Coli-Bakterien-Alarm: Babelsberger Wasser weiter mit Keimen belastet

von Marco Zschieck

Tägliche Messungen: Die Spur der Keime führte in einen Hochbehälter auf dem Brauhausberg, in dem tote Mäuse gefunden wurden. Foto: Nestor Bachmann/lbn

UPDATE. Trotz umfangreicher Maßnahmen der Stadtwerke Potsdam ist auch am Montag das Trinkwasser in Babelsberg weiter mit Fäkal-Keimen belastet. Das bestätigen erneut veröffentliche Laborbefunde. Das Wasser-Abkochgebot bleibt weiterhin bestehen.

Potsdam –

Babelsberg - Das Babelsberger Leitungswasser ist noch immer mit Keimen belastet. Am gestrigen Montag vorgelegte Laborbefunde zeigen nach wie vor Verunreinigungen mit Keimen, teilten die Stadtwerke mit. Bewohner der Rudolf-Breitscheid-Straße, Plantagenstraße, Behringstraße und Karl-Marx-Straße sowie im Gebiet dazwischen sollen weiterhin nur abgekochtes Wasser trinken oder zum Zähneputzen verwenden. Die Rohre würden weiter gespült, so Stadtwerke-Sprecher Stefan Klotz.

Seit Mittwoch vergangener Woche müssen etwa 10 000 betroffene Babelsberger ihr Leitungswasser abkochen. Bei Proben waren darin coliforme Keime und das gesundheitsschädliche und Durchfall verursachende Bakterium Escherichia coli (E. coli) entdeckt worden. Das Abkochgebot werde erst dann aufgehoben, wenn an mehreren aufeinander folgenden Tagen keine Grenzwerte überschritten werden. Daher könne das Abkochgebot mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vor dem Wochenende wegfallen, so Klotz. Die Auswertung fortgesetzter Proben habe außerdem ergeben, dass keine zusätzlichen Teile des Potsdamer Trinkwassernetzes verunreinigt sind.

Die Stadtverwaltung geht von einer Entspannung der Lage aus. Bisher gebe es keine Hinweise auf eine steigende Anzahl von Durchfallerkrankungen im Stadtgebiet, sagte Rathaussprecher Thomas Joerdens. Die verwendeten Messgeräte seien sehr empfindlich und würden auch winzige Verunreinigungen erkennen. Auch der Brandenburger Landeswasserverband ist nicht um die Qualität des Trinkwassers besorgt. Die Grenzwerte seien sehr niedrig und die Kontrollen scharf, teilte Verbandssprecher Turgut Pencereci mit.

Die Ursache der Keime ist noch nicht abschließend geklärt. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass die Quelle der Verunreinigungen in einem Hochbehälter auf dem Brauhausberg liegt. Dort entdeckten am Freitag Mitarbeiter der Stadtwerke drei tote Mäuse und einen Maulwurf. „Die wahrscheinliche Ursache sind die toten Tiere“, so Stadtwerkesprecher Klotz. Zuvor hatte man den Hochbehälter entleert, aus dem Trinkwasser in das Babelsberger Netz eingespeist wird. Der zweite dort befindliche Behälter wird derzeit saniert und ist trockengelegt. Bei der letzten Prüfung des Behälters Mitte Juni hatte es keine Probleme gegeben.

In den kommenden Tagen soll ein externer Gutachter klären, wie die Tiere trotz der Sicherheitsmaßnahmen in den Behälter gelangen konnten. Der Vorstand habe die Expertise am Samstag in Auftrag gegeben, so Klotz.

Die Bewohner des von den Verunreinigungen betroffenen Gebiets sind durch Handzettel gewarnt worden. „Wir kochen weiter unser Wasser ab“, sagte auch Anwohner Frank Sputh, der in der Goethestraße wohnt. Er hofft, dass die Einschränkungen nicht mehr allzu lange andauern, sieht die Sache aber gelassen: „Zum Trinken nehme ich ohnehin nur Wasser aus Flaschen.“

 

 

17 Kommentare

  • von Na Prima16.07.2011 22:49
    Ich könnte mit verderecktem Wasser leben, wenn ich als Hausbesitzer in Babalesberg nicht ein Heidengeld dafür zahlen müsste.
    Ich kann die unsäglichen Kommentare von Architekt und Co. nicht nachvollziehen, wenn selbst meine Kinder in der Schule vor dem Händewaschen gewarnt werden. Hundekacke? Babelsberg ist nicht Berlin Mitte! Hauptsache, es werden Hunderte Tausen Euro oder gar einige Millionen für ein unsäglich bescheidenes Stadtwerke Fest mit abgewrackten C-Stars ausgegeben aber Ratten und Mäuse fallen in die Trinkwasserbecken...
  • von Heinrich16.07.2011 18:30
    @CH: Ich sehe die Sache ganz locker.
    Wasser zum trinken kann man ja kaufen.
    Und ansonsten bin ich etwas vorsichtig.
    Es wird ja etwas getan.
    Unser Ministerpräsident wohnt hier gleich
    einen Steinwurf neben mir.
    Ich denke dass dies vielleicht ein Vorteil ist,
    was die Beseitigung der Verunreinigung anbelangt.
    Aber sicher bin ich mir da nicht, ob die Stadtwerke
    aus diesem Grund etwas schneller sein könnten.
    Also lieben Gruß vom Plantagenplatz.
    Heinrich
  • von CH16.07.2011 17:33
    @Heinrich Danke für die Info.

    Mäuse. Es ist zum Piepen!
  • von Heinrich16.07.2011 14:36
    Ich wohne am Plantagenplatz und wir hatten auch keine
    Informationen oder "Handzettel" erhalten.
    Gruß Heinrich
  • von CH16.07.2011 00:07
    Diese Handzettel, die angeblich verteilt wurden, hat die jemand gesehen? In der Karl-Marx-Straße müssen sie wohl aus gewesen sein, wir hatten jedenfalls keine im Briefkasten.
  • von Spendierhose für EWP15.07.2011 12:14
    Jetzt wissen wir endlich, warum wir das teuerste Wasser im Lande haben - es ist biologisch angereichert! Prädikat: besonders eckelhaft!
  • von Babelsberger14.07.2011 18:23
    Wow, ein einziges Mal gibt es eine Auffälligkeit im Trinkwasser und man kann Kommentare lesen, die den Weltuntergang nahe legen lassen, sowie in meinen Augen überdrehte Empörung.
    Aus meiner Sicht hat die Information der Bevölkerung sehr gut funktioniert (wer morgens aufsteht, duscht, frühstückt, sieht auch keinen Zettel am Tor). Sich in den Supermärkten zusätzliches Mineralwasser zu besorgen, ansonsten sein Wasser abzukochen, ist begrenzter Aufwand für eine begrenzte Zeit.
  • von von traurig, traurig14.07.2011 17:47
    also liebe bürger das wasser ist verseucht...babys können sehr krank werden und ältere bürger sind auch sehr anfällig...ja und nun liebe Damen und Herren sollen sich die bürger mal ne kopf machen...na wie wäre es denn mal diese haushalte mit mineralwasser zu beliefern...oder ist das zu teuer??? die bürger können nix dafür und das wäre doch wohl das wenigste was man tun könnte und das anständigste
  • von Architekt14.07.2011 15:34
    So eine Heuchelei. Wegen einiger weniger Coli-Bakterien im Trinkwasser so ein Gewese. Wir laufen täglich in Hundekacke herum ( bereits gekrümelt, teils gerührt/ schleimig, teils noch zu erkennen und zu riechen, teils bereits im Mikrobereich -aber immer vorhanden). Täglich gibt ein Hundebesitzer einem anderen die Hand - ohne sie vorher gewaschen zu haben - im Bewusstsein, dass er soeben seinen Hund anfasste oder eine Tüte lehrte ( solche gibt es auch...). Das sind Coli kiloweise. Und für die Kinder die vollgepissten und gekackten Spielplätze - pfui Teufel. Da kommt es doch auf das bisschen Trinkwasser nicht mehr an. Zumal die Leute lieber Wasser im Supermarkt kaufen. Und kochen sie damit - sind die Colis tot. Da bleiben nur noch die Colis an den Händen, den Schuhen und der Kleidung übrig...
  • von Aus Babelsberg14.07.2011 13:46
    Wieso überrascht mit der Fund nicht? Seit Wochen klaffen in Babelsberg in den betroffenen Straßen Baustellen, das Wasser plätschert frei in oder aus Leitungen. Nur ab und zu hält sich jemand von den Stadtwerken dort auf. Ich würde wirklich gerne wissen, warum diese Leitungen jedes Jahr aufgerissen werden und monatelang offen stehen. Und nebenbei den Verkehr behindern.
  • von Ekelig14.07.2011 12:59
    Hier in Kiel das Gleiche, seit die Mehrheit der Stadtwerke privatisiert wurde ist die Wasserqualität rapide gesunken. Das Wasser schmeckt seit dem ekelerregend, besonders Kaffee. Sagt auch mein Besuch. Wenn das Wasser eine Stunde gestanden hat ist es ungenießbar. Auch meine Pflanzen sind total am leiden.
    Ich hatte das Wasser immer mit EC-Meter, Ph-Meter gemessen, seit der Privatisierung stieg der EC-Wert von 0.5 Msievert auf 0.8, der Ph-Wert von alkalische 7.8 auf teilweise saure 6.0 ! Hier ist das Wasser sauer so dass sich der ganze alte Dreck, in den Wasserrohren, der sich über Jahrzehnte abgelagert hat, wieder löst und so getrunken wird. Wer mal so eine alte verkrustete Wasserleitung gesehen hat, der weiß wie ekelig das ist.
    ( http://www.mein-eigenheim.de/system/article_pics/thumbs_450/wasserleitung-kalk-rost_a8aa7eff4c.jpg )

    Grundbedürfnisse wie z.b.: Wasser, Strom, Lebensmittel gehören nicht in Händen privaten Investitoren, von Heuschrecken, sondern zu 100% in staatliche Hand.

    Seit ich mir eine billige Omkehrosmoseanlage gekauft habe ist das Wasser wieder genießbar und meine Pflanzen sind auch wieder grün.
    Und das gute an der Anlage ist dass sich die Wasseruhr bei Betrieb nicht dreht, selbst noch nach 10 Std + steht die Uhr( ganz neu ) auf der gleichen Stelle. Das bedeutet Wasser umsonst, schade das ich kein Garten habe... :(
  • von wilfriedsoddemann14.07.2011 09:14
    Oft Fäkalien im Trinkwasser:
    Das Bayer. Landesamt warnt: Legionellen immer im Trinkwasser, Fäkalkeime in bis zu 33% der Proben. Anderswo in Deutschland wird das nicht anders sein. Das UBA berichtet über viele Nachweise von coliformen Bakterien. Prof. Exner, Chef der Trinkwasserkommission vom Bundesgesundheitsministerium, hat oft Enterobacter cloacae im Trinkwasser aus Talsperren nachgewiesen. Das Veterinäruntersuchungsamt Krefeld hat in Trinkwasser in 20% der Proben Rotaviren gefunden. Der 1. Zwischenbericht Reine Ruhr in NRW betont wie auch der neue Statusbericht die Belastung des Trinkwassers durch Viren. Trinkwasser enthält oft Bakterien, Parasiten und Viren. Liefern von Trinkwasser mit Krankheitserregern steht unter Strafe! Wasserwerke mit der üblichen Technik können Krankheitserreger nicht filtern oder abtöten. Trinkwasser muss mit der Ultrafiltration für 50 Cent je Person und Monat gefiltert werden.
    http://sites.google.com/site/trinkwasservirenalarm/Trinkwasser-Viren
    soddemann-aachen@t-online.de
    Telefon 0 25 82 – 99 13 66
  • von Manfred14.07.2011 08:43
    Kaum ist der Chef der Stadtwerke weg, da kommt auch schon die ganze Sch... der Geschäftemacherei des kommunlanen Unternehmens zum Vorschein. Klasse.
  • von Besserwisser14.07.2011 08:26
    @Heinrich das ist ja mal eine Einstellung...
    Coli-Bakterien sind gefährlich und das ist nun mal ein Fakt!
    Nartürlich besteht die möglichkeit das es schon seit Längerer Zeit so ist. Dies macht es aber nicht ungefährlicher sondern eher Schlimmer.
    bei so viel Unwissen und Ignoranz kann man nur den Kopf schütteln.
    Gerade bei Kleinkindern sollte man umso mehr aufpassen.
  • von Heinrich14.07.2011 07:11
    Diese Bakterien sind doch nicht erst seit
    der Entdeckung durch die Wasserwerke im Leitungsnetz.
    Gestern wurden sie zwar entdeckt, aber vielleicht
    trinken wir sie schon seit einigen Monaten.
    Also immer schön die Ruhe bewahren.
    Gruß vom Plantagenplatz.
    Heinrich
  • von empörter Bürger14.07.2011 06:51
    Sobald in in Haushalten das Wasser abgeklemmt wird, um Wartungsarbeiten durchzuführen, hängt an jeder Tür ein Zettel, aber wenn es um so wichtige Dinge wie Gesundheit geht, halten die Stadtwerke es nicht für nötig die Haushalte, gezielt, mit einer Information zu versorgen. Es ist eine Frechheit!!!! Die Stadtwerke sollten nicht davon ausgehen, dass jeder Haushalt solche Informatinen zeitnah erhält.
  • von Besorgter Bürger…13.07.2011 23:21
    Unter diesen Umständen sollte von dem Ordnungsamt aus in diesem Bereich bei den Ansässigen Lebensmittelverarbeitenden Unternehmen Kontrollen zwecks der Verarbeiteten Wasserqualität durchgeführt werden.

Aktuellste Kommentare

  • von Na Prima16.07.2011 22:49
    Ich könnte mit verderecktem Wasser leben, wenn ich als Hausbesitzer in Babalesberg nicht ein Heidengeld dafür zahlen müsste. Ich kann die unsäglichen...
  • von Heinrich16.07.2011 18:30
    @CH: Ich sehe die Sache ganz locker. Wasser zum trinken kann man ja kaufen. Und ansonsten bin ich etwas vorsichtig. Es wird ja etwas getan. Unser Ministerpräsident...
  • von CH16.07.2011 17:33
    @Heinrich Danke für die Info. Mäuse. Es ist zum Piepen!

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