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  • 12.08.2017
  • von Valerie Barsig

Ein Zeichen über Potsdam hinaus

von Valerie Barsig

Der Alte Markt in Potsdam. Dort soll am 27. August gemeinsam für die historische Mitte getafelt werden. Foto: A. Klaer

Mitteschön ist wieder da: Die Bürgerinitiative schaltet sich in den Disput um die Fachhochschule ein und will mit einer Veranstaltung Ende August ihre Position pro historische Mitte untermauern.

Potsdam - In die Debatte um das Gebäude der Fachhochschule (FH) hat sich nun auch das Bürgerbündnis Mitteschön eingeschaltet. Mitteschön plant eine Dinner-Demo für die Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte. Das teilten Vertreter am Freitag auf einer Pressekonferenz mit. Das Bündnis entstand 2007 im Zuge der Diskussionen um das Stadtschloss. Es setzt sich für die verlorene historische Mitte ein – auch damals wurden Dinner-Demos veranstaltet und Spenden gesammelt. Was das Bündnis jetzt fordert:

Dinner-Demo: Was soll erreicht werden?

Unter dem Motto „Alter Markt – weiter geht’s!“ will Mitteschön am Sonntag, dem 27. August, von 18 bis 22 Uhr ein Dinner auf dem Alten Markt veranstalten. Das Fest solle ein Zeichen auch über Potsdam hinaus setzen, hieß es gestern von Bündnis-Mitglied Ulrich Zimmermann. Man wolle das bisher Erreichte feiern und einen Ausblick auf die Entwicklungen des sogenannten Blocks III geben. Der Block ist der erste Teil der Grundstücke an der Friedrich-Ebert-Straße, auf denen bis 2020 ein erstes von zwei Wohn- und Geschäftskarrees entstehen soll. Noch steht dort die FH.

In den vergangenen Wochen sei auf dem Alten Markt viel passiert, das Außenwirkung gehabt hätte, sagte auch Kabarett-Künstlerin Barbara Kuster vom Bündnis. Es wirke, als ob sich die Potsdamer gegen Stadt und das Land stellten, wie eine „Konfrontation zwischen Bürgern und Politik“. Das sei eine Front, die so nicht existiere. „Es gibt viele Potsdamer, die die Meinung der Besetzer nicht teilen.“ Das Bündnis hoffe, dass sie mit dem Dinner dafür ein Zeichen setzen kann. Ausdrücklich seien alle Potsdamer eingeladen, auch die Beteiligten von „Stadtmitte für alle“. Man gehe davon aus, dass man gemeinsam friedlich feiern könne. „Eine Konfrontation wollen wir ausschließen.“ Dezidiert eingeladen hätte man Prominente wie Günther Jauch, Hasso Plattner oder Wolfgang Joop – Zusagen stünden aber noch aus. Auch Parteivertreter hätten eine Einladung erhalten. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sei in Urlaub, dafür habe aber Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) zugesagt.

Auf einer LED-Leinwand sollen Bilder und Filme zur Entwicklung der Mitte gezeigt werden. An entsprechenden Stellen sollen großformatige Bilder des Architekten Pakertharan Jeyabalan aufgestellt werden – er zeichnet Potsdam so, wie er sich die Stadt vorstellt und trifft damit den Geschmack von Mitteschön. In Jeyabalans Potsdam gibt es einen fließenden Stadtkanal, einen neuen Staudenhof und auch eine Garnisonkirche mit Turm und altem Kirchenschiff. Zusätzlich wird es Führungen durch die Nikolaikirche sowie Essens- und Getränkestände geben und ab 20 Uhr Musik der Potsdamer Band mueckenheimer.

Was möchte das Bündnis für Block III?

Mit dem Fest solle die Öffentlichkeit für das Thema Block III sensibilisiert werden, hieß es. Für Mitteschön sei es wichtig, dass die alte Stadtstruktur wiedergewonnen werde. Es gehe dabei nicht nur um einzelne Gebäude, sondern das Wirken des Gesamt-Ensembles. Mitteschön lobt das Verfahren und die Transparenz der Stadt bei der Konzeptausschreibung für den Block III. Wenn im November die Entwürfe für die 14 entstehenden Gebäude in einer Infobox vorgestellt werden, soll den Bürgern auch die Möglichkeit gegeben werden, diese zu kommentieren. Mitteschön mahnt, dass bei der Entscheidung der Jury über die Entwürfe ebenjene Kommentare genau berücksichtigt werden sollen. Für die Entstehung des Blocks IV könne man sich gut eine noch stärkere Öffnung für die öffentliche Diskussion vorstellen.

Mitteschöns aktuelle Sorgen beim Block III gelten den Fassaden der Gebäude. Unglücklich sei man vor allem damit, dass zwischen den Leitfassaden an den Ecken des Karrees die Rekonstruktion von barocken Fassaden ausgeschlossen worden sei. „Gerade die Außenwände der neuen Häuser am Alten Markt sind nach dem Bau die Innenwände der guten Stube Potsdams, sie werden eine Visitenkarte der Stadt sein“, sagte Kuster. Man habe eine Anfrage an die für die Vermarktung der Grundstücke zuständige Beteiligungsgesellschaft geschickt, was unter der gewünschten „zeitgenössischen Architektur“ zu verstehen sei. Laut Antwort sollen die Außenfassaden der bis 2020 entstehenden Gebäude abstrakt-modern sein. Das halte man bei Mitteschön für einen Fehler. „Das bedeutet also Reduktion an den Fassaden und keine Plastizität“, monierte Kuster.

Was soll aus den Künstlern im Rechenzentrum werden?

Ebenfalls geäußert hat sich das Bündnis zu der Situation der Künstler im Rechenzentrum. Für sie solle in Zukunft ein neues Kunst- und Kreativzentrum im Langen Stall entstehen. Geht es nach Mitteschön, soll die Stadt eine Machbarkeitsstudie durchführen, um den Langen Stall neu herzurichten und dort Ateliers für die Künstler zu bauen. Eine klare Absage gibt das Bündnis der Idee, Räume für Kunst an die Stelle des Kirchenschiffs der Garnisonkirche zu bauen. An die Machbarkeitsstudie anschließen soll sich eine Konzeptvergabe, bei der auch die Kreativen und ihre Wünsche beteiligt werden sollen.

Laut Mitteschön soll der Lange Stall weder unterkellert, noch soll dort eine Tiefgarage gebaut werden, um Kosten zu sparen. Das Gebäude soll im Fachwerkstil errichtet werden und könne Mitte oder Ende 2019 fertig sein. Für die Räume soll laut Berechnungen von Mitteschön eine Nettokaltmiete von 6,50 bis 7,50 Euro realistisch sein. Die Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin (SPI) könne nach dem Umzug aus dem Rechenzentrum auch im Langen Stall Betreiber des Kreativhauses sein. Man könne sich auch eine Gaststätte im vorderen Bereich vorstellen. Wesentlich sei, dass für die Künstler bezahlbarer Raum entstehe. Ein weiterer Vorteil sei der Platz: Laut Mitteschön würden rund 5250 Quadratmeter Nutzfläche entstehen – 250 Quadratmeter mehr als jetzt im Rechenzentrum. Zehn Millionen Euro würde der Bau kosten.

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