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  • 02.01.2016
  • von Henry Klix

Obdachlose in Potsdam: Im Winter ein Dach überm Kopf

von Henry Klix

In Deutschland gibt es immer mehr Obdachlose. Foto: dpa

Die Zahl der Obdachlosen steigt bundesweit. Auch Potsdam hilft - mit Heimen, Essen und einem Arztmobil.

Potsdam - In Deutschland und auch in Potsdam leben immer mehr Menschen auf der Straße. Die Zahl der Obdachlosen ist in den vergangenen zwei Jahren bundesweit um 50 Prozent auf rund 39 000 gestiegen. Dabei ist die Gesamtzahl der Wohnungslosen noch weit höher: Laut Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hatten 2014 insgesamt 335 000 Menschen keine Wohnung. Zur Gesamtzahl der Wohnungslosen zählt die Organisation neben Obdachlosen auch Menschen in Notunterkünften oder Wohnheimen. Bis 2018 wird ein weiterer Anstieg um 61 Prozent auf knapp 540 000 erwartet.

Niemand wird vom Obdachlosenheim abgewiesen

Genaue Zahlen zur Obdachlosigkeit in Potsdam gibt es zwar nicht, doch Angebote wie die Potsdamer Tafel sind zunehmend nachgefragt. Und das Obdachlosenheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Am Lerchensteig mit seinen 95 Plätzen ist sehr gut belegt. Die Stadt ist auch auf Zeiten vorbereitet, in denen wie jetzt niemand mehr auf der Straße schlafen sollte. An kalten Wintertagen werde niemand vom Obdachlosenheim abgewiesen, wie Rathaussprecher Jan Brunzlow sagt. Das sei so mit der Awo vereinbart. Das Heim ist telefonisch unter (0331) 52 06 92 zu erreichen. Außerdem gebe es das spezielle Angebot „Junge Wilde“ für jugendliche Obdachlose sowie ein Familienhaus.

Mancher Hilfesuchende findet nicht allein den Weg dorthin, was bei nächtlichen Minusgraden gefährlich werden kann. Als Ansprechpartner für Hilfesuchende auf der Straße sind zwischen 8 und 17 Uhr die Streetworker der Creso unterwegs. Sie sind telefonisch unter 0176 /12 10  98 94 oder -98 96 zu erreichen. „Außerhalb dieser Zeiten sollte bei erkennbarer Hilfebedürftigkeit oder Hilflosigkeit von Personen die Notrufnummer 112 kontaktiert werden“, betont Brunzlow.

Hilfe aus dem Rathaus

Die Stadt tut einiges, damit es nicht soweit kommt: Seit 1998 habe Potsdam eine Fachstelle, in der wohnungslose Potsdamer und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen unterstützt werden, sagt der Rathaussprecher. „Immer wieder appellieren die zuständigen Mitarbeiter an betroffene Bürger, sich rechtzeitig beraten und helfen zu lassen.“ Jederzeit böten die Fachleute aus dem Rathaus ihre Hilfe an. Im Haus 2 der Stadtverwaltung an der Jägerallee finden Betroffene Ansprechpartner.

Darüber hinaus biete das soziale Zentrum der Volkssolidarität in der Suppenküche auf dem Verwaltungscampus in der Friedrich-Ebert-Straße Frühstück und warme Mittagsmahlzeiten an, die Möglichkeit, zu duschen und Wäsche zu waschen. Dort und bei Exvoto in der Max-Eyth-Allee 44a gibt es bei Bedarf auch warme Kleidung. Zudem können sich Wohnungslose, die Projektteilnehmer bei der BBW-Akademie sind, Am Konsumhof 1-5 aufhalten. Dort wird jeden Donnerstagvormittag eine medizinische Grundversorgung durch das Arztmobil des Klinikums Ernst von Bergmann bereitgestellt.

„Als ergänzende Hilfe sei auch auf die Arbeit der Potsdamer Tafel verwiesen“, so Brunzlow. Sie trage mit ihren Ausgabestellen für Lebensmittel dazu bei, Hilfebedürftige in Potsdam für wenig Geld mit den wichtigsten Nahrungsmitteln zu versorgen. (mit dpa)

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