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  • 02.03.2015
  • von Stefan Engelbrecht

Fluktuation in der Brandenburger Straße : Hohe Mieten belasten Einzelhändler

von Stefan Engelbrecht

Shoppen bei Sonnenschein. In der Brandenburger Straße und den Seitenstraßen reihen sich die Geschäfte aneinander. Doch die steigenden Mieten zwingen Händler häufig dazu, ihren Laden aufzugeben. Foto: Manfred Thomas

Einzelhändler in der Brandenburger Straße in Potsdam klagen über ihre Situation: Viele Mietverträge laufen bald ab, Quadratmeterpreise steigen immens – nun soll die Stadt eingreifen.

Potsdam – Wer in den vergangenen Tagen nachmittags durch die Brandenburger Straße lief, konnte die ersten Vorboten des Frühlings erkennen. Überall saßen Menschen vor den Cafés und genossen freie Minuten in der Mittagspause. Doch immer häufiger klagen Einzelhändler der Brandenburger Straße und ihrer Nebenstraßen über die steigenden Mietpreise in der Stadt. In zum Teil drastischen Maße haben sich in den vergangenen Jahren die Gewerbemieten erhöht.

Nicht selten sind Schließungen die Folge. So schließt demnächst das Blumengeschäft Kortyka. Am Samstag hatte auch der Juwelier Herrendorf seinen letzten Tag des Räumungsverkaufs.

Hohe Fluktuation von Geschäften sei nicht ungewöhnlich

Die hohen Gewerbemieten entwickelten sich zu einem Problem, sagte die Präsidentin des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Karin Genrich, den PNN. Viele Investoren und Privatbesitzer würden versuchen, „den höchstmöglichen Mietpreis aufzurufen“, fügte sie hinzu. Dies sei ein Grund für die häufigen Geschäftsschließungen in den vergangenen Monaten. Den Eigentümern sei es dann egal, wer anschließend den Laden übernehme, Hauptsache die Miete werde gezahlt, betonte Genrich, die auch in der AG Innenstadt aktiv ist. „Bitte richtet die Stadt nicht zugrunde“, so lautet ihr Aufruf an die Immobilienbesitzer.

Die hohe Fluktuation in der Shoppingmeile beobachtet auch die Stadt Potsdam. Dies sei nicht ungewöhnlich, sagte der Bereichsleiter Wirtschaftsförderung, Stefan Frerichs. „Das ist auch Ausdruck des Erfolges und Fluch und Segen zugleich“, fügte er hinzu. Er räumte ein, dass manche private Investoren vor allem die Rendite im Blick hätten. Die Befürchtung, der Ausbau der Zentren könnte zusätzlich die Existenz mancher Läden bedrohen, teilt er nicht. Er glaube, dass „Bahnhofspassage, Stern-Center und Brandenburger Straße nebeneinander existieren können“.

Genrich zufolge stimmt aber die Mischung nicht mehr. Es gebe zu viele Bäcker oder Billigläden, sagte sie. Zudem hätten sich auch zahlreiche Imbissläden dort angesiedelt. Sie rief die Stadt Potsdam dazu auf, hier gemeinsam mit den Einzelhändlern und den Investoren das Gespräch zu suchen und Wege auszuloten, die Mieten nicht noch weiter ansteigen zu lassen. Dem zeigte sich Frerichs „ausdrücklich aufgeschlossen“. Es gebe bereits seit Jahren zahlreiche Gesprächsrunden. Nur sei es eben schwierig, Investoren an einen Tisch zu bekommen, die gar nicht in Potsdam lebten.

Ex-Ladeninhaber: "Das wird immer mehr zur Fressmeile"

Laut einer Erhebung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin-Brandenburg mussten Einzelhändler 2013 zwischen 20 und 80 Euro je Quadratmeter Ladenfläche zahlen. Mittlerweile würden bereits Mieten von bis zu 120 Euro pro Quadratmeter verlangt, sagte ein ehemaliger Geschäftsinhaber, der aber anonym bleiben wollte. Für ein 100 Quadratmeter großes Geschäft kommen so 12.000 Euro im Monat zusammen – ohne Nebenkosten. Bei der für Mitte des Jahres anstehenden Vertragsverlängerung habe sein Vermieter 60 statt bislang 20 Euro Quadratmetermiete verlangt, das Dreifache des alten Preises. Er habe seinen Shop nun aufgegeben. „Das rechnet sich nicht“, sagte der Mann. Glücklicherweise fand er eine Anstellung bei einem neuen Arbeitgeber. Von der Selbständigkeit lässt er erst mal die Finger.

In seinem alten Laden macht demnächst ein Imbiss auf. „Das wird immer mehr zur Fressmeile“, warnte er. Vielleicht könne ja die Stadt etwas tun, schlug der Mann vor. Nur zwei Bäcker in der Straße, nur drei Imbisse? Eine Forderung, die wohl schwerlich von der Stadt erfüllt werden kann. Genrich schlug vor, ein „Gentlemen-Agreement“ zu finden, für moderate Mietpreise und um die Schönheit der Stadt zu erhalten. Es dürfe, so die Präsidentin des Handelsverbands, nicht nur um Schlösser und Gärten und Kultur gehen. „Das Profil der Stadt leidet“, betonte sie.

 

Auch in der Lindenstraße – einer Querstraße zur Brandenburger – ziehen die Kosten für die Geschäfte mittlerweile an. Dort gibt es vor allem kleine Läden wie einen Sportshop, die Antiquitäten-Galerie Potsdam oder den Plattenladen Silverspeed. Daneben bietet der Eigentümer auf einem Immobilienportal im Internet Ladenräume für rund 21 Euro pro Quadratmeter an – laut IHK mussten dort vor zwei Jahren noch zwischen zehn und 18 Euro gezahlt werden.

Lesen Sie weiter: Unsere Autorin kommentiert den Zustand der Brandenburger Straße >>

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