Bildung : Brandenburg bildet deutlich mehr Lehrer aus

Die Zahl der Studienplätze für Pädagogen an der Universität Potsdam soll von jährlich 650 auf 1000 steigen. Doch es gibt Kritik von den Dozenten.

Ausbildungsoffensive gegen Lehrermangel in Brandenburg.
Ausbildungsoffensive gegen Lehrermangel in Brandenburg.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Potsdam - Das Land Brandenburg startet eine Ausbildungsoffensive gegen Lehrermangel. An der Universität Potsdam, der einzigen Ausbildungsstätte für Lehrer im Land, soll die Zahl der Lehramtsstudienplätze bis 2020 von derzeit 650 auf 1000 pro Jahr ausgebaut worden, wie Bildungsministerin Britta Ernst und die Chefin des Wissenschaftsressorts, Martina Münch (beide SPD), am Montag mitteilten. Mit den Fächern Förderpädagogik und Kunst werden zudem zwei neue Studiengänge für Pädagogen eingerichtet beziehungsweise wieder nach Potsdam geholt. Die Kunstlehrerausbildung war vor einigen Jahren nach Berlin abgegeben worden.

Derzeit kann Brandenburg den Unterricht in allen Regionen und Fächern nur abdecken, weil viele Seiteneinsteiger ohne Lehramtsabschluss eingesetzt werden. Aktuell hat jeder zehnte Lehrer in Brandenburg eigentlich einen anderen Beruf erlernt.

„Wir wollen die Qualität von Bildung weiter verbessern“, so Bildungsministerin Ernst. Mit dem Ausbau der Studienplätze habe Brandenburg nun auch im Wettbewerb mit anderen Bundesländern um die besten Lehrkräfte langfristig gute Perspektiven, aus eigener Kraft den Bedarf an den Schulen zu decken. Besonders in Naturwissenschaften werden dringend ausgebildete Lehrer gebraucht.

1000 Vollzeitlehrerstellen zu besetzen

Nach Zeiten des Lehrerüberhangs in den 1990er Jahren, die unter anderem mit Teilzeitverbeamtungen überbrückt wurden, habe sich die Situation inzwischen komplett gedreht, sagte Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD), die von 2011 bis 2014 Bildungsministerin in Brandenburg war. Für das kommende Schuljahr benötigt Brandenburg nach einer Modellrechnung rund 1000 Vollzeitlehrerstellen, um der Zunahme an Schülern gerecht zu werden und das Ausscheiden älterer Lehrer zu kompensieren. Bis 2023 erhöht sich der Einstellungsbedarf noch einmal auf bis zu 1250 Stellen, erst danach werden pro Jahr nur noch etwa 700 Lehrerstellen zu besetzen sein, so die Prognose.

Zunächst sollen nun im kommenden Wintersemester 150 neue Studienplätze für das Lehramt angeboten werden, im Jahr darauf sollen 200 weitere Plätze folgen.

Der Aufwuchs bei den Studienplätzen komme viel zu spät, kritisiert die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Marie Luise von Halem. „Der Bedarf an neuen Lehrkräften ist nicht vom Himmel gefallen. Darauf haben wir schon vor Jahren immer wieder hingewiesen“, betonte sie. Frühestens in sechs Jahren, wenn der Bedarf schon wieder zurückgeht, kämen die ersten neuen Absolventen in die Schulen.

Um schon aktuell mehr Studenten in die Klassenzimmer zu bekommen, will die Universität Potsdam die Zahl der Studienabbrecher reduzieren, wie der Vizepräsident für Lehre und Studium, Andreas Musil, erklärte. Lehramtsstudenten sollen besser begleitet und beraten werden und auf sie zugeschnittene Kurse angeboten bekommen, so dass sie etwa in Naturwissenschaften nicht das Programm von Physik- oder Mathematikstudenten absolvieren müssen. Derzeit beenden 35 Prozent der angehenden Lehrer ihre Ausbildung an der Uni nicht, so Musil. „Da können wir mehr tun.“ Flankiert wird der Ausbau des Lehramtsstudiums mit 20 zusätzlichen Professoren und mehr als 100 wissenschaftlichen Mitarbeitern. Am Unistandort Golm wird zudem der Bau eines neuen Zentrums für Lehrerbildung geplant, für den das Land 44 Millionen Euro bereitstellt.

Onlinepetition gestartet

Dozenten der Universität Potsdam sehen den Aufbau des Lehramtsstudiums kritisch. Sie befürchten, dass sie künftig mehr lehren müssen und weniger Zeit für die Seminarvorbereitung bleibt. Bei der Plattform „Openpetition“ wurde eine Petition mit dem Titel „Bildung ist keine Massenware“ gestartet, die seit Anfang Februar bereits mehr als 1380 Unterstützer gefunden hat, und auf das Problem aufmerksam machen will.