• Aufarbeitungsbeauftragte: Auch kritische Worte nach Stolpes Tod

Aufarbeitungsbeauftragte : Auch kritische Worte nach Stolpes Tod

In ihrem Nachruf würdigt Maria Nooke Brandenburgs ehemaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe, kritisiert ihn aber auch für seine Stasi-Kontakte.

Oliver von Riegen dpa
Brandenburgs ehemaliger SPD-Ministerpräsident Manfred Stolpe. 
Brandenburgs ehemaliger SPD-Ministerpräsident Manfred Stolpe. Foto: Julian Stähle/dpa

Potsdam - Die Brandenburger Beauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, hat die Arbeit des verstorbenen früheren Ministerpräsidenten Manfred Stolpe gewürdigt, aber auch deutliche Kritik geübt. Stolpe habe die Entwicklung des Landes maßgeblich geprägt und sei von vielen vor und nach 1989 als Vertreter ihrer Interessen wahrgenommen worden, erklärte Nooke am Freitag. „Seine umstrittenen Kontakte zum Staatssicherheitsdienst der DDR und sein Umgang nach 1989 mit seiner Verstrickung als Kirchenfunktionär in den Macht- und Sicherheitsapparat der Diktatur haben jedoch die Aufarbeitung der Geschichte und der Folgen der SED-Diktatur im Land Brandenburg verzögert.“ Nooke sprach in ihrem Nachruf von einer späten Einrichtung einer Aufarbeitungsbehörde, einer anfangs nur geringen Unterstützung für Opferverbände und Aufarbeitungsinitiativen sowie für diejenigen, die in der sowjetischen Besatzungszone oder in der DDR hätten Unrecht erleben müssen.

Als Kirchenfunktionär Kontakte zur Stasi

Stolpe war in der Nacht zum vergangenen Sonntag im Alter von 83 Jahren gestorben, zuvor hatte er über Jahre hinweg gegen eine Krebserkrankung gekämpft. Er war der erste Ministerpräsident Brandenburgs im wiedervereinten Deutschland – von 1990 bis 2002. Danach wurde er Bundesverkehrsminister, was er bis 2005 blieb. In den 1980er Jahren war Stolpe Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Als Kirchenfunktionär hatte er Kontakte mit der Stasi. Die Leitung der evangelischen Kirche erklärte Mitte der 1990er Jahre nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen. Das Bundesverfassungsgericht entschied 2005, dass er nicht als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen sei.

Beisetzung in Bornstedt

Stolpe soll nach Angaben der Staatskanzlei auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam beigesetzt werden – ausschließlich im familiären Umfeld. Ein Termin für die Trauerfeier stand zunächst noch nicht fest, sie soll voraussichtlich nicht mehr in der kommenden Woche stattfinden. Die Beileidsbekundungen für den früheren Regierungschef halten an.

Zahlreiche Politiker und Bürger – darunter auch viele Weggefährten von Stolpe – trugen sich bisher ins Kondolenzbuch in der Potsdamer Staatskanzlei an der Heinrich-Mann-Allee ein. Da ist zum Beispiel vom Landesvater die Rede und vom „Wir-Gefühl“, für das der Verstorbene zu Lebzeiten gesorgt habe. Das Kondolenzbuch soll noch bis Ende nächster Woche ausliegen und später an die Familie Stolpes gehen. 

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