• CDU-Politiker Schönbohm für Lebensleistung geehrt: „Wer nicht anständig ist, kann nicht konservativ sein“

CDU-Politiker Schönbohm für Lebensleistung geehrt : „Wer nicht anständig ist, kann nicht konservativ sein“

Jörg Schönbohm, jetzt 80, hat als Innenminister und CDU-Vorsitzender Brandenburg verändert. Im Landtag wurde am Mittwoch seine Lebensleistung gewürdigt. Und Wolfgang Schäuble lüftete ein Geheimnis.

Soldat und Politiker. Jörg Schönbohm bei der Bundeswehr und auf einem CDU-Wahlplakat 1999 in Brandenburg.
Soldat und Politiker. Jörg Schönbohm bei der Bundeswehr und auf einem CDU-Wahlplakat 1999 in Brandenburg.

Potsdam - Das Land, das seine Heimat ist, hat er einmal so charakterisiert: „Brandenburg – Keine Fisimatenten!“ Kurz, präzise. Es dürfte zugleich kaum eine treffendere Beschreibung für ihn selbst geben: Am Mittwoch wurde Jörg Schönbohm, der gerade 80 Jahre alt wurde, im Potsdamer Landtag für seine Lebensleistung gewürdigt. Die CDU-Landtagsfraktion hatte zu einer Festveranstaltung geladen, um jenen Mann zu ehren, dessen Leben untrennbar mit der jüngeren deutsch-deutschen Geschichte verbunden ist: Er war Bundeswehrgeneral, Staatssekretär auf der Hardthöhe, Senator in Berlin, und er prägte vor allem von 1999 bis 2009 Brandenburgs Politik als Innenminister und CDU–Landesvorsitzender. Viele kamen in den Landtag, Weggefährten aus Politik und Bundeswehr, seine Familie. Bayerns früherer Ministerpräsident, Günther Beckstein, war etwa da oder auch Mecklenburgs Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

Die Laudatio hielt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der Schönbohm als Patrioten, Preußen und Konservativen „im besten Sinne“ bezeichnete. Vor allem aber sei Schönbohm „anständig“, sagte Schäuble, der dies einordnete in das, wofür Schönbohm steht, für einen „zeitgemäßen Konservatismus“: „Wer nicht anständig ist, kann nicht konservativ sein.“

Schäuble: „Du bist einer der Architekten der deutschen Einheit!“

Sein Meisterstück sei die Überführung der Nationalen Volksarmee in die Bundeswehr gewesen, sagte Schäuble. „Du bist einer der Architekten der deutschen Einheit!“ In Berlin habe sich Schönbohm – Gäste im Plenarsaal des Landtags waren auch Eberhard Diepgen und Klaus-Rüdiger Landowsky aus der Berliner Zeit – „einen Namen und Feinde unter Freunden rechtsfreier Räume“ gemacht, als er besetzte Häuser und Wagenburgen räumte. Dies sei immer noch aktuell. Es sei eine „hammerharte Zeit“ gewesen, erinnerte sich Schönbohm am Rande an diese Zeit.

Nach Brandenburg, wo er 1999 die zerstrittene CDU konsolidierte und in die Regierung führte, wäre Schönbohm als Politiker fast viel früher gekommen. Was bislang nur wenige wussten, machte Schäuble publik. Er habe Anfang der 90er-Jahre Helmut Kohl vorgeschlagen, dass Schönbohm, damals parteiloser General, in Brandenburg CDU-Spitzenkandidat wird. Aber Kohl habe das nicht gewollt. „Er konnte sich einen parteilosen General nicht als Spitzenkandidaten vorstellen.“

Positive Erinnerung an ZUsammenarbeit in der Brandenburger Regierung

Seine Verdienste für das Land stellte etwa CDU-Chef Ingo Senftleben heraus. „Sie haben Brandenburg geprägt!“ Und auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) tat das, in Vertretung eines anderen, eines Mannes, der Schönbohm aus den gemeinsamen Regierungsjahren in Brandenburg kennt und schätzt wie kaum einer sonst: Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), der unter den Gratulanten war, aber aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst reden konnte. „Sie haben Ihre Berufe, Ihre Verwendungen gelebt. Sie waren immer hundert Prozent dabei!“, sagte Woidke über Schönbohm. „Wenn Sie von der Richtigkeit einer Sache überzeugt waren, haben Sie dazu gestanden, auch wenn es schwierig wurde.“ Dies gelte etwa für die Gemeindereform, die Schönbohm damals gegen viele Widerstände durchgesetzt habe. Eine solche Geradlinigkeit, das Durchhaltevermögen, auch die Disziplin, wie sie für Schönbohm typisch seien, „brauchen wir auch für die Zukunft“. Schließlich solle sich niemand einreden lassen, dass es automatisch gut weitergehe, so Woidke. „Wir müssen uns auf schwierigere Zeiten vorbereiten.“ Eine Anspielung auf die Kreisreform, die er gerade selbst versucht, im Regierungshandwerk deutlich schlechter vorbereitet als damals Schönbohms Reform.

Ganz offen sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), als er Schönbohm gratulierte: „Gestatten Sie mir, dass ich gelegentlich aus Ihren damaligen Reden zitiere!“ Und an Senftleben gewandt, der daneben stand: „Nehmen Sie sich ein Vorbild an Ihrem früheren Innenminister! Er hat es vorgemacht!“ Freilich, Schönbohm hat schon im Vorfeld seine Parteifreunde in ihrem Kurs bestärkt.

Und der Jubilar des Tages? Er, der immer als „harter Hund“ galt, verfolgte die Reden gemeinsam mit seiner Frau Eveline sichtlich bewegt. Für die Familie hatte Sohn Arne dem Vater gedankt, der „immer da war, wenn er gebraucht wurde“. Man sei glücklich, dass er Schlaganfall, Hirntumor und Krebs überwunden habe, „dass Du wieder gesund und munter bist“. Was ihn an so einem Tag persönlich bewegt? „Ich habe Glück in meinem Leben gehabt.“