• Corona und Kinder: Landtag debattiert über Impfungen für Kinder

Corona und Kinder : Landtag debattiert über Impfungen für Kinder

Brandenburgs Landespolitiker treffen sich am Dienstag zur Sondersitzung. Regierungschef Woidke fordert zuvor erneut eine klare Aussage der Impfkommission zu Kinderimpfungen.

Der brandenburgische Landtag kommt zu einer Sondersitzung zusammen.
Der brandenburgische Landtag kommt zu einer Sondersitzung zusammen.Foto: Andreas Klaer

Potsdam – Bei einer Sondersitzung am 10. August debattiert der Brandenburger Landtag über die umstrittenen Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche. Auf Antrag der AfD-Fraktion, die den Impfungen ablehnend gegenübersteht, befasst sich das Plenum mit dem am 2. August durch die Gesundheitsminister der Länder und des Bundes getroffenen Beschluss, Kindern ab zwölf Jahren und Jugendlichen ein niedrigschwelliges und flächendeckendes Impfangebot zu unterbreiten, wie die Landtagsverwaltung am Mittwoch mitteilte. Am 10. August findet auch die nächste Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Lage statt.

Woidke für größere Freiheiten für Geimpfte 

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erneuerte am Mittwoch seine Aufforderung an die Ständige Impfkommission (Stiko), eine Erklärung zur Corona-Impfung von Minderjährigen abzugeben. „Eine klare Meinungsäußerung halte ich für überfällig“, so Woidke, der sich zudem für größere Freiheiten für Geimpfte aussprach. Wer zu bequem sei, sich impfen zu lassen, für den werde der Aufwand etwa bei Restaurantbesuchen größer werden.
Die Stiko empfiehlt Impfungen von Kindern trotz politischen Drucks bisher nicht allgemein, sondern nur bei höherem Risiko für schwerere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes. Stiko-Chef Thomas Mertens sagte, er hoffe, die Kommission werde in einigen Tagen eine Neubewertung schaffen.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).Foto: Bernd Settnik/dpa

Kinder- und Jugendärzteverband für Impfungen

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Brandenburg drängt auf eine rasche Neubewertung der Stiko. „Millionen Jugendliche sind weltweit inzwischen geimpft. Die Datenlage müsste für eine Neubewertung reichen“, sagte der Vize-Vorsitzende des Landesverbandes und Chefarzt der Kinderklinik in Brandenburg/Havel, Hans Ekkehard Kössel, der Deutschen Presse-Agentur. Die Impfnebenwirkungen seien sehr gering. Kinder und Jugendliche bei einer Erkrankung aus dem sozialen Umfeld zu nehmen, gehe hingegen zulasten des Kindeswohls. 

Landeshausärzteverbandsvertreterin für Stiko-Haltung

Karin Harre vom Landeshausärzteverband plädierte dagegen dafür, sich an die derzeitige Stiko-Empfehlung zu halten und nur Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen zu impfen. „Schwere Verläufe bei Kindern sind zu gering. Die Erwachsenen sind die, die sich impfen lassen sollten.“ Neben dem Hausärzteverband riefen am Mittwoch auch die Landesärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung (KVBB) erneut dazu auf, sich impfen zu lassen. Einen wirksameren Schutz gegen Corona als die Impfung gebe es nicht, sagte der Präsident der Landesärztekammer, Frank-Ullrich Schulz. 

Bildungsministerin stellt Pläne für Corona-Schulstart vor

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) stellt am Donnerstag ihre Pläne für den Schulstart am Montag unter Corona-Bedingungen vor. Beschlossen ist, dass Schüler weiter zwei Mal pro Woche einen negativen Corona-Test vorlegen und in den ersten beiden Schulwochen zudem alle Schüler Masken tragen müssen. Auch die Lehrergewerkschaft GEW will sich heute äußern. Kritik am Vorgehen des Bildungsministeriums kam gestern von der CDU-Landtags- und Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig, die Direktkandidatin für die Bundestagswahl in Potsdam und Umgebung ist. Sie verstehe nicht, warum Ernst die vergangenen Monate nicht genutzt habe, um die Schulen für das neue Schuljahr corona-fit zu machen. „Stattdessen improvisieren wir in Brandenburg weiterhin, während in Berlin schon jedes zweite Klassenzimmer einen Luftfilter hat“, so Ludwig.
Die Ansteckungen mit dem Coronavirus nehmen unterdessen landesweit weiter zu. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 9,8, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte. In der Landeshauptstadt Potsdam stieg sie auf 16,1 – das ist der höchste Wert seit Anfang Juni. 

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