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  • 14.06.2017
  • von Erik Wenk

Verkehr in Potsdam: Polizei erwischt Verkehrssünder auf der Brandenburger Straße

von Erik Wenk

Durchfahrt verboten. Da hilft alles diskutieren nichts: Die Brandenburger Straße ist für Auto- und Fahrradfahrer gesperrt, auch wenn die die Straße nur queren wollen. Die Polizei will dieses Verbot in den kommenden Wochen stärker durchsetzen und reagiert damit auf „massive Anwohnerbeschwerden“. Foto: Andreas Klaer

Die Polizei verwarnt Rad- und Autofahrer auf der Brandenburger Straße und will weiter Präsenz zeigen. Anwohner und Händler freut das.

Potsdam - Katja Funkel hält die Hand hoch: „Halt, absteigen!“ Der Radfahrer, der gerade von der Jägerstraße aus die Brandenburger Straße überqueren wollte, blickt verdutzt, steigt dann aber ab. „Da ist das Fußgängerzonen-Schild“, sagt die Polizeioberkommissarin. Der Mann wundert sich: „Wurde das versetzt? Stand das nicht mal woanders?“

Nein, stand es nicht. Funkel belässt es bei der mündlichen Verwarnung, die an diesem Tag bei so manchem ausgesprochen wird. Am Dienstag kontrolliert die Potsdamer Polizei mit einem halben Dutzend Beamter mehrere Stunden lang, ob sich Rad- und Autofahrer an die Fußgängerzone in der Brandenburger Straße halten. Acht Radler und acht Autofahrer bekamen dabei eine Verwarnung, Strafgelder wurden nicht verhängt.

Massive Beschwerden von Anwohnern in den vergangenen Monaten

Alle zwei Wochen will die Polizei nun solche Kontrollen durchführen, sagt Polizeihauptkommissar Thomas Simonis, denn es habe in den vergangenen Monaten „massive Beschwerden“ von Anwohnern gegeben. Vor allem wegen rücksichtsloser Radfahrer, die zu Stoßzeiten am Nachmittag über die Brandenburger Straße fahren und wegen Autofahrern, die die Straße über die Lindenstraße oder Jägerstraße überqueren wollten. Die Beschwerden reichten von persönlichen Gesprächen auf der Straße bis hin zu dreiseitigen Briefen an die Polizei. Zwar habe es noch keine schweren Unfälle auf der Brandenburger Straße gegeben, so Simonis, aber: „Es ist ein zentraler Brennpunkt von Unmut.“

Am Vormittag geht es noch, doch spätestens nach Schulschluss und mit Beginn des Berufsverkehrs wird es eng auf der Brandenburger Straße, wo links und rechts die Stühle der Cafés und Restaurants auf der Straße stehen. Vor allem die Querstraßen werden gerne von Anwohnern illegal als Abkürzung genutzt.

„Einige regen sich dann auch über die Verkehrssituation in Potsdam auf"

Und schon nähert sich das nächste Auto auf der Jägerstraße: Ein weißer Toyota mit Potsdamer Kennzeichen. Funkel unterhält sich kurz mit der Fahrerin: Sie habe „nur mal eben rüber fahren wollen“ und habe das Schild nicht gesehen. Sie muss nun den Rückwärtsgang einlegen. Einige Begründungen der Fahrer sind sehr kreativ: „Manche sagen, das Navigationsgerät habe sie so geführt“, sagt Simonis. „Einige regen sich dann auch über die Verkehrssituation in der Stadt auf und wollen wissen, wo sie denn überhaupt noch lang fahren können.“

Meist seien die Autofahrer allerdings einsichtiger als Radfahrer, wenn sie von der Polizei angehalten werden, sagt Funkel, vor allem wenn Bußgelder verhängt werden: Autos, die die Brandenburger Straße queren, müssen mit 20 Euro Strafe rechnen, Lastwagen ab dreieinhalb Tonnen sogar mit 75 Euro. Radfahrer, die außerhalb der erlaubten Zeit von 8 Uhr abends bis 10 Uhr morgens auf der Brandenburger Straße fahren, müssen 15 Euro zahlen, wenn es zu Behinderungen kommt auch doppelt so viel. Klar gebe es immer wieder Geschimpfe von denen, die eine Strafe bekämen, sagt Simonis, aber insgesamt würden die Polizeikontrollen sehr positiv aufgenommen: „Der Tenor ist schon: ,Endlich ist die Polizei mal da!“

Weniger dramatisch sind Verstöße durch den Lieferverkehr: Der darf zwischen 19 Uhr abends und 11 Uhr morgens auf die Brandenburger Straße. Auch jetzt, kurz nach elf, säumen immer noch einige Kleintransporter die Straße. Die Polizei zeige sich aber meist kulant, solange die Zeiten nicht deutlich überschritten würden, sagt Simonis. Ein Problem seien aber Lieferanten, die frisches Obst und Gemüse heranfahren, die kämen in der Regel erst nach elf, müssten ihre Ware dann aber per Sackkarre zu den Händlern bringen. Kurze Zeit später nähert sich ein großer Laster über die Jägerstraße Kreuzung zur Brandenburger Straße, wo deutlich sichtbar Funkel und ihre Kollegen stehen. Der Fahrer stoppt, steigt aber nicht aus. Nach zehn Minuten dreht er um.

Keine Poller in der Jäger- und Lindenstraße

Es sei natürlich eine Sisyphusarbeit, die Verstöße einzudämmen, sagt Simonis. „Es geht vor allem darum, ein Bewusstsein zu schaffen.“ Neben den Kontrollen gebe es auch zwei bis drei Mal in der Woche eine Fußstreife auf der Brandenburger Straße. Dabei ist zumindest das Problem der querenden Autos nicht unlösbar: In allen anderen Seitenstraßen zur Brandenburger Straße sind bereits Poller im Boden verankert, nur nicht in der Jägerstraße und der Lindenstraße. „Das wäre die einfachste Lösung, aber das ist Aufgabe der Stadt“, sagt Funkel.

Die „Komplexkontrollen“ beschränken sich nicht nur auf die Brandenburger Straße. Auch an dem für Radfahrer gesperrte Fußweg, der von der Langen Brücke auf die Leipziger Straße führt. Hier wurden 31 Radfahrer verwarnt und 24 Bußgelder verhängt. Zum anderen wurden rund um einige Kitas und Schulen im Schlaatz Verkehrskontrollen durchgeführt: Hier wurden zwölf Geschwindigkeitsverstöße geahndet und ein Autofahrer ohne Führerschein aus dem Verkehr gezogen.

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