• Coronakrise: Kaum Heimarbeit für Krisenmanager in der Regierung

Coronakrise : Kaum Heimarbeit für Krisenmanager in der Regierung

Ausgerechnet im Gesundheitsministerium müssen die Mitarbeiter trotz Corona vor Ort im Dienst sein - das liegt auch an unzureichender Technik.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).
Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).Foto: Soeren Stache/dpa

Potsdam - In Brandenburg ist in der Coronakrise ausgerechnet das Gesundheitsministerium, das die zentrale Rolle im Krisenmanagement der Landesregierung spielt, selbst am wenigsten geschützt. In dem Ressort, das die Brandenburger auf Sicherheitsabstand trimmt, etwa für die neue „Eindämmungsverordnung“ mit den landesweiten Einschränkungen zuständig ist, arbeiten von den rund zweihundert Mitarbeitern bisher nur wenige im Homeffice. Im Gegensatz zu vielen Behörden und Unternehmen ist im Gesundheitsministerium Heimarbeit bislang eine Ausnahme.

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) bestätigte und bedauerte gegenüber dieser Zeitung am Mittwoch diese aktuelle Situation in ihrem Haus. Und die lässt sich nach ihren Worten auch nicht kurzfristig einfach ändern, ohne wiederum das Corona-Krisenmanagement des Landes zu beeinträchtigen. „Das kann man beklagen oder bedauern. Das ist die Realität, mit der wir verantwortungsbewusst umgehen“, sagte Nonnemacher.

Es fehlt an technischen Möglichkeiten

Die Gründe? Zum einen fehlt es nach ihren Worten gerade in diesem Ministerium bisher an der Ausstattung, an den technischen Möglichkeiten für umfangreiche Heimarbeit. „Wir haben bestellt, wir hoffen, dass wir weiterkommen“, sagte Nonnemacher. „Aber das ist eine historische Altlast.“ Das Ministerium – von 2009 bis 2009 unter Linke-Führung – unterscheide sich da auch von anderen Ressorts. Zum anderen, so erläuterte sie, stehe das Ministerium natürlich gerade jetzt selbst „an vorderster Stelle“. Es sei etwa das Backoffice für den Krisenstab des Landes, müsse oft sofort reagieren – ob bei Bestellungen für Krankenhäuser oder Begleitung von Bundesmaßnahmen. „Es ist eine Gesundheitskrise“, sagte Nonnemacher. „Wir müssen extrem disponibel sein. Wenn alle im Homeoffice sind, ist das nicht so ohne Weiteres möglich!“ Mitarbeiter, die selbst zu Risikogruppen gehören, seien selbstverständlich in Heimarbeit.

Gleichwohl gibt es Unruhe im Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz (MSGIV), wie der offizielle Titel lautet. Es sei „unverständlich, warum das MSGIV die Vor-Ort-Präsenz und etwaige Zusammenkünfte, auch im kleinen Kreis, nicht auf das zwingend Notwendige beschränkt“, heißt es in einem den PNN vorliegenden Mitarbeiterbrief, mit dem der Personalrat Veränderungen anmahnt. „Viele Beschäftigte nehmen das als fehlende Fürsorge wahr, zumal immer mehr Behörden und Unternehmen für ihre Beschäftigten vorsorglich flächendeckend Homeoffice anzuordnen; dies gilt auch für andere Ressorts der Landesregierung.“

Nonnemacher wirbt um Verständnis

Der Personalrat unterstützt demnach zwar „ausdrücklich den Willen der Hausleitung, die Handlungs- und Arbeitsfähigkeit des MSGIV als federführendes Ressort in der aktuellen Krise zu gewährleistet.“ Gleichwohl folgt der Appell an die Hausspitze, dass für alle, „die nicht unbedingt vor Ort benötigt werden“, doch Homeoffice vorgesehen wird. Etwa durch „flexible Möglichkeiten“ für Mitarbeiter, „die bisher dafür keine Technik haben.“ Auch solle geprüft werden, „ob weitere Laptops ... bereitgestellt werden können.“

Nonnemacher wirbt um Verständnis. Sie hat sich in der vergangenen Woche mit dem Personalrat getroffen und zusammen mit den beiden Staatssekretären Michael Ranft – er leitet den Corona-Krisenstab Brandenburgs – und Anna Heyer Stuffer in einem Brief an die Belegschaft gewandt. „Dem MSGIV kommt eine große Verantwortung bei der Bewältigung dieser Krise zu. Unsere Aufgabe ist es, das Gesundheitssystem zu stärken, die Bevölkerung zu schützen und die gesundheitliche Versorgung einer Vielzahl erkrankter Menschen vorzubereiten“, heißt es dort. Man sei dabei auch in einem Lernprozess, „wie wir vor dem Hintergrund der besonderen Belastungssituation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in Krisenzeiten handlungsfähig bleiben können“, versichert die Hausspitze. „Wo erforderlich, werden wir nachsteuern.“

Und wie schützt sich das Gesundheitsministerium, damit es ohne Homeoffice nicht selbst womöglich lahmgelegt wird? „Wir beachten alle Hygieneregeln!“, sagte Nonnemacher. Beratungen fänden in größeren Räumen statt, in möglichst kleiner Besetzung, lockerer Sitzordnung, „mit Mindestabstand“.

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