichten stieß der Brandenblogger auf Interesse, sodass er seine Touren 2018 fortführte und sechs weitere Projekte besuchte. Es habe viele gute Resonanzen gegeben, sowohl von den Unternehmern als auch von vielen Menschen, die sich gut informiert gefühlt hätten, erzählt Hille. Nicht nur den Lesern, sondern auch ihm selbst wurde über seine Touren bewusst, welche Bedeutung die EU in den Regionen hat – und „dass theoretisch jeder die Möglichkeit hat, Fördermittel zu beantragen und zu bekommen“. Auf seiner Reise durch das Flächenland ist ihm aber noch etwas anderes aufgefallen: „Wie innovativ Brandenburg ist“, findet der Blogger. Vorher hätte Hille, der in Berlin lebt und dort geboren wurde, kaum Brandenburger Unternehmen gekannt, sagt er.

Inzwischen sind die Touren abgeschlossen

Inzwischen sind seine Touren als Brandenblogger abgeschlossen. Beendet ist das Thema für Hille trotzdem nicht. Denn mit einem der Brandenburger Unternehmer, die er auf seiner Tour kennenlernte, macht Hille nun gemeinsame Sache.

Im Juni 2017 traf er in Hennigsdorf (Oberhavel) Ulrich Weise, den Erfinder des Filterprodukts AQQAbag. Was nach einem mit Wasser gefüllten Plastikbehälter aussieht, ist in Wirklichkeit ein hoch komplexes System, mit dem sich ohne Strom Wasser von Schwermetallen, Pestiziden, Bakterien und Viren befreien lässt. Die beiden blieben nach Hilles Besuch in Kontakt und starteten ein gemeinsames Projekt: Ihr Ziel ist es, in der Entwicklungsarbeit aktiv zu werden und Schmutzwasser zu Trinkwasser aufzubereiten. Daraus ist nun die NGO WeWater entstanden.

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