• Brandenburg: Viele Pflegebedürftige auf Sozialleistungen angewiesen

Brandenburg : Viele Pflegebedürftige auf Sozialleistungen angewiesen

In Brandenburg reicht bei vielen Pflegebedürftigen das Geld nicht für die Bezahlung der Pflegeleistungen, wie aktuelle Zahlen des Sozialministeriums zeigen. 

Im Alter reicht bei vielen das Geld nicht fürs Pflegeheim. 
Im Alter reicht bei vielen das Geld nicht fürs Pflegeheim. Foto: Holger Hollemann/dpa

Potsdam -In Brandenburg steigt die Zahl der Pflegebedürftigen – und mit ihr auch die Zahl derjenigen, die sich eine Versorgung im Heim nicht aus eigener Tasche leisten können und auf Sozialleistungen angewiesen sind. Denn die soziale Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Kosten ab, Betroffene müssen einen Eigenanteil leisten. Im Jahr 2018 bezogen 7261 Menschen in Brandenburg die sogenannte „Hilfe zur Pflege“, also eine finanzielle Unterstützung für Pflegebedürftige. Bei 34 weiteren Personen war das Verfahren zur Feststellung des Pflegegrades noch nicht abgeschlossen. Das geht aus einer aktuellen Antwort von Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Tina Fischer hervor. 

Regionale Unterschiede 

Im Jahr 2017 waren es nur 6339 Leistungsbezieher, 2016 aber 7644. Der signifikante Rückgang zwischen den Jahren 2016 und 2017 erkläre sich vor allem durch Änderungen des Pflegestärkungsgesetzes, wodurch andere Einstufungskriterien festgesetzt wurden. Blickt man in der Statistik weiter zurück, sieht man aber eine Entwicklung: Im Jahr 2009, dem ersten, das in der Ministeriumsantwort aufgeführt wird, bezogen 6769 Brandenburger „Hilfe zur Pflege“, also fast 500 weniger als 2018.
Regional gibt es in Brandenburg deutliche Unterschiede. Die meisten bedürftigen Pflegebedürftigen lebten 2018 in Märkisch-Oderland (655). In absoluten Zahlen war der Bedarf an finanzieller Unterstützung in der Prignitz am geringsten, dort bezogen nur 284 die Sozialleistung. Da Gesamtzahlen der Pflegebedürftigen für 2018 noch nicht vorliegen, lassen sich diese Zahlen nicht ins Verhältnis setzen. Legt man die Zahlen für 2017 zugrunde, stellt man fest: Märkisch-Oderland ist nicht der Landkreis mit den meisten Pflegebedürftigen und die Prignitz nicht derjenige mit der niedrigsten Anzahl Gepflegter. Das heißt, die Wirtschaftskraft einer Region scheint auch beim Bedarf für „Hilfe zur Pflege“ eine Rolle zu spielen. Denn um Anspruch auf die Unterstützung zu haben, darf nicht nur der Pflegebedürftige selbst über kein ausreichendes Einkommen oder Vermögen verfügen – auch Verwandte in direkter Linie müssen mittellos sein. 
In der Landeshauptstadt Potsdam traf das 2018 auf 545 Menschen zu, bei einer Zahl von 6565 Pflegebedürftigen 2017. Unter den vier kreisfreien Städten in Brandenburg hat Potsdam damit die mit Abstand größte Anzahl an Pflegebedürftiger als auch an Beziehern von „Hilfe zur Pflege“. Wie hoch der Satz ist, den Betroffene erhalten, lässt sich nicht genau beziffern. Denn die Hilfe kann in ganz unterschiedlicher Art und Weise gewährleistet werden. So können beispielsweise die Kosten für Sachmittel oder nötige Umbauten wie der Einbau eines Treppenlifts oder einer Dusche übernommen werden. Es kann aber auch ein Pflegegeld gezahlt werden. Im Jahr 2017 wurden bundesweit für die „Hilfe zur Pflege“ etwa 3,9 Milliarden Euro ausgegeben, dies entspricht etwa 15 Prozent der Sozialhilfeausgaben. 

Der Eigenanteil erhöht sich 

Für Pflegebedürftige in Brandenburg wird sich der Eigenanteil für eine Heimunterbringung im neuen Jahr erhöhen. Denn wie berichtet stellt auch Brandenburg die Ausbildung von Pflegekräften um. Die bisherige Aufteilung in Alten-, Kinderkranken- und Krankenpflege wird nach Bundesvorgaben aufgehoben. Künftig werden Pfleger zu Generalisten ausgebildet, um die Attraktivität des Pflegeberufs zu erhöhen. Aber: Die Umstellung der Ausbildung kostet, Pflegebedürftige werden über die Beiträge zur Pflegeversicherung an den Ausbildungskosten beteiligt. Wie viel der Einzelne künftig zusätzlich zahlen muss, konnte das Sozialministerium noch nicht beziffern. An der neuen Ausbildung führt aber nicht nur wegen der Vorgaben vom Bund kein Weg vorbei. „Wir können es uns nicht leisten, die Fachkräfte zu verlieren“, hatte Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) erklärt.
Denn 2017 waren bereits rund 132400 Brandenburger pflegebedürftig. Prognosen zufolge werden im Jahr 2030 bereits 166000 Menschen in Brandenburg fremde Hilfe brauchen. Dementsprechend dürfte auch der Anteil derjenigen weiter steigen, die sich die Hilfe nicht alleine leisten können und auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.

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