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  • 07.10.2016
  • von Henri Kramer, Christine Fratzke und Matthias Matern

Erstes Freitagsgebet in der Orangerie der Biosphäre Potsdam: Nicht mehr im Regen stehen

von Henri Kramer, Christine Fratzke und Matthias Matern

Die Orangerie der Biosphäre ist nur eine Zwischenlösung für die Potsdamer Muslime . Foto: A. Klaer

UPDATE - Zum ersten Mal findet das Freitagsgebet des Vereins der Muslime in Potsdam nicht in und vor der Moschee in Potsdams Mitte statt, sondern in der Orangerie der Biosphäre. Allerdings hat sich das offenbar noch nicht bei allen rumgesprochen.

Bornstedter Feld/Innenstadt - Am heutigen ersten Freitagsgebet des Vereins der Muslime in Potsdam in der Orangerie der Biosphäre haben zunächst deutlich weniger Personen als in den vergangenen Wochen teilgenommen. Wie berichtet kann die Gemeinde ihre Freitagsgebete übergangsweise in dem separaten Veranstaltungsraum Orangerie in der Tropenhalle abhalten. Ein entsprechendes Angebot der Stadt hat der Al-Farouk-Moschee-Verein angenommen, auch wegen des nahenden Winters. Doch offenbar hat sich das nicht bei allen Gläubigen rumgesprochen. Erst während des Gebets ab 13 Uhr kamen immer mehr Muslime in die Tropenhalle, am Schluss waren es mehr als 300 - etwas weniger als in den vergangenen Wochen. Der neue Ort müsse noch bekannter gemacht werden, hieß es mehrfach. Am Rande sagte ein Teilnehmer, dass die Zwischenlösung gut sei. Man müsse nun nicht mehr im Regen stehen und die vorbeilaufenden Anwohner hätten keinen Grund mehr, sich zu beschweren.

Am Fenster der Moschee in der Straße Am Kanal hängt nun ein Blatt Papier, auf dem steht, dass das Freitagsgebet ab dem 7. Oktober in der Biosphäre stattfinden wird. Aus der Moschee hieß es, dass viele Gläubige das gar nicht wüssten. Diejenigen, die heute zum Kanal gekommen seien, wurden mit der Tram zur Biosphäre geschickt.

Der neue Standort füllte sich gegen 13 Uhr, etwa 250 Muslime versammelten sich dort. Gegen 13.30 Uhr kamen noch einmal rund 50 weitere Gläubige, die zuerst bei der Moschee Am Kanal waren oder den Weg zur Biosphäre noch nicht einschätzen konnten.

In den vergangenen Wochen kamen allerdings bis zu 500 Personen. Weil die Moschee zu klein ist, mussten viele auf dem Gehweg davor beten. Langfristig strebt der Verein den Neubau eines größeren Gemeindezentrums an.

Einige Anwohner der Biosphäre wollen die Muslime heute begrüßen, wie am Donnerstag die dort lebende Beisitzerin im SPD-Landesvorstand, Sabine Tischendorf, den PNN auf Anfrage sagte: „Frieden miteinander ist unser Ziel.“ Es gehe um ein Zeichen der Solidarität mit den Betenden, so Tischendorf, die sich auch im Verein zur Integration jener geflüchteter Menschen engagiert, die in dem nahe gelegenen Asylheim David-Gilly-Straße leben. Auch Potsdams Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) war vor Ort.

Kritik: AfD habe mit ihren Protesten den Boden für Schweinekopf-Attacke bereitet

Wie berichtet hatten Unbekannte am Samstag in der Zeit von 21.20 bis 21.40 Uhr die Moschee geschändet. Sie hatten einen Schweinekopf vor der Tür der Moschee in der Ladenzeile Am Kanal abgelegt. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt. Wegen Überfüllung aufgrund des Zustroms von gläubigen Flüchtlingen mussten zum Teil mehr als 200 Muslime der Al-Farouk-Gemeinde in den vergangenen Wochen ihr Freitagsgebet im Freien auf dem Gehweg vor der Moschee abhalten, es kam zu Spannungen mit Anwohnern. Gegen das öffentliche Beten der Muslime protestierte die rechtspopulistische AfD, etwa mit dem Spruch „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“. Einen weiteren Info-Stand dieser Art werde es nicht geben, hieß es nun aus Parteikreisen. Zuvor hatten unter anderem Vertreter von SPD und Linken kritisiert, die AfD habe mit ihren Protesten den Boden für die Schweinekopf-Attacke bereitet.

Unterdessen hat die AfD-Stadtfraktion zum Thema eine Kleine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt, unter anderem zu den Mietkonditionen für die Orangerie. Die Stadtverwaltung erklärte auf PNN-Anfrage, zu den genauen Konditionen liefen momentan noch Gespräche. Dabei gehe es auch um eine Beteiligung des Landes, das für Religionsgemeinschaften zuständig ist.

Die 1998 gegründete Al-Farouk-Gemeinde ist die einzige in Brandenburg. Praktiziert wird nach eigenen Angaben der klassisch-sunnitische Islam, dem die Mehrheit der Muslime angehört. Von Gewalt und Islamismus distanziert sich der spendenfinanzierte Verein explizit. 

 

 


 

 

Eine ausführliche Reportage über das erste Freitagsgebet in der Orangerie lesen Sie in der Wochenendausgabe der Potsdamer Neuesten Nachrichten.

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