• Brandenburgs Unfallbilanz: So wenig Verletzte wie seit 1990 nicht

Brandenburgs Unfallbilanz : So wenig Verletzte wie seit 1990 nicht

Auch Zahl der Verkehrstoten ist im Vorjahr gesunken. Wegen des Corona-Effekts ist das jedoch „kein Grund zur Entwarnung“.

Zwei gelbe Engel und das Maskottchen „ZeBra“ begleiteten die Verkündung der Unfallzahlen. 
Zwei gelbe Engel und das Maskottchen „ZeBra“ begleiteten die Verkündung der Unfallzahlen. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - In Brandenburg verunglückten 2021 weniger Menschen bei Verkehrsunfällen als im Jahr zuvor. So sank die Zahl der Verletzten um 135 auf 10 026 Menschen und damit auf den niedrigsten Wert seit Gründung des Landes. Auch die Zahl der Unfalltoten sank: 2021 kamen 127 Menschen kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Das waren 13 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Verkehrsunfälle erhöhte sich im vergangenen Jahr allerdings geringfügig: Sie stieg um 411 auf 72 304 Verkehrsunfälle. Das geht aus der vorläufigen Verkehrsunfallbilanz hervor, die das Brandenburger Innenministerium und das Infrastrukturministerium am Montag in Potsdam veröffentlichten.

„Seit Bestehen des Landes Brandenburg gab es noch nie so wenige Verletzte bei Verkehrsunfällen wie im vergangenen Jahr“, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU). „Daher bestimmen erneut weniger Verletzte und erfreulicherweise auch wieder weniger Tote die Verkehrsunfallbilanz 2021.“ Die insgesamt positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen: Corona hat auch im vergangenen Jahr die Entwicklung auf Brandenburgs Straßen stark beeinflusst. 

Stübgen: "Jeder Verkehrsunfall ist ein Unfall zu viel"

Denn ohne Lockdown, Homeoffice und Onlineunterricht wären wohl mehr Verkehrsteilnehmer auf den Straßen gewesen – und es hätte möglicherweise auch mehr Unfallopfer gegeben. „Es gibt also keinen Grund zur Entwarnung“, sagte der Präsident der Landesverkehrswacht, der Landtagsabgeordnete Jörg Vogelsänger (SPD). „Jeder Verkehrsunfall ist ein Unfall zu viel, jeder Verletzte ist einer zu viel und jeder Verkehrstote ist einer zu viel“, sagte Stübgen.

Doch das Land engagiert sich auch seit 25 Jahren für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Weswegen Stübgen, Verkehrsminister Guido Beermann und Polizeipräsident Oliver Steppien die Unfallzahlen nicht wie üblich auf einer Pressekonferenz bekanntgaben – sondern im Potsdamer Hauptbahnhof, begleitet von einem als Zebra verkleideten Schauspieler und zwei gelb gewandeten Engeln in gelben Warnwesten. 

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Sie sind Akteure der Verkehrssicherheitskampagne „Lieber sicher, lieber Leben“, die in diesem Jahr ihr Jubiläum begeht: Das Zebra tritt an Grundschulen in Theaterstücken auf, die Engel finden sich abends in den Diskotheken des Landes ein, wo sie vor Alkohol im Straßenverkehr warnen. „Wir haben mittlerweile die am längsten laufende Verkehrssicherheitskampagne eines Bundeslandes“, sagte Beermann. „Manche Brandenburger, die das Zebra-Theater in ihrer Grundschulzeit an der Schule erlebt haben, haben heute den Führerschein.“ Und tatsächlich habe sich die Verkehrssicherheit in der Zwischenzeit deutlich verbessert: „Noch in den 1990er Jahren hatten wir sieben Mal so viele Tote wie heute“, sagte Beermann.

Deutlich mehr Lkw-Unfälle

Vernünftig freilich verhalten sich auch heute noch längst nicht alle Verkehrsteilnehmer: Hauptursachen für die Verkehrsunfälle blieben „Raserei, Unachtsamkeit und Rücksichtslosigkeit, gepaart mit einer Überschätzung der eigenen fahrerischen Fähigkeiten“, sagte Polizeipräsident Oliver Steppien am Montag. Die häufigste Unfallursache ist demnach das Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes mit 6 959 Unfällen, gefolgt von überhöhter Geschwindigkeit mit 5 332 Unfällen und einer Missachtung der Vorfahrtsregeln mit 4 362 Unfällen. Und fast jeder zweite Verkehrsunfalltote kam 2021 wegen überhöhter Geschwindigkeit ums Leben.

Deutlich zugenommen hat die Zahl der Lkw-Unfälle: Die Zahl der Kollisionen mit Beteiligung eines Lkw stieg von 10 786 im Jahr 2020 auf 11 439 im Jahr 2021. Dabei ereignete sich mehr als jeder zweite Verkehrsunfall auf einer Bundesautobahn in Brandenburg mit Beteiligung eines Lkw. Dabei kamen den Angaben zufolge 15 Menschen ums Leben: Damit sind der Statistik zufolge 79 Prozent der Getöteten auf Bundesautobahnen durch Lkw-Unfälle zu verzeichnen – was angesichts des durch Brandenburg gehenden, immer stärker werdenden Transitverkehrs wohl ein dauerhaftes Problem im Land bleiben wird. 

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