23.01.2018, 4°C
  • 02.01.2018
  • von Klaus Peters

Barberini-Direktorin Westheider im Interview: „Unser Museum wird zum Hype“

von Klaus Peters

Foto: dpa

Auf Anhieb ist das Museum-Barberini zum größten Publikumsmagneten Potsdams geworden. Barberini-Direktorin Ortrud Westheider spricht im Interview über den Erfolg des Hauses und neue Pläne.

Frau Westheider, mit mehr als 500 000 Besuchern hat sich das Museum Barberini in seinem Eröffnungsjahr auf Anhieb als Potsdams Publikumsmagnet Nummer eins positioniert. Wo kommen all diese Besucher her?

Neben Potsdamern kommen sehr viele Gäste aus Berlin, wo es eine einzigartige Kunstszene und großartige Sammlungen gibt. Dass wir die Berliner und das dortige internationale Publikum von Anfang an anziehen konnten, ist ein großer Erfolg. Wir haben aber auch viele Besucher aus anderen Bundesländern, die das Museum Barberini zum Anlass nehmen, Potsdam zu besuchen. Wir beobachten den neuen Trend, Potsdam als alleiniges Ziel einer Städtereise zu planen. Nicht nur in Kombination mit Berlin, sondern zunehmend als Anlaufpunkt für mehrere Nächte, um unser Museum und die Schlösser und Gärten zu besuchen. Das wissen wir aus einer repräsentativen Befragung von Besuchern. Das Bremer Institut „markt.forschung.kultur“, das diese durchgeführt hat, spricht von einem „Hype“.

Fühlen Sie sich mit dem Erfolg des Hauses bereits auf Augenhöhe mit den Berliner Museen?

Wir sind noch am Beginn und haben den Auftrag, ausgehend von der Sammlung Hasso Plattner in internationalen Kooperationen Ausstellungsthemen zu entwickeln. Die gute Nachbarschaft ist dafür ganz wichtig. Allein die Leihgaben aus den Berliner Häusern, die zu unseren Ausstellungen beigesteuert werden, sind eine fundierte Unterstützung. Es gibt schon jetzt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Berliner Institutionen und eine große Zugewandtheit.

Wie läuft Ihr umfangreiches Begleitprogramm zu den Ausstellungen?

Das kommt sehr gut an. Neben nachgefragten Vorträgen und Symposien haben wir mit der Kammerakademie Potsdam die Musikreihe „Klangfarben“ aufgelegt, die fast immer ausverkauft ist. Im Kinderprogramm gibt es Atelierkurse und Führungen durch die Ausstellungen von Kindern für Kinder. Zunehmend wichtiger sind die Lehrerfortbildungen: Da gibt es ein großes Interesse aus der Region. Nicht nur aus der Fachrichtung Kunst, sondern auch Geschichte oder Literatur.

Eine halbe Million Besucher ist eine echte Hausnummer. Wie können Sie diese Zahl in diesem Jahr noch toppen?

Mit drei großen Ausstellungen. Im Februar eröffnen wir unsere Beckmann-Ausstellung. Da erwarten wir bedeutende Werke wie das „Schauspieler-Triptychon“ aus dem Fogg Art Museum in Cambridge. Es ist das zentrale Gemälde zum Thema des „Welttheaters“, deshalb hing von dieser Leihgabe sehr viel ab. Aber auch die Tate Gallery in London, die National Gallery in Washington und viele deutsche Museen und Sammler unterstützen uns, darunter die Enkelin des Künstlers. Ende Juni zeigen wir dann eine Gerhard-Richter-Ausstellung, die sich zum ersten Mal dem Thema der Abstraktion in seinem gesamten Werk von den 1960er-Jahren bis heute widmen wird. Da können wir auch ganz neue Bilder von Richter zeigen. Wir sind gerade dabei, zusammen mit dem Künstler die Auswahl abzuschließen. Und dann geht es weiter mit Henri-Edmond Cross: Ein Neoimpressionist, der in der Generation zwischen Monet und Matisse eine wichtige Rolle gespielt hat. Er hat Saint-Tropez und den Süden Frankreichs für die Malerei entdeckt. Künstler wie Picasso sind ihm nachgefolgt und haben an der Cote d’Azur gemalt.

Ist denn der Stifter, SAP-Mitbegründer und Mäzen Hasso Plattner, in seinem Museum präsent?

Herr Plattner besucht sein Haus und unterhält sich mit den Gästen. Bei besonderen Anlässen vertritt ihn oft auch seine Tochter Stefanie Plattner. Herr Plattner hat kein konventionelles Sammler-Museum ins Leben gerufen, sondern das Museum Barberini. Es ist ihm ein großes Anliegen, dass wir mit unserem internationalen Ausstellungsprogramm viele Menschen anziehen. Dafür verlässt er sich auf die Kuratoren. Die Sammlung der Hasso Plattner Stiftung ist auch 2018 wieder mit zentralen Werken ausgestellt, so bei Richter und Cross.

Die Fragen stellte Klaus Peters (dpa)

Ortrud Westheider, 53, hat unter anderem Kunstgeschichte und Geschichte studiert. 2006 wurde sie Leiterin des Bucerius Kunst Forums in Hamburg, 2016 Direktorin des Museums Barberini.

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