Die Wahl in Potsdam : Hart umkämpft

Die SPD gewinnt den Potsdamer Norden – gefolgt von der CDU. In Zuzugsgebieten beginnen die Grünen, die Linke von Platz drei zu verdängen

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15.09.2014 22:20

Im Wahlkreis 19 war es lange knapp: Erst führte CDU-Kandidatin Saskia Ludwig, dann wieder ihr SPD-Kontrahent Mike Schubert – und am Ende doch wieder Ludwig. Trotzdem gewannen die Sozialdemokraten in dem Wahlkreis – zu dem neben dem Potsdamer Norden auch Werder und die Gemeinde Schwielowsee zählen – mit 28,2 Prozent die meisten Zweitstimmen. Die CDU erhielt dagegen 26,5 Prozent. Bei den Erststimmen endete das Duell Ludwig versus Schubert umgekehrt 29,4 zu 31,7 Prozent. Beide Kandidaten konnten mehr Stimmen für sich verbuchen als ihre Parteien.

Die Ergebnisse sind dabei relativ homogen. In sämtlichen Stadt- und Ortsteilen im Norden holte die SPD zwischen 25 und 32 Prozent. Die CDU kommt durchweg auf Werte zwischen 19 und 26 Prozent. Interessant sind im Wahlkreis dagegen die Ergebnisse für die Plätze drei und vier: So setzte sich die Linke in Eiche und Golm mit jeweils rund 20 Prozent deutlich gegen die Grünen mit jeweils 13,7 und 12,9 Prozent durch. Ingesamt holte die Linke in dem Wahlkreis 17,1 Prozent, die Grünen 11,2. Das Ergebnis lässt sich nur schwer mit dem vor fünf Jahren vergleichen, da der Wahlkreis 19 wie berichtet seitdem eine andere Struktur erhalten hat und zum Beispiel die Gemeinde Michendorf weggefallen ist.

Allerdings lassen sich einzelne Stadtteile durchaus vergleichen: Und da zogen die Grünen zum Beispiel in Bornstedt an der Linken mit 16,4 zu 16,2 Prozent vorbei. In diesem klassischen Zuzugsgebiet hatten die Linken vor fünf Jahren noch 23,2 und die Grünen lediglich 12 Prozent erhalten. Auch in Groß Glienicke wurde die Öko-Partei dritte Kraft, in Sacrow erhielt sie mit 21,7 Prozent sogar doppelt soviele Stimmen wie die Genossen.

Ohnehin lohnt sich gerade in den Zuzugsgebieten der Blick aufs Detail. Beispiel: Bornim, ebenso ein Zuzugsgebiet. Hier hatte die SPD vor fünf Jahren noch 37,7 Prozent erreicht, jetzt waren es 10,5 Prozent weniger. Die Linke stürzte von 22,5 auf 16,8 Prozent. Dagegen stiegen die CDU von 17,8 auf 24,4 Prozent und die Grünen von 8,8 auf 12,1. Die AfD kam übrigens sogar auf 12,9 Prozent.

Die rechtspopulistische Partei konnte im Potsdamer Norden fast durchweg zweistellige Ergebnisse verbuchen – etwa in Marquardt mit 16,2 oder in Fahrland mit 15,9 Prozent. Auffällig ist zugleich, dass ihr Kandidat Steffen Königer aus Werder (Havel) im Schnitt 1,8 Prozentpunkte weniger Erststimmen bekam als seine Partei.

Damit aber ist Königer nicht allein – außer Schubert und Ludwig blieben alle anderen Direktkandidaten im Wahlkreis unter dem Ergebnis ihrer Parteien. Besonders auffällig ist das bei dem Grünen Nils Naber, der 2,4 Prozentpunkte unter dem Schnitt seiner Partei lag. Auch das lässt sich als eine Folge des Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen Ludwig und Schubert werten – beide konnten auch aus anderen politischen Lagern Stimmen holen. Im Potsdamer Teil des Wahlkreises siegte der SPD-Kandidat sogar – und zwar mit 31,7 zu 26,3 Prozent gegen Ludwig. In Golm kam Schubert sogar auf 37,2 Prozent, in Neu Fahrland auf 35,3. Konkurrentin Ludwig konnte in Potsdam dagegen den Ortsteil Grube mit 36,5 Prozent für sich entscheiden. Deutlich gewonnen hat die CDU-Kandidatin in der Stadt Werder – hier kam sie auf 40,8 Prozent, während Schubert bei lediglich 25,8 Prozent landete.

Übrigens: Das beste Ergebnis der Freien Wähler wurde ebenso im Potsdamer Norden erzielt. Im Schnitt erreichten die Bürgerinitiativen dort 1,6 Prozent – und in Uetz-Paaren sogar vier. In dem Ortsteil konnte auch der Einzelbewerber Edmund Müller, der im Wahlkampf unter anderem gegen Genderideologie agitiert hatte, vier Prozent holen. Insgesamt reichte es für Müller im Wahlkreis 19 aber nur für 1,2 Prozent – er bekam 368 Kreuze auf den Wahlzetteln. Zum Vergleich: Die FDP kam auf 1,8 Prozent. Im Ortsteil Satzkorn zum Beispiel gab es nur noch einen einzigen liberalen Wähler.

Die Wahlbeteiligung im gesamten Wahlkreis lag bei überdurchschnittlichen 57,1 Prozent, in den Potsdamer Teilen sogar bei 59,3 Prozent.  

 

Rund 19 000 Potsdamer stellten zur Landtagswahl einen Antrag auf Briefwahl. Das sind zwar rund 700 weniger als noch bei der Landtagswahl 2009 – allerdings war damals gleichzeitig Bundestagswahl und damit die Wahlbeteiligung generell höher. Rund ein Viertel der Anträge auf Briefwahl wird mittlerweile per Internet gestellt – Tendenz steigend. Auch prozentual stieg der Anteil der Briefwähler an allen Wählern auf nun 24,8 Prozent: Fast jeder vierte Wähler stimmte also vorher ab. 2009 war es noch jeder fünfte Wähler. (HK)

 

 

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