• Corona-Lage: Spree-Neiße ist Brandenburgs Risikogebiet Nummer eins

Corona-Lage : Spree-Neiße ist Brandenburgs Risikogebiet Nummer eins

Spree-Neiße liegt als erster Landkreis  in Brandenburg deutlich über dem Inzidenzwert von 200. Die Gründe dafür sind unklar. 

In Spree-Neiße wurden seit Beginn der Pandemie 722 Menschen positiv auf Corona getestet. 
In Spree-Neiße wurden seit Beginn der Pandemie 722 Menschen positiv auf Corona getestet. Foto: Andreas Gebert/Reuters

Forst/Potsdam - Brandenburgs Seuchenlandkreis liegt im Südosten des Landes. Im Januar war in Spree-Neiße der deutschlandweit erste bestätigte Fall von Vogelgrippe mit dem Erreger H5N8 in der Saison aufgetreten, im September brach dort die Schweinepest aus und nun das: Das ländliche Spree-Neiße mit rund 114 000 Einwohnern und nicht etwa eine Region mit regem Pendlerverkehr im S-Bahn-Bereich ist der erste Brandenburger Landkreis, der den Inzidenzwert von 200 Corona-Neuinfektion pro 100 000 Einwohnern innerhalb einer Woche überschritten hat. 
Am Donnerstag lag der Wert bei 240,9, wie die Kreisverwaltung in Forst angab, das Gesundheitsministerium in Potsdam verzeichnet – wohl wegen eines Meldeverzugs – sogar noch eine Inzidenz von 258,5. Brandenburgweit ist das so oder so der mit Abstand höchste Wert. Der Nachbarlandkreis Oberspreewald-Lausitz und die Stadt Cottbus, von Spree-Neiße umgeben, steuern jeweils auf die Marke 170 zu. 

Die meisten Fälle in Spremberg und Forst 

Eine mögliche Erklärung für die hohe Infektionsrate in der Lausitz liefert der von Harald Altekrüger (CDU) geführte Landkreis am Donnerstag auf Anfrage zunächst nicht – dafür aber eine Statistik über die Lage im Kreis. Demnach brachten 722 von insgesamt 8559 seit Beginn der Pandemie durchgeführten Corona-Tests ein positives Ergebnis. 85 der positiv auf das Virus getesteten Personen waren Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten. 
Heruntergebrochen auf die Kommunen führt die Stadt Spremberg mit 122 Sars-Cov2-Infizierten die Statistik an, dann folgt Forst – die Heimatstadt des selbst vor zweieinhalb Wochen positiv auf Corona getesteten Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) – mit 95 Fällen. Auffällig ist insgesamt: Im Landkreis sind vergleichsweise viele Einrichtungen betroffen: In elf Schulen, fünf Kitas und acht Pflegeheimen oder Pflegestellen traten Corona-Fälle auf. „Das Virus zirkuliert inzwischen überall und ist nicht auf spezifische Ausbruchsgeschehen beschränkt“, hatte Landrat Altekrüger vor einer Woche erklärt. Die vielen Neuinfektionen trotz der bereits geltenden Kontaktbeschränkungen zeigten: „Wir haben keine Sekunde zu früh gehandelt.“ 

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Nonnemacher sieht Parallelen

Auch Jüngere sind infiziert 

Auch die Altersverteilung hat der Landkreis ausgewertet. Dabei zeigt sich: Es sind mitnichten nur die älteren Jahrgänge betroffen. Die meisten positiven Tests – 168 – werden bei den 50- bis 59-Jährigen verzeichnet. Dann folgen die 30- bis 39-Jährigen mit 103 und die 60- bis 69-Jährigen mit 93 Fällen. 79 Personen im Alter zwischen 40 und 49 wurden positiv getestet. 59 sind es in der Altersgruppe zwischen 80 und 89. Sowohl bei Kindern bis neun, Jugendlichen bis 19 und jungen Erwachsenen bis 29 schlugen jeweils 52 Tests an. Bei den Hochbetagten ab 90 Jahren wurden neun Corona-Fälle gemeldet. Der Blick auf das Geschlecht zeigt: Mehr Frauen (393) als Männer (317) haben sich in Spree-Neiße mit dem Virus infiziert. Insgesamt acht Menschen starben bislang im Zusammenhang mit der Infektion. 

Inzidenzwert landesweit über 100 

Brandenburgweit ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus am Donnerstag laut dem Gesundheitsministerium um weitere 427 Fälle gestiegen, davon stammen 46 aus Spree-Neiße. Im gesamten Land liegt der Inzidenz-Wert nun bei 102,1 – also deutlich niedriger als rund um Forst. 

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