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Hunderte Touristen suchen Abkühlung an der Ostsee auf der Insel Usedom.

© dpa/Stefan Sauer

Trinken Berliner bald Ostsee-Wasser? : Länder geben Studie zu entsalztem Trinkwasser in Auftrag

Was tun gegen einen Wasser-Engpass? Neuland wäre der Transport entsalzten Trinkwassers aus der Ostsee. Berlin und Brandenburg geben dazu nun eine Studie in Auftrag.

Angesichts drohender Wasserprobleme lassen Berlin und Brandenburg nun die Möglichkeit untersuchen, Wasser aus der Ostsee zur Trinkwasserversorgung in den Großraum Berlin zu pumpen. Die beiden Länder geben in diesem Jahr eine Machbarkeitsstudie dazu in Auftrag, wie Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam sagte. „Das Gutachten soll die Voraussetzungen klären, unter denen es ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein kann, Ostseewasser zu entsalzen und in den Berliner Raum zu transportieren.“

Auch in Baden-Württemberg etwa lege Wasser aus dem Bodensee bis in den Norden des Bundeslandes um die 400 Kilometer in Rohrleitungen zurück. „Berlin ist immer darauf angewiesen, dass Wasser zusätzlich herangeführt wird, da die Grundwasserneubildung unter seinem Territorium für eine Versorgung der wachsenden Metropole nicht ausreicht“, sagte Vogel. Das Gutachten zum Ostsee-Wasser solle noch in diesem Jahr vergeben werden.

Aufgrund der sinkenden Grundwasserstände werden wir Wasserprobleme bekommen, wenn wir nichts unternehmen.

Brandenburger Umweltminister Axel Vogel (Bündnis 90/Grüne)

„Trinkwasser aus der Ostsee wäre Neuland und auch mit Problemen verbunden. Jede Entsalzung ist mit einem hohen Energieaufwand verbunden. Und selbstverständlich muss am Ende auch Mecklenburg-Vorpommern mitgehen, schließlich gehört die Ostseeküste weder zu Brandenburg noch zu Berlin“, so Vogel. „Aufgrund der sinkenden Grundwasserstände werden wir Wasserprobleme bekommen, wenn wir nichts unternehmen.“

Wasser aus der Elbe in die Spree zu leiten oder den deutsch-polnischen Grenzfluss Oder für die Berliner Wasserversorgung anzuzapfen, halte er für schwierig. Die Oder habe in der Hälfte des Jahres ohnehin Niedrigwasser, sagte der Minister.

Umweltbundesamt schlägt Talsperren, Wasserspeicher und Wasserüberleitungen vor

Einer Studie des Umweltbundesamtes zufolge drohen der Trinkwasserversorgung im Großraum Berlin und entlang der Spree große Engpässe. Der Fluss könnte in trockenen Sommermonaten örtlich bis zu 75 Prozent weniger Wasser führen, wenn mit Ende der Braunkohleförderung weniger Grundwasser in den Fluss gepumpt wird. Die Studie schlägt als Lösung unter anderem vor, Talsperren und Wasserspeicher zu ertüchtigen und bestehende Seen als Wasserspeicher auszubauen.

Empfohlen wird zudem, die Deckung der Wasserdefizite mit Wasserüberleitungen aus benachbarten Flussgebieten wie Elbe, Lausitzer Neiße und Oder abzusichern. Der Großteil des Trinkwassers für Berlin wird als Uferfiltrat aus den Flüssen Havel und Spree gewonnen.

Die bisherigen Niederschläge in diesem Sommer und im Winter davor reichen aus Sicht Vogels nicht aus, um das Grundwasserdefizit der vergangenen fünf Jahre wettzumachen. „Das Defizit ist überhaupt nicht ausgeglichen. Es wird auch am Ende des Jahres weiter fortbestehen. Das ist natürlich eine ganz bedrohliche Situation für die Brandenburger Wälder, insbesondere in Südbrandenburg, wo es besonders viele ausgedehnte Kiefernwälder auf trockenen Standorten gibt“, so der Minister. „Gut wäre jetzt ein feuchter und milder Winter vor allem für die Grundwasserneubildung, da fallende Grundwasserstände bereits jetzt Probleme aufwerfen.“ (dpa)

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