• Brandenburg: Autobahnen sollen für Rettungskräfte sicherer werden

Brandenburg : Autobahnen sollen für Rettungskräfte sicherer werden

Der Unfalltod von zwei Feuerwehrleuten auf der A2 und der Prozess dazu haben viele Brandenburger bewegt. Nun prüft das Land, wie solche tragischen Unfälle vermieden werden können.

Unfälle, bei denen Laster beteiligt sind, wie hier auf der A10 bei Ludwigsfelde, machen Brandenburgs Feuerwehren zunehmend zu schaffen.
Unfälle, bei denen Laster beteiligt sind, wie hier auf der A10 bei Ludwigsfelde, machen Brandenburgs Feuerwehren zunehmend zu...Foto: J. Stähle/dpa

Potsdam - Tagtäglich rollen riesige Laster mit ihrer tonnenschweren Fracht durch das Transitland Brandenburg. Immer häufiger kracht es auf den Autobahnen, immer öfter werden Feuerwehrleute zum Einsatz gerufen und geraten dabei an ihr Limit – oder sogar in Lebensgefahr. Der Unfalltod von zwei Feuerwehrleuten 2017 beim Einsatz auf der A2 und der anschließende Prozess vergangenen Dezember haben Brandenburg bewegt – auch zum Nachdenken über die Gefahren, denen sich freiwillige Helfer aussetzen. 

Das Land prüft nun, ob und welche Konsequenzen aus dem tragischen Unfall bei Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) gezogen und ob Vorgaben für Unfallstellen geändert werden müssen, erklärte der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker, auf PNN-Anfrage.

"Wir dürfen nichts unversucht lassen, um Unfälle zu verhindern"

Die interministerielle AG Autobahn diskutiere nach dem inzwischen vorliegenden Dekra-Gutachten zum Unfallhergang, ob der sogenannte Autobahnerlass, der die Rechte und Pflichten auf Schnellstraßen regelt, geändert werden sollte, um künftig ähnliche Gefahrenlagen wie auf der A2 zu entschärfen. „Natürlich gibt es Situationen, die man nicht verhindern kann, aber wir dürfen nichts unversucht lassen, um Unfälle zu verhindern“, so Decker. 

Diskutiert wird beispielsweise, ob Unfallstellen noch auffälliger gesichert werden und der Absperrbereich weiter ausgedehnt werden muss. Auch eine größere und besser sichtbare Heckbeschriftung von Einsatzfahrzeugen könne eventuell zu mehr Sicherheit beitragen. 

Lkw-Fahrer war am Steuer eingeschlafen

Im Falle des tödlichen Crashs bei Kloster Lehnin hätten diese Maßnahmen vermutlich wenig genutzt. Ein 57 Jahre alter Lkw-Fahrer war am Steuer eingeschlafen, bemerkte die hell erleuchtete, laut Zeugen weithin sichtbare Unfallstelle nicht und raste ungebremst hinein. Freiwillige Feuerwehrleute waren gerade dabei, dem Opfer des ersten Unfalls auf der Autobahn zu helfen, als der Lkw ihr Einsatzfahrzeug touchierte. Dieses kippte um und begrub die beiden jungen Männer unter sich.

Dass die Einsätze immer gefährlicher werden, Helfer mit Angst auf die Autobahn fahren, haben Feuerwehrleute am Rande der Verhandlung in Brandenburg/Havel, bei der der 57 Jahre alter Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung der beiden Einsatzkräfte vor Gericht stand, eindrücklich geschildert. „Ich weiß, was auf den Autobahnen los ist“, hatte der ehemalige Wehrführer von Kloster Lehnin, Klaus Schulz, erklärt, der 50 Jahre im Feuerwehrdienst war. Da werde gedrängelt, gerast, die Feuerwehr nicht respektiert.

Mehr Schwerlastverkehr, mehr Bauvorhaben

Die Einschätzung der Helfer bestätigt auch das Verkehrsministerium. „Die Einsatzbewältigung auf den Bundesautobahnen durch Feuerwehren gilt als einer der Gefahrenschwerpunkte im Land Brandenburg“, heißt es in einer aktuellen Antwort auf eine Anfrage der CDU-Fraktion. Insbesondere der zunehmende Schwerlastverkehr und die Vielzahl „komplexer Bauvorhaben“ hätten die Zahl der Einsätze für die Feuerwehren steigen lassen. Im Durchschnitt nehme der Schwerlastverkehr seit 2010 jährlich um 3,4 Prozent zu – bei einem Wachstum des Gesamtverkehrs von 2,4 Prozent pro Jahr.

Hinzu kommt eine neue Problematik: In Brandenburg gibt es nicht genug Bergungs- und Abschleppunternehmen, um die Helfer der Feuerwehr zügig unterstützen zu können. Beim letzten Vergabeverfahren für die Autobahn-Aufträge durch das Polizeipräsidium sei deutlich geworden, „dass im ländlichen Raum immer weniger Unternehmen vorhanden sind“. Zu elf der 146 Fach- und Regionallose sei keine Bewerbung abgegeben worden, so dass der Zuschlag im Rahmen der freihändigen Vergabe erteilt werden musste – mit Senkung der Anforderungen. Heißt im Klartext: Die vorgegebene Eintreffzeit am Einsatzort wurde erhöht. Wie lange die Bergungsfirmen nun zum Unfall brauchen und welche Regionen besonders betroffen sind, konnten Infrastruktur- und Innenministerium am Donnerstag zunächst nicht beantworten.

25 Todesopfer auf der A2 seit 2010

Um für den Einsatz auf der Autobahn besser gerüstet zu sein, können Feuerwehren beim Kauf spezieller Ausrüstung unterstützt werden, heißt es in der Antwort der Landesregierung. Auch bei der Aus- und Fortbildung an der Landesfeuerwehrschule werde die Problematik von Autobahneinsätzen berücksichtigt. 

Dass das dringend nötig ist, zeigen die Zahlen: 2017 krachte es 8311 Mal auf Brandenburgs Autobahnen, 23 Menschen wurden dabei getötet, 386 schwer verletzt. Für das Vorjahr liegen die Zahlen noch nicht komplett vor. Bis Oktober 2018 gab es 6620 Autobahnunfälle und 20 Unfalltote. 

Allein auf der A 10, dem Berliner Ring, kamen von 2010 bis Oktober 2018 insgesamt 84 Menschen ums Leben, auf der A12 Richtung Polen 36. „Das ist keine Autobahn wie jede andere“, so Ingo Decker. „Die A 12 hat es in sich.“ Aber auch die A2, auf der die beiden Feuerwehrleute starben, sei eine gefährliche Piste. In den vergangenen acht Jahren waren dort 25 Todesopfer zu beklagen.