• Bessere Chancen auf Opferrente: Heimkinder aus der DDR rehabilitiert

Bessere Chancen auf Opferrente : Heimkinder aus der DDR rehabilitiert

Erst 30 Jahre nach dem Mauerfall sind die Insassen des Kindergefängnisses Bad Freienwalde rehabilitiert worden. Nun können sie nach vorn blicken. 

Silke Nauschütz dpa
Vor fünf Jahren demonstrierten ehemalige DDR-Heimkinder vor der Potsdamer Staatskanzlei. 
Vor fünf Jahren demonstrierten ehemalige DDR-Heimkinder vor der Potsdamer Staatskanzlei. Foto: Manfred Thomas

Bad Freienwalde - Ehemalige Insassen des sogenannten DDR-Kindergefängnisses in Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) sind nach jahrelangem Rechtsstreit vom zuständigen Landgericht Frankfurt (Oder) rehabilitiert worden. Das Gericht habe in Rehabilitationsverfahren Grundentscheidungen getroffen, sagte ein Sprecher. Diese seien Ausgangspunkt für weitere mögliche Verfahren — wenn es etwa um Haftentschädigung und Opferrente gehe.

Zuvor hatte der Verein „Kindergefängnis Bad Freienwalde“ die Entscheidung des Gerichts mitgeteilt. „Wir sind alle überglücklich, dass unsere Unterbringung im Kindergefängnis jetzt endlich als Unrecht anerkannt wird“, sagte Betroffenensprecher Roland Herrmann. Derzeit meldeten sich Woche für Woche Betroffene.

Nach der Wende hat solche Fälle niemand interessiert

Herrmann fand allerdings auch kritische Worte. 30 Jahre seien seit dem Mauerfall vergangen, bis „wir endlich rehabilitiert wurden“ sagte er. Den Grund für die jahrelange Verfahrensdauer sieht Herrmann bei den Behörden. „Die Richter wollten die alte DDR-Vergangenheit schützen“, mutmaßte er. Vereinsmitglied Brigitte Schreiber sieht den Grund auch in der Aufarbeitungspolitik. Nach der Wende hätten solche Fälle niemanden interessiert, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Die Gesellschaft brauchte ein Stückchen Zeit, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

Das frühere Gefängnis in Bad Freienwalde wurde von 1968 an von der Jugendhilfe Frankfurt (Oder) genutzt, die es unter Beibehaltung des Gefängnischarakters zum Durchgangsheim umfunktionierte. Darin sollten nach Angaben des Vereins Kinder und Jugendliche, die auf einen Heimplatz warteten, für maximal 18 Tage untergebracht werden. Dieser Zeitraum wurde jedoch nur selten eingehalten. Viele Insassen waren unter unmenschlichen Bedingungen länger als ein halbes Jahr dort eingesperrt. Laut Verein gab es keinen Kontakt zur Außenwelt. Das jüngste dort untergebrachte Kind war demnach drei Jahre alt. Silke Nauschütz 

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.