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Themenschwerpunkt:

Stadtentwicklung

  • 24.04.2018
  • von Marco Zschieck

Schulcampus in der Waldstadt: Kinder versus Kiefern

von Marco Zschieck

Ärger. Viele Anwohner sind mit den Plänen für den Campus nicht zufrieden. Foto: A. Klaer

Im Bauausschuss sollen heute die Vorhaben für den Schulcampus in der Waldstadt diskutiert werden. Von einem Wald kann in den neuen Plänen allerdings keine Rede mehr sein.

Potsdam - Der Streit um einen geplanten Schulcampus in der Waldstadt geht am heutigen Dienstag in die nächste Runde. In der Sitzung des Bauausschusses der Stadtverordneten steht die Leitentscheidung zur Fortführung des Bebauungsplans auf der Tagesordnung. Gegen die Pläne für einen Schulstandort für bis zu 1400 Schüler sowie für mehrere Sportplätze macht vor Ort eine Bürgerinitiative mobil.

Nach den Plänen der Stadt sollen am Bahnhof Rehbrücke eine Gesamtschule, eine Förderschule, ein Hort, eine Kita und zwei Sportplätze entstehen. Letztere würden auch an den Wochenenden und Abenden von Vereinen genutzt. Die Maßnahme ist Teil des Schulentwicklungsplans 2014 bis 2020, den die Stadtverordneten beschlossen haben. Auch der Flächennutzungsplan muss geändert werden. Ein Teil des Areals steht außerdem unter Landschaftsschutz. Dass ein Standort für eine weiterführende Schule im Süden gebraucht wird, ist politisch unumstritten. Doch dass dafür Tausende Bäume fallen sollen, macht die Sache im Jahr der Oberbürgermeisterwahl heikel.

Um der Kritik in der Waldstadt die Wucht zu nehmen, hatte die Stadtverwaltung eine Vor-Ort-Begehung im März und eine Bürgerversammlung Mitte April veranstaltet. Doch so ganz geklappt hat das nicht. Für emotionale Reaktionen sorgte zum Beispiel die Aussage, es gehe nicht mehr um das „ob“, sondern nur noch um das „wie“ des Schulcampus. Die Anwohner fühlten sich angesichts dessen übergangen.

Immerhin: Auf Grafiken oder aus der Entfernung dürfte es auch zukünftig grün aussehen

Bei der Bürgerversammlung ging es dann wie berichtet schon etwas konstruktiver zu. Die Stadtverwaltung hatte auch Grafiken mit zwei Varianten für die Anordnung der Gebäude auf dem Areal parat. Darauf war dann doch relativ viel Grün zu sehen.

Tatsächlich ist die Stadtverwaltung in den überarbeiteten Plänen auf Kritikpunkte der Anwohner aus der frühzeitigen Bürgerbeteiligung im vergangenen Jahr eingegangen: Dort wurde der Verlust des Waldstadtcharakters durch die komplette Abholzung einer 6,3 Hektar großen Fläche beklagt.

Die neuen Pläne sehen vor, dass das Plangebiet auf insgesamt 13 Hektar ausgedehnt wird – vor allem Richtung Südwesten. Dafür sollen in den Lücken zwischen den Gebäuden und Sportanlagen zahlreiche Bäume stehen bleiben. Im Klartext: Statt den Wald ganz abzuholzen, wird der doppelte Wald halb abgeholzt. Auf Grafiken oder aus der Entfernung dürfte es auch zukünftig grün aussehen.

Doch mit einem richtigen Wald wird der Schulcampus dennoch nicht mehr viel zu tun haben. Das Gelände muss schließlich eingezäunt werden. Statt Wildschweinen, Rehen und Füchsen durchs Unterholz werden sich Schüler und Sportler über großflächig versiegelten Untergrund bewegen. Laut den Vorschriften des Bildungsministeriums müssen für jeden Schüler mindestens fünf Quadratmeter Schulhoffläche bereitstehen. „Für Horte und Kitas sind mindestens zehn Quadratmeter Fläche pro Kind zur Verfügung zu stellen“, so ein Stadtsprecher.

Platz sparen: Stadtverwlatung bringt Parkhaus unter der Schulturnhalle ins Spiel

Dazu kommt der Platzbedarf für die Gebäude. Der steht noch nicht im Detail fest, weil das städtebauliche Konzept dafür erst noch erarbeitet werden muss. Doch auch in dieser Frage muss sich die Stadt an die Vorgaben des Ministeriums halten. Eine Variable ist dabei die Zahl der Geschosse. Wird die Schule höher gebaut, verbraucht sie weniger Grundfläche und mehr Bäume können stehen bleiben. Wie viel Fläche für die einzelnen Gebäude und Sportanlagen einkalkuliert ist, teilte die Stadtverwaltung auf PNN-Anfrage nicht mit.

Um Fläche zu sparen, hat die Stadtverwaltung auch noch eine weitere Idee ins Spiel gebracht. So könnte in der Waldstadt Potsdams erste Schule mit eigenem Parkhaus entstehen. Das Parkhaus sei eine Idee, wie Parkbedarfe abgedeckt werden könnten, die durch die neuen Einrichtungen auf dem Gelände entstehen, so ein Stadtsprecher. Schließlich sei es der Wunsch von Anwohnern und Stadtpolitik gewesen, möglichst wenig Waldfläche in Anspruch zu nehmen. Das Parkhaus könnte unter der neuen Turnhalle für die Gesamtschule Platz finden. Welche Kosten damit verbunden wären, ist bislang allerdings unklar. Zwar hatte die Stadtverwaltung bisher immer mit dem Argument für den Standort geworben, dass er gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sei, die Stellplätze seien jedoch baurechtlich vorgeschrieben, hieß es.

Angesichts des Bevölkerungswachstums steht die Stadt unter Druck, mehr Schulen und Sportanlagen bereitzustellen. Laut aktuellen Prognosen soll im Jahr 2027 die Einwohnerzahl von 200 000 erreicht werden. Um Schritt zu halten, müssen noch sieben Grundschulen und sechs weiterführende Schulen gebaut werden. Außerdem fehlen in Potsdam 51 000 Quadratmeter Sportplätze. Es müssten allein sieben neue Spielfelder geschaffen werden.

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